06.06.2010

ADFC für Stadtbahn

Von: Ulf Dietze

Eine moderne Stadtbahn ist eine wichtige Ergänzung zum bestehenden Netz aus U- und S-Bahnen. Schienengebundene Nahverkehrsmittel haben gegenüber Bussen einige entscheidende Vorteile. Fahrkomfort, Kapazität, vergleichsweise geringer Energieverbrauch und Erweiterbarkeit des Systems sprechen für sie. Von vornherein wäre ein neues Stadtbahnsystem in Hamburg barrierefrei und erleichterte Menschen mit Behinderung oder Eltern mit Kinderwagen den Zugang.

 

Paris baut sein Stadtbahnnetz weiter aus. Hier die Linie T3 im Jahr 2008. Die Haltestellen haben Niveaugleichen Einstieg.

Der ADFC begleitet die Planungen zur Stadtbahn im Fahrgastbeirat des HVV. Zusätzlich hat im Herbst 2009 eine Projektgruppe des Vereins eine Stellungnahme zu den bis dahin vorliegenden Planungen abgegeben. Besonderes Augenmerk legten wir dabei auf die Belange des Fuß- und des Radverkehrs.

Mit ihren Entwürfen zeigt die Stadt, dass es ihr bei der Installation des Stadtbahnsystems auch um die Aufwertung der betroffenen Straßenzüge geht. Die grün bewachsenen Verkehrsflächen der Stadtbahn verändern den Gesamteindruck des Straßenbildes positiv und verbessern die Aufenthaltsqualität für alle Verkehrsteilnehmer und Anwohner. Im Detail sieht der ADFC noch Verbesserungsbedarf an den im Herbst 2009 vorgelegten Planungen. Das ändert jedoch nichts an seiner grundsätzlich zustimmenden Haltung zur Stadtbahn.

Zwar sind die Investitionskosten für ein neues Verkehrsmittel zunächst hoch. Sie betragen jedoch nur einen Bruchteil der Beträge, die zum Ausbau des Schnellbahnnetzes notwendig wären. Das zeigt sich deutlich am Beispiel der U4. Auch Busse können eine Stadtbahn nicht ersetzen. Mit ihnen ist das Fahrgastaufkommen auf den geplanten Strecken der neuen Stadtbahn schon heute zeitweilig nicht mehr zu bewältigen. Ein attraktiver Nahverkehr ist aber Voraussetzung für eine ökologisch nachhaltige Verkehrspolitik. Das Geld ist deshalb für eine moderne Stadtbahn gut angelegt.

 

Auch Wien setzt auf moderne Stadtbahnen (Foto von 2006). Das Netz wird weiter ausgebaut.

Der Radverkehr profitiert zunächst vom Ausbau der Strecken durch gleichzeitige Neuanlage der Radverkehrsführung nach dem »Stand der Technik«. Ein funktionierender ÖPNV ist für Radfahrende außerdem wichtig, weil er Autofahrten vermeiden hilft und damit Radfahren attraktiver und sicherer macht. Radfahrende sind auch häufige Fahrgäste des ÖPNV und profitieren dann auch auf diese Weise von der neuen Stadtbahn.

Im Vergleich zu Bussen lässt sich mit modernen Niederflur-Stadtbahnen die Fahrradmitnahme leichter organisieren. Vielleicht geben mit einem vergrößerten schienengebundenen ÖPNV die Verkehrsunternehmen auch endlich ihren Widerstand gegen die Aufhebung der Sperrzeiten auf.

Der ADFC Hamburg wird die weiteren Planungen der Stadtbahn begleiten und unterstützen.

Stand: 06.06.2010