23.11.2012

»Alle rein da!«

Von: Dirk Lau

Am Falkensteiner Ufer zwischen Strandweg und Elbe Camp gibt es seit Oktober 2012 die ersten 1,3 Kilometer Fahrradstraße im Bezirk Altona. An den letzten sonnigen Herbsttagen zeichnete sich bereits ab, was sich am Elbufer ändern könnte – oder auch nicht.

Zwischen Falkensteiner Weg und Falkentaler Weg ist die Fahrradstraße auch Teil der Cyclassics-Profistrecke.
Zu früh gefreut? Olaf R. aus Blankenese feiert Altonas erste Fahrradstraße ...
... Doch wie viele Autofahrer das Zeichen »Anlieger frei« missverstehen (wollen), ist leider schnell zu sehen. Sonderschichten des Bezirklichen Ordnungsdienstes oder – besser – eine Ausweisregelung müssen her!

Das Falkensteiner Ufer begrenzt den Wald bei Blankenese an der Unterelbe, ein beliebtes Ausflugsziel und Naherholungsgebiet. Zwischen dem Club der Einzelpaddler und dem von April bis Oktober geöffneten Campingplatz Elbe Camp ist die Straße vom Bezirk Altona nun zur Fahrradstraße umgewidmet worden. Mit gutem Grund: Viele Pendler aus den Elbvororten und Wedel nutzen die Strecke zur Fahrt in die Innenstadt, zudem ist sie Teil des sehr beliebten Elberadwegs, einem europäischen Fernradwanderweg.

Ich habe ein »Anliegen«…

Zum Baden war's zwar schon zu kalt, aber noch schnell mal die wärmende Sonne am Strand liegend genießen – das wollten am vorletzten Oktoberwochenende eine ganze Menge Menschen. Und wie gewohnt setzten sich viele ins Auto und fuhren zum Strand am Falkensteiner Ufer in Blankenese. Geparkt wurde natürlich so dicht am Wasser wie nur möglich. Die blauen Fahrbahnmarkierungen und das Schild mit dem Fahrradpiktogramm nahm kaum jemand wahr. Und wenn sich doch einer fragte, ob er hier wirklich auch reinfahren dürfe, zerstreute ein kleines Zusatzzeichen etwaige Zweifel: »Anlieger frei«.

Dieses Zeichen, offenbar ein unvermeidliches Zugeständnis an die Anwohner, ist vielen Autofahrern entweder egal oder wird von ihnen (bewusst) missverstanden. Anlieger ist aber nur, wer ein an der Straße anliegendes Grundstück bewohnt oder zu einer Erledigung aufsuchen muss. Der Begriff hat also nichts mit einem »Anliegen« zu tun, sondern stammt aus der Ortsbezeichnung. Leider glauben Gerichte wie das Bayerische Oberste Landesgericht, selbst unerwünschte Besucher eines Anliegers seien zum Einfahren berechtigt (BayObLG VRS 33, 457). Damit läuft die Umwidmung des Falkensteiner Ufers zur Fahrradstraße aber ins Leere.

Wie weiter?

»Es wird sich nicht viel an der Verkehrssituation ändern«, befürchtet Anwohner und Radfahrer Benjamin Harders. Eine schon lange geltende ähnliche Regelung für den Strandweg wurde auch kaum beachtet, die Missachtung des Fahrverbots an Sommerwochenenden von der Polizei so gut wie nie geahndet. Versenkbare Poller dagegen, welche die Einfahrt verhindern, würden, so das Bezirksamt, nach einem Hochwasser durch Sand festgesetzt werden. Mögliche Lösungen wären Parkverbote oder zumindest die Einführung von Bewohnerparken. Bis dahin könnte die Stadt mit der fälligen Öffentlichkeitsarbeit beginnen und Anwohner wie Verkehrsteilnehmer über die Regeln in der Fahrradstraße aufklären.

Dirk Lau in RadCity 6/2012