07.11.2016

Indirektes Abbiegen rechtlich betrachtet

Von: Ulf Dietze

Muss der Radfahrende nach Beginn des indirekten Abbiegevorgangs noch eine Ampel beachten?

Wer auf der Fahrbahn direkt nach links abbiegt (rote Linie), beachtet auch als Radfahrer die Signale für den Fahrbahnverkehr. Wer indirekt abbiegt auf einer Radverkehrsführung (grüne Linie), beachtet die ggf. vorhandenen Signale für den Radverkehr. Hier an der Kreuzung Stadtbahnstraße/Saseler Chaussee ist diese Ampel auf der Mittelinsel (rechts im Bild) zu erkennen.

[update, 07.11.2016]

Bei neueren großen Knoten stellt sich für Viele die Frage, unter welchen Umständen sie Radfahrampeln auf der Mittelinsel beachten müssen.

Zu beachten: Wer auf einer Radverkehrsführung (dazu gehören auch die Radfahrfurten) in den Knoten einfährt, muss die an der Furt angebrachten Radfahrsignale beachten. § 37 Abs. 2 Satz 6 StVO:  »Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten. Davon abweichend sind auf Radverkehrsführungen die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr zu beachten. An Lichtzeichenanlagen mit Radverkehrsführungen ohne besondere Lichtzeichen für Rad Fahrende müssen Rad Fahrende bis zum 31. Dezember 2016 weiterhin die Lichtzeichen für zu Fuß Gehende beachten, soweit eine Radfahrerfurt an eine Fußgängerfurt grenzt.«


Der Radfahrer (weiße Linie) biegt indirekt ab. Er überquert zunächst die eine Fahrbahn und dann die andere.
Der Radfahrer ordnet sich ein und biegt direkt ab – so, wie er es als Autofahrer auch täte.

[06.03.2014]

In der aktuellen 41. Auflage des StVO-Kommentars von Hentschel/König/Dauer schreibt König unter Rd-Nr. 38: »Beim sogenannten "indirekten Linksabbiegen" bleibt der Radfahrer zunächst rechts, überquert die Kreuzung oder Einmündung und biegt erst dann nach links ab. Es handelt sich in der Sache dabei nicht um einen Abbiegevorgang, sondern um eine Fahrbahnüberquerung. Gleichwohl bleibt der Radfahrer beim indirekten Abbiegen "Abbieger" und unterliegt nicht etwa den für den Querverkehr oder querenden Fußgängerverkehr geltenden Regeln, es sei denn, er steigt vom Fahrrad ab und schiebt dieses; im letztgenannten Fall ist sein Verhalten nicht an § 9 zu messen.«

Allein das entspricht dem Wortlaut des § 9 Abs. 2 S. 2 StVO für das indirekte Linksabbiegen: »Beim Überqueren ist der Fahrzeugverkehr aus beiden Richtungen zu beachten.« Davon, dass die Lichtzeichen des Querverkehrs zu beachten sind, ist nicht die Rede.

Ein neu angebrachtes Radfahrersignal (auf der Hälfte des Abbiegevorgangs) würde aber für den Radfahrer, der auf der Fahrbahn indirekt links abbiegt, nicht gelten. Argument aus § 37 Abs. 2 Nr.1 StVO: Rot ordnet an: "Halt vor der Kreuzung". Der indirekt abbiegende Radfahrer befindet sich nicht mehr vor der Kreuzung, sondern auf ihr und ist bei Grün in die Kreuzung eingefahren.

(Quelle: Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC-Bundesverbands)