15.02.2017

Radwegrückbau

Von: Ulf Dietze

Die meisten Radwege in Hamburg entsprechen nicht den Anforderungen an die Sicherheit und die Komfortansprüche heutigen Radverkehrs. Eine Sanierung dieser Wege ist aufgrund der Platzverhältnisse oft nicht möglich und wird auch nicht angestrebt, da heute sicherere Führungen für den Radverkehr gesucht werden. Was also tun mit den alten Radwegen?

Steilshooper Straße

In der Steilshooper Straße gibt es seit Jahren keine Radwegebenutzungspflicht mehr. Radfahrer und Radfahrerinnen können sich für den Radweg oder die Fahrbahn entscheiden. Die Radwege entsprechen von ihrer Breite, der Lage (direkt an parkenden Autos entlang, an Einmündungen verschwenkt) und ihrem Zustand nicht aktuellen Planungsstandards.

Die Stadt hat jetzt die Bushaltestellen Herbstsweg (Richtung Norden) und Langenfort (beide Seiten) neu gestaltet. Dabei wurden in den Nebenflächen graue Betonsteinplatten verlegt und so außer dem Komfortgewinn für Fußgänger auch Platz für einen Fahrgastunterstand geschaffen. Ein Radweg existiert hier jetzt nicht mehr. Radfahrer werden vor der Haltestelle per Radspur (Herbstsweg) bzw. Ableitung des Radwegs (Langenfort) auf die Fahrbahn geführt.

Dadurch »kommuniziert« die Straße nun auch dem letzten Autofahrer, dass Radfahrer hier korrekt auf der Fahrbahn unterwegs sind – das hatten zuletzt immer noch nicht alle Autofahrer begriffen und verhielten sich besserwisserisch und aggressiv. Auch zwei bislang zu der aktuellen Neugestaltung erschienene Wochenblatt-Berichte zeigen, dass weder die Verkehrsregeln noch der Sinn dahinter verstanden sind.

Zahlreiche Radfahrende fahren trotz der neuen Regelung auf den Nebenflächen – und damit streckenweise unerlaubt auf dem Gehweg. Rein rechtlich ist eine Benutzungspflicht für die Radwege in der Steilshooper Straße nicht haltbar. Auch Verkehrssicherheitsaspekte sprechen gegen die Radwege und für das Fahren auf der Fahrbahn. Allerdings reicht es nicht, einfach die Radwege zurückzubauen und die ängstliche Fraktion unter den Radfahrenden mit ihren Sorgen allein zu lassen.

Eine Tempo-30-Regelung für die Steilshooper Straße würde die Durchschnittsgeschwindigkeit des  Autoverkehrs reduzieren, das Fahren mit dem Rad noch sicherer und vor allem weniger angstbesetzt machen. Ja, auch der Bus fährt hier durch. Es wäre einen Versuch wert, zumindest für zwei Jahre eine Tempo-30-Regelung zu testen

Zwar ist nun nicht auf der gesamten Strecke der Radweg zurückgebaut worden. Aber immerhin ist dort, wo ein Bereich »angefasst« wurde, vernünftig daran gedacht worden, den Radverkehr auf die Fahrbahn zu bringen. Mehr davon! (21.09.2012, Ulf Dietze)

Herbstsweg: Radweg via Radspur auf die Fahrbahn geführt
Die alten Radwege in der Steilshooper Straße liegen versteckt, werden verschwenkt und sind schadhaft.
Radwegableitung auf die Fahrbahn vor der Haltestelle Langenfort
Für Fußgänger ist nun mehr Platz.

Alter Teichweg

Statt Radwegsanierung erfolgte im Alten Teichweg ein Rückbau.

Die Anwohner wurden im Juni informiert, dass die Fahrbahn und einige Straßennebenflächen wegen der Winterschäden saniert werden würden. Als wir nachfragten, ob in dem Zusammenhang der Radweg zurückgebaut wird, hieß es zunächst, er werde lediglich wieder instand gesetzt.

Im Alten Teichweg sind die Radwege nicht benutzungspflichtig, und die Gehwege sind für das teilweise sehr hohe Fußgängeraufkommen (u. a. Beachcenter mit Freibad, Grundschule, Gesamtschule, mehrere Kitas) nicht ausreichend dimensioniert. Daher ist auf jeden Fall der Rückbau des Radwegs die für alle Seiten beste Lösung. So argumentierten wir auch, als die Arbeiten angekündigt wurden.

Tatsächlich ist es so jetzt auch gemacht worden ­ auf dem überarbeiteten Teilstück. Statt eines kaputten, überflüssigen Radwegs neben einem von Stolperfallen durchsetzten Gehweg gibt es dort nun einen komfortablen, breiten Gehweg. Hier ist also endlich ein Beispiel, bei dem im Rahmen einer kleinräumigen Sanierung berücksichtigt wurde, wie die Nebenflächen langfristig aussehen sollen.

Und der Radverkehr ist jetzt da, wo er hingehört: auf der Fahrbahn. (31.07.2012/ud)

Sanierter Gehweg in Alter Teichweg, Hamburg.
Anfang der Ausbaustrecke an der Schwetzer Gasse.
Sanierter Gehweg in Alter Teichweg, Hamburg.
Ende der Ausbaustrecke an der Kulmer Gasse. Im Hintergrund schön zu erkennen: So etwa sah es auch auf dem sanierten Stück zuvor aus.
Kaputter Radweg in Alter Teichweg, Hamburg.
Und zum Vergleich noch ein üblicher »Radweg«-Abschnitt im Alten Teichweg.

August-Krogmann-Straße

Beim Kreuzungsumbau wurde der Radweg der Nebenstraße ein Stück weit zurückgebaut.

Beim Umbau des Knotens August-Krogmann-Straße/Neusurenland wurde ein Stück des Radwegs in den westlichen Neusurenland hinein zurückgebaut und durch Gehwegplatten ausgetauscht. Damit ist klar, dass hier kein Radweg existiert und der Radverkehr auf die Fahrbahn gehört.

Juli 2012

August-Krogmann-Straße Richtung westlichem Neusurenland: Zurückgebauter Radweg signalisiert: Radfahrer gehören auf die Fahrbahn
adfc hh/Ulf Dietze
Einige zig Meter abseits der Einmündung gibt es noch den alten Radweg. Aus Kostengründen wird der zunächst nicht zurückgebaut.