03.07.2015

Maienweg/Ratsmühlendamm nachgebessert

Von: Ulf Dietze

Die vom ADFC kritisierte gefährliche Ampelschaltung ist nun entschärft.

Nach dem Kreuzungsumbau im Jahr 2013 war für indirekt abbiegende RadfahrerInnen nicht sicher erkennbar, wann sie ihren begonnenen Abbiegevorgang abschließen konnten. Denn wer einmal bei Grün in die Kreuzung eingefahren ist, darf zwar zuende abbiegen. Der Radfahrende konnte jedoch nicht erkennen, dass dann erst der Gegenverkehr startet, dessen Weg er beim Abbiegen kreuzt.

Die Vorgeschichte hatten wir im Artikel »Gut gemeint ist nicht gut gemacht« in unserer RadCity im Februar 2014 veröffentlicht. Außerdem haben wir die Frage geklärt, welche Ampel in welchem Moment für den Radfahrenden gilt. In einem Video vergleichen wir außerdem, wie kompliziert und langwierig der Abbiegevorgang für RadfahrerInnen im Vergleich zu dem für Autofahrende ist.

In seinem Rechenschaftsbericht über das Jahr 2013 räumte der LSBG ein, dass die von uns als gefährlich beschriebene Situation tatsächlich ein Problem darstellt. Außerdem wurde nun unsere Rechtsauslegung bestätigt.

»Nach Öffnung des Knotens für den Verkehr zeigte sich sehr schnell, dass die Verkehrsführung an zwei Punkten für die Verkehrsteilnehmer nicht verständlich und damit nicht akzeptierbar war. So konnten die Linksabbieger aus dem Ratsmühlendamm in den Brombeerweg nicht erkennen, dass der entgegenkommende Geradeausverkehr zeitgleich ein grünes Ampellicht hatte. In der Folge kam es mehrfach zu Auffahrunfällen. Um diese Gefahr auszuschließen, wurde nachträglich eine eigene Grünphase für die Linksabbieger geschaltet.

Diese Wegebeziehung zeigte sich auch für die Radfahrer kompliziert. Der Radfahrer findet zwar seinen Weg sicher in die dafür vorgesehene Aufstelltasche, er ist jedoch unsicher, wann er weiterfahren kann, bzw. welches Signal er beachten muss. Die StVO gibt hier vor, dass er fahren kann, wenn der Verkehr es zulässt, er also kein weiteres Signal beachten muss, wie auch der Kfz-Verkehr. Zu diesem Thema gibt es derzeit in den Fachgremien Diskussionen, ob hier nicht doch eine Fahrradampel sinnvoll wäre.« (Quelle: Freie und Hansestadt Hamburg; Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation; Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (Hg.): Geschäftsbericht 2013. August 2014)

Lösung gefunden

Im Anschluss suchte der LSBG nach einer sicheren und StVO-gerechten Lösung: Jetzt sind an allen Mittelinseln einzelne Fahrradsignalgeber angebracht. Sie zeigen grundsätzlich kein Signal. Der Radfahrende darf also zu jeder Zeit wie gehabt indirekt zuende abbiegen.

Dem Radfahrer, der in der Wartetasche wartet, zeigt das neue Signal dann für einige Sekunden als "Startsignal" Grün, wenn auch der parallele Autoverkehr sein Grünsignal bekommt. Der indirekt abbiegende Radfahrer kann sich also beim Abbiegevorgang daran orientieren, wann er das Grünsignal sieht, und weiß so, dass er dann nicht mit dem Querverkehr in Konflikt gerät.

Die zusätzlichen Signale sind also eine Verbesserung. Rein rechtlich hat sich zum vorherigen Stand allerdings nichts geändert. Weiterhin wissen Radfahrer bei »Schwarz« nicht, dass sie nicht sicher abbiegen können.

Aus den Erfahrungen lernen

Bei zukünftigen Kreuzungsumbauten erwarten wir, dass Radfahrer zu jeder Zeit und an jedem Punkt der Kreuzung wissen, wann sie sicher abbiegen können, ohne dass sie durch die Schaltung benachteiligt werden.

Nach Möglichkeit sollte immer direktes Linksabbiegen vorgesehen werden: Dadurch erspart man den Radfahrenden ärgerliche Umwege, macht die Fahrbeziehung der Radfahrenden für die Autofahrer transparenter. Man muss dann nicht mehr irgendwelche Sonderlösungen für Radfahrer suchen, die kaum  jemand versteht.

Das neue Signal für Radfahrer in der Wartetasche im Zustand "schwarz"
Das neue Signal für Radfahrer in der Wartetasche im Zustand "schwarz"
Das selbe Signal zeigt dem Radfahrenden, dass er jetzt sicher aus der Wartetasche starten kann
Das selbe Signal zeigt dem Radfahrenden, dass er jetzt sicher aus der Wartetasche starten kann

[Update, 26.07.2015:] In der RadCity 4/2015 haben wir das Thema um diese erläuternden Grafiken ergänzt.

Unser Beispiel zeigt die Fahrbeziehung Maienweg nach Erdkampsweg, gilt aber für die anderen Richtungen entsprechend. (Plan [M] vom LSBG)

Phase 1: Beim indirekten Linksabbiegen fährt der Radfahrer bei Grün geradeaus in die Kreuzung und landet in der »Wartetasche« (rechts oben). Das neu installierte Signal für Radfahrer zeigt ihm zunächst »schwarz«
Phase 2: Derselbe Signalgeber springt auf Grün, wenn der Radfahrende seinen Abbiegevorgang sicher beenden kann. Das Signal geht nach wenigen Sekunden wieder aus, da es nur als Startsignal gedacht ist