09.10.2014

100 Millionen

Von: Jens Deye
Elbtunnel (Foto: Fotolia)

Die Sanierung des alten Elbtunnels soll 100 Mio. Euro kosten! Wie wäre es, diese aus dem Radverkehrshaushalt zu finanzieren? Eine Maut für Radfahrer, wie in der Presse diskutiert, ist natürlich keine Option, aber warum soll der Radverkehr nicht als Grund für die Sanierung herangezogen werden? Der alte Elbtunnel ist neben den Elbbrücken die Verbindung für den Radverkehr auf die andere Seite der Elbe und hat also einen ähnlichen Stellenwert wie der neue Elbtunnel für Autofahrer.

Nicht finanzierbar? Der Nationale Radverkehrsplan 2020 sieht einen Mittelbedarf der Städte von bis zu 19 Euro pro Einwohner und Jahr vor. Derzeit sind wir in Hamburg bei ca. 3 Euro. Die reiche Stadt Hamburg mit ihren 1,8 Millionen Einwohnern könnte die 19 Euro sicherlich erreichen. Dann hätten wir 35 Mio. Euro pro Jahr für den Radverkehr zur Verfügung. Verteilte man die Baukosten für den Elbtunnel auf 20 Jahre, blieben immer noch 30 Mio. Euro pro Jahr für andere Projekte! Immer noch unrealistisch? Ja, wohl wahr! Verglichen mit den Summen, die an anderer Stelle ausgegeben werden, sind das immer noch Peanuts! Eine kleine Aufzählung: Elbphilharmonie 789 Mio. Euro, Busbeschleunigung 260 Mio. Euro, 32 km U5-Trasse für rund 3 Mrd. Euro, 8 km Hafenquerspange für ca. 1 Mrd. Euro.

Jeder Euro, der in den Radverkehr investiert wird, zahlt sich mehrfach wieder aus. Kopenhagen rechnet beispielsweise so: Für jeden Kilometer, der mit dem Rad statt mit dem Auto gefahren wird, kann die Stadt öffentliche Gesundheitskosten in Höhe von 0,63 Euro einsparen. Hinzu kommen geringere Instandhaltungskosten. In 2014 hat Hamburg 72 Millionen Euro für 126 km Kfz-Fahrstreifen ausgegeben, wohl gemerkt: nicht Straßenkilometer. Die Abnutzung durch den Radverkehr wird man hingegen kaum messen können. Kopenhagen hat übrigens im Schnitt der letzten Jahre 22 Euro pro Jahr und Einwohner für den Radverkehr ausgegeben.

Eigentlich ist es Zeit für 100 Mio. Euro pro Jahr für den Radverkehr in Hamburg! Bis der Missstand auf den Straßen aufgeholt ist.

Jens Deye in RadCity 5/2014