30.10.2012

Es hätte schlimmer kommen können!

Von: Dirk Lau

Umbau der Eimsbütteler Chaussee zwischen Bellealliancestraße und Amandastraße fast abgeschlossen.

Über die Neugestaltung der Eimsbütteler Chaussee, der alten Hauptgeschäftsstraße Eimsbüttels, ist seit 2010 viel diskutiert worden. Nun stehen die Arbeiten kurz vor ihrem Abschluss. Ziel des Umbaus war, den in die Jahre gekommenen und vom Kfz-Verkehr gebeutelten Straßenzug – der nördlichen Verlängerung des Schulterblatts – insgesamt wieder attraktiver und die Wege für Fußgänger komfortabler zu machen sowie den Radverkehr auf »integrierte Schutzstreifen« auf die Straße zu lenken.

Schutzstreifen in der ...
... Eimsbüttler Chaussee

Diese sind – bei einer Gesamtbreite der Fahrbahn von 7,50 Meter – auf jeder Seite 1,50 Meter breit. Weitere Maßnahmen: Auf Höhe der verbleibenden Längsparkplätze soll ein Sicherheitsabstand zur Fahrbahn hin das Unfallrisiko für Radfahrer durch unachtsam geöffnete Autotüren vermindern, eine »Schutzinsel« für Fußgänger in der Straßenmitte soll für einen entspannteren Zugang zum Lindenpark sorgen und vor den Ampeln gibt es nun markierte Aufstellflächen für Radfahrer.

Hocker- und Sitzelemente sollen zum Verweilen in der Eimsbütteler Chaussee einladen, mit weiteren, sogenannten Sitzpollern will man wildes »Kampfparken« verhindern. Tatsächlich wurden 12 (zwölf) Kfz-Stellplätze beim Umbau entsorgt, dafür kamen 53 Fahrradbügel hinzu. Ein touristisch nettes Detail am Rande: Der historische Grenzverlauf zwischen Hamburg und dem bis 1864 dänischen Altona/Elbe auf Höhe der Nagels Allee ist nun durch eine zweireihige Großpflasterung quer über die Eimsbütteler Chaussee markiert.

Bewertung

Aus Radfahrersicht muss zunächst positiv notiert werden, dass der Radverkehr hier grundsätzlich runter vom Bürgersteig und rauf auf die Fahrbahn gebracht wird. Leider aber wurde auch in der Eimsbütteler Chaussee den Forderungen des ADFC Hamburg nach durchgehendem Tempo 30 und dem Rückbau von Ampeln nicht gefolgt. Das Radfahren im Mischverkehr auf der Fahrbahn ohne eigene Radverkehrsanlage wäre auch in diesem Straßenzug sicher die bessere Lösung für alle gewesen. Doch die Stadt glaubt offenbar, dem aggressiven Verhalten vieler Autofahrer, aber auch dem im Alltag gezeigten Bedürfnis vieler Radfahrer nach eigenen »Schutzzonen« auf der Straße Rechnung tragen zu müssen.

Ob das wirklich im Sinne einer Verbesserung der Verkehrssicherheit und eines gleichberechtigten Miteinanders aller Verkehrsteilnehmer auf der Straße ist, mag bezweifelt werden. Fakt ist, dass die Eimsbütteler Chaussee so schmal ist, dass sich zwei Autos auf ihr nicht begegnen können, ohne den Schutzstreifen zu überfahren. Ist dort ein Radfahrer unterwegs, müssen Autofahrer warten, bis die Gegenspur frei ist, wenn sie mit dem gebotenen Sicherheitsabstand überholen wollen. Das müssten sie aber auch, wenn keine Schutzstreifen vorhanden wären. Leider bringen immer noch nur die wenigsten Autofahrer die Gelassenheit und Souveränität auf, mal ein paar Meter hinter einem anderen, vielleicht nur 15 bis 20 km/h schnellen Fahrzeug zu fahren. Jedenfalls nicht, wenn dieses Fahrzeug ohne Motor fährt.