23.11.2012

»Ohne Fahrradstraßen nicht denkbar«

Von: Marcus Steinmann
Detlev Gündel, BWVI
Detlev Gündel weiß, was das Radfahren attraktiv und sicher macht. Früher war er in einem bekannten Planungsbüro beschäftigt und ist heute Alltagsradler in Hamburg und Mitarbeiter in der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation.

Mit Detlev Gündel, Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), Sachgebiet nichtmotorisierter Verkehr, sprach Redaktionsmitglied Marcus Steinmann über den weiteren Einsatz dieses Planungsinstruments.

Für die Hauptverkehrsstraßen ist in Hamburg der Senat zuständig, für alle anderen Straßen sind es die jeweiligen Bezirke. Wer entscheidet eigentlich über die Einrichtung einer Fahrradstraße auf einer Veloroute und welche Rolle hat hierbei die BWVI? »Die BWVI kann eine Fahrradstraße alleine nicht durchsetzen, sie kann sie erstmal nur anregen«, so Detlev Gündel.

Im Planungsprozess gibt es drei Beteiligte: die BWVI, das beauftragte Planungsbüro und den zuständigen Bezirk. »Jeder dieser drei kann im Verlauf der Planung die Einrichtung einer Fahrradstraße vorschlagen.« Ob die Fahrradstraße dann aber wirklich auch realisiert wird, hängt letztlich vom Votum der Straßenverkehrsbehörde und des zuständigen Polizeikommissariats ab, die beide dem Innensenator unterstellt sind. Sehen diese Stellen die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet, scheitert die geplante Fahrradstraße. Der Einflussbereich der BWVI ist in diesem Prozess also begrenzt, die anderen Beteiligten müssen mitspielen, wenn es zu einer Fahrradstraße kommen soll.

Weitere Fahrradstraßen unter Federführung der BWVI sind trotz alledem auf der nördlichen Nebenfahrbahn der Adenauerallee in der Nähe des Hauptbahnhofs als Teil der Veloroute 8 und in Wilhelmsburg entlang der Wilhelmsburger Reichsstraße (Honartsdeicher Weg, Honartsdeicher Kehre und Verlängerung der Schlenzigstraße) als Teil der Veloroute 11 und des Radfernwegs Hamburg-Bremen geplant. Beide Fahrradstraßen sollen im Laufe des nächsten Jahres eingerichtet werden.

Allerdings müsse »eine Fahrradstraße nicht zwingend Teil einer Veloroute sein«. Maßgeblich sei hier vielmehr die Vorgabe durch die Verwaltungsvorschrift der StVO, wonach eine Straße nur dann als Fahrradstraße ausgewiesen werden kann, wenn mehr Rad- als Autofahrer auf der Strecke unterwegs sind. Gleiches gilt, wenn durch die Umwidmung mehr Rad- als Autoverkehr zu erwarten ist. Mit dem Brookdeich und jetzt auch mit dem Falkensteiner Ufer gibt es ja schon zwei Fahrradstraßen in Hamburg, die nicht zu einer Veloroute gehören.

An dieser Stelle erinnert Detlev Gündel nochmal daran, dass »jeder Bezirk alleine – wie immer unter dem Vorbehalt der Verkehrssicherheit – eine Fahrradstraße beschließen und umsetzen kann«. Wie schon in Bergedorf Ende 2008 und jetzt in Altona geschehen.

Da es bis zum Ausbau der Veloroute 6 keine längeren, besonders sichtbaren Fahrradstraßen gab, ist »Öffentlichkeitsarbeit nötig«, meint Detlev Gündel. Die Regeln einer Fahrradstraße seien nicht allen bekannt. Deshalb sei für die Anwohner bei zukünftigen Fahrradstraßen ein Faltblatt geplant, das vor dem Bau einer neuen Fahrradstraße verteilt werden soll.

Ob er sich denn eine wirklich fahrradfreundliche Stadt auch ohne Fahrradstraßen vorstellen könne, möchte die RadCity zum Schluss noch wissen denn schließlich gibt es ja noch andere mögliche Maßnahmen. »Nein, ohne Fahrradstraßen ist so eine Stadt für mich nicht denkbar«, sagt Detlev Gündel. Die Fahrradstraße ist ein gutes Instrument, da Radfahrer eindeutig erwünscht seien.

»Angenehmeres Klima«, »einfach schöner«: Viele Rückmeldungen von Radfahrern der Veloroute 6 bestätigen die Einschätzung der BWVI. Deswegen sollen auf den noch zu realisierenden Velorouten viele Fahrradstraßen hinzukommen. Denn mit der Fahrradstraße, so Detlev Gündel, lasse sich mit »relativ wenig Aufwand eine große Wirkung erzielen«.

Marcus Steinmann in RadCity 6/2012