27.09.2011

Freie Fahrt für eine bessere Stadt

Von: Vincenz Busch

Der öffentliche Nahverkehr in Hamburg ist nicht gerade billig. In diesem Jahr wurden die Fahrpreise noch einmal um 3,3 Prozent erhöht. Damit stiegen die Ticketpreise stärker als das durchschnittliche Einkommen, weshalb sich der Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn immer weniger rentiert.

Die Initiative wirbt engagiert für ihre Ziele. Auf dem Methfesselfest ...

Die Initiative HVV umsonst!, Ende 2010 im Rahmen einer Aktionskonferenz gegründet, versucht, diesen Trend zu brechen. Die Mitglieder fordern aber nicht etwa nur einen bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr, sie wollen den HVV zum Nulltarif. Was zunächst nach idealistischem Wolkenkuckucksheim klingt, ist durchaus ernst gemeint.

Die Vorzüge eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs sind vielfältig. So ermöglicht er jedem, unabhängig von dessen Einkommen, eine ausreichende Mobilität und damit die Chance zur Integration ins städtische Leben. Aus ökologischer Sicht motiviert er zudem das Umsteigen vom Auto auf ressourcensparendere öffentliche Verkehrsmittel. Und zuletzt bietet er auch verkehrspolitische Vorteile. Der Autoverkehr könnte sich dadurch so weit vermindern, dass die Straße wieder zu einem attraktiven Lebensraum werden kann. Inklusive Straßencafés und frei von massiven Gefahren und Lärmbelästigungen.

Der Hauptkritikpunkt ist, wie so oft, natürlich die Finanzierung eines solchen Projekts. Derzeit hat der HVV Gesamtausgaben von 780 Mio. Euro im Jahr, 560 Mio. Euro davon kommen durch Fahrgelder wieder herein. Die Initiative verweist auf die Studie »Zukunftsfähiges Hamburg« (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie), in der die Mehrkosten gegenüber heute für den Nahverkehr auf 170 Euro pro Jahr und Einwohner des HVV-Gebiets beziffert werden. Ein durchaus überschaubarer Betrag, gerade im Vergleich dazu, dass Autofahrer der Allgemeinheit fast das Vierfache (nämlich 629 Euro pro Einwohner) an Kosten aufbürden.

... oder auch mal beim »Kapern« einer Hafenfähre

Leider gibt es aber auch noch andere Probleme, besonders im Hinblick auf den Radverkehr. So hat sich bei bisher realisierten Projekten dieser Art gezeigt, dass ein kostenfreier öffentlicher Nahverkehr viel stärker Fußgänger und Fahrradfahrer als Autofahrer anzieht. Gerade auf Kurzstrecken wird häufig auf das Rad oder einen Spaziergang verzichtet. Das hat damit zu tun, dass der Preis natürlich nur ein Argument für die Wahl des Verkehrsmittels ist. Für viele Fußgänger und Fahrradfahrer bedeutet der Bus damit Komfortgewinn, vielen gutsituierten Autofahrern hingegen einen Komfortverlust.

So schön die Fahrt im ÖPNV auch ist: Kosten entstehen an vielen Stellen.

Deshalb wäre neben der Kostenfreiheit auch eine Verbesserung des Komforts – sowohl im öffentlichen Nahverkehr als auch beim Radverkehr – nötig, um die Menschen zur Nutzung von nachhaltigen Verkehrsmitteln zu motivieren. Das beinhaltet vor allem auch einen Ausbau des Stadtradsystems als Teil des öffentlichen Nahverkehrs.

Zudem ist ein Umdenken in den Köpfen der Menschen notwendig. Dazu soll auch die Öffentlichkeitsarbeit beitragen, mit der die Initiative in diesem Jahr begonnen hat. Die ersten Aktionen, darunter etwa ein Gratiszug auf dem Hafengeburtstag, kamen bei den Hamburgern gut an. Aber natürlich befindet sich HVV umsonst! ein Dreivierteljahr nach der Gründung noch am Anfang und möchte mit den derzeitigen Aktionen zunächst einmal eine grundsätzliche Akzeptanz für die Thematik schaffen und Mitstreiter finden.

Vincenz Busch in RadCity 5/2011

Mehr Informationen zur Initiative und für die aktive Teilnahme gibt es unter HVVUmsonst.blogsport.de.

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