Verkehr
26.12.2016

FAQ Fahrradstraße

Von: diverse AutorInnen

Was bedeutet »Fahrradstraße«?

Beginn einer Fahrradstraße

Eine Straße wird durch das Verkehrszeichen 244.1 zur Fahrradstraße.

Die StVO bestimmt, welche Verkehrsregeln in einer Fahrradstraße gelten:

»Ge- oder Verbote

1. Anderer Fahrzeugverkehr als Radverkehr darf Fahrradstraßen nicht benutzen, es sei denn, dies ist durch Zusatzzeichen erlaubt.

2. Für den Fahrverkehr gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit weiter verringern.

3. Das Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist erlaubt.

4. Im Übrigen gelten die Vorschriften über die Fahrbahnbenutzung und über die Vorfahrt.«

(Quelle: Straßenverkehrs-Ordnung, Anlage 2 (zu § 41 Absatz 1) Vorschriftzeichen, gültig seit 01.04.2013)

Eine Fahrradstraße ist also ein Sonderweg für den Radverkehr und Radfahrenden vorbehalten. Sie dürfen auf einer Fahrradstraße auch dann nebeneinander fahren, wenn Autos deswegen langsamer fahren müssen. An Kreuzungen und Einmündungen gilt rechts vor links, wenn es nicht anders geregelt ist. Für das Halten und Parken gelten die selben Regeln wie in anderen Straßen.

Kfz-Verkehr ist in der Fahrradstraße erlaubt, wenn ein Zusatzzeichen wie »Anlieger frei« oder »Kfz frei« das so regelt. Autos und Motorräder sind dann quasi Gäste und müssen sich dem Radverkehr anpassen.

Im städtischen Raum müssen auf der Fahrradstraße auch die Autos der Anlieger fahren und die Geschäfte erreichbar sein. Darum wird fast immer das Zusatzschild »Anlieger frei« ergänzt. Es dürfen hier also die Personen mit Auto oder Motorrad fahren, die auf den anliegenden Grundstücken wohnen oder mit den anliegenden Grundstücken in Kontakt treten wollen – zum Beispiel um jemanden zu besuchen, ein Paket abzugeben oder den Abfluss zu reparieren.

ADFC-Position zu Fahrradstraßen

Faltblatt der Behörde für Wirtschaft und Verkehr (Hamburg)

Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer der Freien und Hansestadt Hamburg veröffentlichte Mitte März 2016 ein Video, das die Regeln erklärt.

Wozu gibt es Fahrradstraßen?

Eine Fahrradstraße in Kiel (2006)

Fahrradstraßen werden dort eingerichtet, wo viel Radverkehr vorhanden ist, erwartet wird oder gebündelt werden soll. Sie haben also denselben Zweck wie Hauptverkehrsstraßen für Kfz. Gleichzeitig bieten sie oft parallele Routen zu viel befahrenen Hauptverkehrsstraßen an, die idealerweise komfortabel, lärmfrei und ohne störende Wartezeiten an Ampeln gutes Vorankommen mit dem Fahrrad sichern. Da hier nur langsam gefahren werden kann und der Radverkehr Vorrang hat, sind Fahrradstraßen für den Autodurchgangsverkehr nicht attraktiv. Nutznießer sind also auch die AnwohnerInnen, da der geringe Autoverkehr in Fahrradstraßen das Wohnumfeld verbessert.

Brookdeich (Bergedorf): Fahrradstraße und gleichzeitig Einbahnstraße für den Kraftfahrzeugverkehr

Wo gibt es Fahrradstraßen in Hamburg?

In Hamburg gab es sehr lange nur sehr wenige Fahrradstraßen. Erst in den letzten Jahren kommen weitere hinzu. In Städten wie Bonn, Braunschweig oder Kiel werden seit Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch wenig geübte RadfahrerInnen fühlen sich auf Fahrradstraßen wohl und trauen sich dort längere Strecken zu. Fahrradstraßen gelten als sehr sicher. Damit regen sie die Menschen dazu an, auf das Fahrrad umzusteigen.

Die beliebteste Fahrradstraße in Hamburg ist sicher der Straßenzug Uferstraße - Lortzingstraße im Bezirk Hamburg-Nord. Dort wurde 2012 als Teil der Veloroute 6 eine Fahrradstraße eingerichtet, auf der man sehr komfortabel entlang des Eilbekkanals von S-Bahnhof Friedrichsberg in Richtung Außenalster radeln kann. Gegenüber einmündenden Nebenstraßen ist diese Fahrradstraße vorfahrtberechtigt geführt. 

Fahrradstraßen in Hamburg (mit Jahr der Einrichtung)

  • 2017

    • Horner Weg (Caspar-Voght-Straße bis Horner Rennbahn) (Mitte, 1500 m, geplant für 2017)
    • Vierbergen, Riedweg, Flurstück 2015,Maukestieg (Straßenführung von Washingtonallee bis Maukestieg) (Mitte, 2150 m, geplant für 2017)
    • Weidenstieg (Fruchtallee bis Tornquiststraße) (Eimsbüttel, 390 m, geplant für 2017)
    • Högenstraße (Langenfelder Damm bis Spannskamp) (Eimsbüttel, 900 m, geplant für 2017)
    • Leinpfad (Hamburg-Nord, 1620 m, geplant für 2017)

  •  2016

    • Goebenstraße (Bezirk Eimsbüttel, ca. 370 m, Kreisverkehrsplatz nicht enthalten)

  • 2015

    • Harvestehuder Weg (Bezirk Eimsbüttel, 1250 m)
    • Adenauerallee (nördl. Nebenfahrbahn) (HH-Mitte, 420 m)
    • Billhafen Löschplatz (HH-Mitte, 50 m)
    • Angerstraße (Nord, 170 m)
    • Rheingoldweg (Altona, 525 m)

  • 2013

    • Honartsdeicher Weg (HH-Mitte, 1100 m, Teil des Loop)
    • Wirtschaftsweg westl. der Wilhelmsburger Reichsstraße (HH-Mitte, 900 m)

Lortzingstraße (Eilbek): Von der unattraktiven Kopfsteinpflasterstraße zur attraktiven Fahrradstraße

Was gewinnen die AnwohnerInnen?

Das Wohnen an einer Fahrradstraße ist wie das Wohnen in einer Tempo-30-Zone: Wenig Autoverkehr und langsame Geschwindigkeiten sorgen für Ruhe und ein angenehmes Wohnumfeld. Kinder können wieder draußen spielen. Und Anwohner werden weiterhin die Möglichkeit haben, mit dem eigenen Auto das Grundstück zu erreichen – nur der Parktourismus entfällt. In Hamburg geht die Einrichtung neuer Fahrradstraßen i. d. R. mit einer deutlichen Aufwertung des gesamten Straßenraums einher: attraktive Nebenflächen für FußgängerInnen, Berücksichtigung der Belange von Personen mit Mobilitätseinschränkung (Blinde, Rollatorbenutzer, Rollstuhlfahrer), höhere Verkehrssicherheit in Einmündungsbereichen.

Die von-Essen-Straße verbindet seit 2012 in Form einer S-Kurve Lortzing- und Uferstraße

Wie wirkt sich die Fahrradstraße auf den Wirtschaftsverkehr aus?

Der Wirtschaftsverkehr profitiert durch Fahrradstraßen. Handwerker und Lieferdienste können selbstverständlich die Grundstücke weiterhin erreichen, der Schwerlastverkehr nutzt sowieso eher das Hauptstraßennetz. Der wichtigste Wirtschaftsverkehr – der Einzelhandel und seine Kunden – profitiert sogar von der Fahrradstraße: Untersuchungen wie »Clever einkaufen mit dem Rad« (http://www.einkaufen-mit-dem-rad.de/index.shtml) haben gezeigt, dass Fahrradkunden die besten Kunden für den Einzelhandel im Stadtteil sind. Auch wenn jeder einzelne Einkauf nicht sehr groß ist: Sie kaufen häufig ein und fahren nicht zum Discounter auf der grünen Wiese. Damit sind sie gerade für den Einzelhandel in Wohngebieten ein interessanter Kundenkreis, der sich durch komfortable Angebote zum Fahrradparken, Lieferdienste für schwere Einkäufe oder einen Fahrradhängerverleih noch stärker binden lässt.

Bei der Umgestaltung einer Tempo-50-Straße in eine Fahrradstraße ergeben sich zusätzliche Vorteile für die Gewerbetreibenden. AutofahrerInnen, die die Straße für ihren Weg von A nach B nutzen, haben selten Interesse, spontan anzuhalten und sich ein Schaufenster anzusehen und einzukaufen. Das ist im Radverkehr aufgrund der niedrigeren Geschwindigkeit und des unkomplizierten Anhaltens anders. Es gilt die alte Geschäftsfrauenweisheit: »Nicht Autos kaufen ein, sondern Menschen«.

Kiel fördert schon seit vielen Jahren den Radverkehr – Fahrradstraßen sind dabei ein wichtiges Instrument

Welche langfristigen Auswirkungen sind zu erwarten?

Langfristig betrachtet sind Fahrradstraßen auch ein Anti-Stau-Instrument für den Autoverkehr: Mit Instrumenten wie Fahrradstraßen, Velorouten usw. wird das Radfahren attraktiver. Menschen, die heute noch Auto fahren, werden dann zumindest gelegentlich aufs Rad umsteigen. Wenn in Hamburg der Radverkehrsanteil um 10 Prozentpunkte steigt und der Autoverkehrsanteil entsprechend um 10 Prozentpunkte sinkt (was sogar noch eine konservative Annahmen ist), dann sind auf den Straßen deutlich weniger Autos unterwegs.

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