03.08.2013

Busbeschleunigung im Univiertel

Von: Amrey Depenau

Und es begab sich aber zu der Zeit, … dass ein Gebot von der SPD-Regierung ausging, dass Busse beschleunigt würden.

Diese Radfahrerin möchte wie viele andere keinen Umweg fahren.
Diese Radfahrerin möchte wie viele andere keinen Umweg fahren.
Wenn hier sowieso nicht klar ist, wo's lang geht, kann man ja auch mal schnell in der Gegenrichtung durchhuschen …
Wenn hier sowieso nicht klar ist, wo's lang geht, kann man ja auch mal schnell in der Gegenrichtung durchhuschen …

Und überall in Hamburg sprossen Baustellen aus dem Boden, besonders auf der Strecke der Linie 5. Am Knotenpunkt Grindelallee/Edmund-Siemers-Allee/Dammtor mussten alle VerkehrsteilnehmerInnen Wochen des Staus und der gesperrten Wege hinnehmen. Und als dann im Juni die Sperrungen verschwanden, waren alle froh, dass Bus- und Autoverkehr wieder zügig fließen konnten.

Hier endet die biblisch inspirierte Geschichte. Es bleibt ein schaler Geschmack, denn für den Rad- und Fußverkehr haben die Umbauten an dieser hoch frequentierten Strecke keine Verbesserungen gebracht. Anfang Juni nimmt sich die Autorin Zeit, die Anlagen praktisch unter die Lupe zu nehmen und dabei vor allem das Verhalten der NutzerInnen zu beobachten – wohlgemerkt, an einem Sonntag!

Kreuzung Grindelallee

Ich beginne meine Feldforschung in der Grindelallee, wo ich erfreut feststelle, dass die blauen Schilder entfernt worden sind und ich legal auf der Fahrbahn fahren kann. An diesem Sonntag ist das bei schönem Wetter und entspanntem Fahrverhalten um mich herum ein Vergnügen. Auf Höhe des Musik-Clubs Logo beginnt dann ein Radfahrstreifen, der mich bis an die Einmündung in die Edmund-Siemers-Allee (ESA) führt. Hier ist der Spaß leider vorbei: Nach wie vor müssen sich alle RadfahrerInnen auf der ESA über den Zweirichtungsradweg quälen, der an den Uni-Gebäuden entlang führt. Neu ist, dass nun mit allen Mitteln verhindert werden soll, dass RadlerInnen auf der rechten Straßenseite auf dem Gehweg an den Bahngleisen fahren. Umlaufsperren machen es den aus Richtung Rentzelstraße Kommenden schwer, geradeaus zu fahren. Schwer, aber nicht unmöglich. Innerhalb von fünf Minuten umfahren ca. zehn Personen beinhart die Sperren. Nicht eine wechselt über die knallrote Furt auf die andere Seite. Abstimmung mit den Rädern sozusagen. Fehlplanung. Sechs, setzen!

Kreuzung Dammtor

Mein Hals ist ziemlich dick, als ich brav über die Furt in den Zweirichtungsradweg fahre, der seit Jahren schlecht gepflegt ist und immer noch das alte Klinkerpflaster hat. Das Abbiegen aus der Grindelallee ist schwierig: Wenig Aufstellfläche für wartende Radfahrerinnen, ich muss den Fußgängerübergang und einen Rechtsabbieger queren. Mit diversen anderen RadfahrerInnen bewege ich mich Richtung Dammtor. Auch hier hat sich nichts verändert. Eine gesonderte Lichtsignalanlage deutet darauf hin, dass ich wohl links weiterfahren darf, auf dem Radweg rechts vorm Dammtorbahnhof leuchtet allerdings auch ein blauer Lolly. Was denn nun? – Ich entdecke weitere Beispiele aus dem Buch »Radverkehrsführungen des Grauens«: In der Dammtorstraße soll der Radverkehr eigentlich auf die Fahrbahn geführt werden, doch die neu aufgetragene rote Markierung kann sich nicht zwischen eingepollertem Altradweg und Fahrbahn entscheiden – ebenso wenig wie die Nutzer. Irgendwann halte ich alles nur noch mit der Kamera fest und schmunzle in mich hinein. Was habe ich denn erwartet? Eine Radbeschleunigung? – Nein, wo Busbeschleunigung drauf steht, ist die Beschleunigung des motorisierten Verkehrs drin. Glücklicherweise muss ich diese Verbindung ja nie benutzen. Ich fahre schön durch die Tiergartenstraße und auf der Rückseite des Dammtorbahnhofs über die Brücke in den Park…

Amrey Depenauin RadCity 4/2013