17.06.2017

FAQ Radfahrstreifen

Von: Online-Redaktion

Radfahrstreifen und Schutzstreifen sind noch nicht lange in Hamburg verbreitet. Den ADFC erreichen häufig Fragen zu Sinn und Nutzung dieser Verkehrsplanungsinstrumente. Typische Fragen beantworten wir auf dieser Seite, die wir bei Bedarf aktuellen Entwicklungen anpassen.

Warum gilt der Radfahrstreifen als sicherer als der klassische Radweg?

Für eine Bewertung der Sicherheit darf man den Radweg nicht nur auf der Strecke betrachten. Zu einer Radverkehrsanlage »Radweg« gehören zwingend auch die Kreuzungen und Einmündungen. Es ist seit vielen Jahren bekannt, dass Radwege im Bereich von Knotenpunkten bezüglich der Verkehrssicherheit deutlich schlechter abschneiden, als Führungsformen auf der Fahrbahn. Spätestens die Studie »Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern« (von der Bundesanstalt für Straßenwesen, 2009) zeigte dann, dass auch auf der Strecke der Radweg keinerlei Vorteil gegenüber der Fahrbahn hat.

Es gibt schon seit Langem die Erkenntnis, dass Radfahrer sich auf Radwegen subjektiv sicherer fühlen, als sie es objektiv sind. Umgekehrt verhält es sich mit gefühlter Sicherheit und objektiver Sicherheit bei vielen Radfahrenden auf Radfahrstreifen. Es ist wohl vor allem so, dass Radfahrende auf dem Radfahrstreifen sich der Gefahren des Straßenverkehrs ständig bewusst sind. Auf dem Radweg hingegen nicht. Mit den objektiven Gefahren auf beiden Führungsformen hat das aber nichts zu tun.

Es erstaunt uns oft, wie kritisch teilweise über die potenziellen Gefahren von Radfahrstreifen oder des Fahrbahnfahrens gesprochen wird, während die jede Woche passierenden tatsächlichen Unfälle im Zuge von Radwegen bei der Positionsfindung anscheinend ignoriert werden.

Warum sind an Engstellen die Schutzstreifen unterbrochen?

Wer einen Radfahrer überholt, muss ausreichend Sicherheitsabstand einhalten, mindestens 1,5 m. Das gilt auch dann, wenn der Radfahrer auf einem Radfahrstreifen oder Schutzstreifen unterwegs ist.

Durch Mittelinseln oder Abbiegespuren wird die Fahrbahn manchmal deutlich eingeengt. Da in Engstellen der Überholabstand  zwischen Auto und Fahrrad nicht eingehalten werden kann, sollen aus Sicherheitsgründen die Verkehrsteilnehmer dort nicht nebeneinander sondern hintereinander fahren. Um das zu verdeutlichen, endet der Schutzstreifen vor der Engstelle und wird dahinter fortgesetzt. Der Radfahrende soll hier nicht am rechten Rand bleiben sondern sich mehr zur Mitte hin einordnen. Wer ein Auto fährt, darf im Bereich der Engstelle nicht überholen.

Warum ist an der Bushaltestelle der Radfahrstreifen unterbrochen?

Um Sicherheit und Komfort der ein- und aussteigenden Fahrgäste zu erhöhen und den Busverkehr zu beschleunigen, liegen Bushaltestellen heute am Fahrbahnrand. RadfahrerInnen fahren auf Radfahrstreifen oder Schutzstreifen im rechten Bereich der Fahrbahn. Auch im Bereich der Bushaltestelle fahren Radfahrende am rechten Fahrbahnrand, sofern kein Bus dort steht. Wenn ein Bus an der Haltestelle steht, darf der Radfahrende links daran vorbeifahren (besondere Regeln gelten, wenn der Warnblinker eingeschaltet ist).

Ausnahmen sind hier einstreifige Fahrbahnen, die nach links mit Verkehrsinsel, schraffierter Fläche oder durchgezogener Linie begrenzt sind: Hier müssen alle Fahrzeuge hinter dem Bus warten. Das dient der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, insbesondere der Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel.

Der Gehweg ist doch breit genug. Warum soll ich auf dem Radfahrstreifen fahren?

Radfahrer werden von Autofahrern auf den herkömmlichen Radwegen schlecht gesehen, weil Radfahrer dort versteckt hinter parkenden Autos und Bäumen fahren. Weil sie abseits der Fahrbahn kaum zu sehen sind, haben viele Autofahrer die Radfahrenden auch beim Abbiegen nicht im Blick. Das gilt für Radfahrer auf dem Gehweg genauso.

Wichtig für die Sicherheit im Verkehr sind aber Sichtbeziehungen zwischen den Verkehrsteilnehmern. An Einfahrten und Kreuzungen passieren leicht Unfälle, weil Autofahrer nicht mit Radfahrern rechnen oder sie nicht sehen.

Schon 1997 schaffte aus demselben Grund der Gesetzgeber die generelle Radwegebenutzungspflicht ab: Die war als gefährlicher Irrtum erkannt worden.

Der Regelfall nach der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) ist das Radfahren auf der Fahrbahn. Auf Gehwegen kann das Radfahren nur als Ausnahme zugelassen werden. Das Radfahren ist dort aber gefährlicher und Fußgänger werden gestört. Der Radfahrer muss bei »Gehweg/Radfahrer frei« Schrittgeschwindigkeit fahren.

Fußgänger leiden als schwächste Verkehrsteilnehmer unter Radfahrenden, die auf den Gehweg ausweichen. Die Gehwege genügten in vielen Straßen nicht den heutigen Ansprüchen. Häufig ist kein Platz für die Begegnung von einem Kinderwagen und einem Rollator. Auch sollte der Gehweg so breit sein, dass man mit seinen Kindern nebeneinander gehen kann statt im Gänsemarsch.

Straßen, in denen bereits Radfahrstreifen eingerichtet sind, zeigen, dass die Aufenthaltsqualität deutlich steigt, da in den Nebenflächen auf dem nun breiteren Gehweg wieder städtisches Leben stattfinden kann.

Was unterscheidet den Schutzstreifen vom Radfahrstreifen?

Schutzstreifen

Radfahrstreifen haben eine durchgezogene Linie und sind rein rechtlich betrachtet kein Teil der Fahrbahn. Autos dürfen nicht darauf fahren oder halten. Radfahrstreifen werden dort markiert, wo der Platz ausreicht. Bei engeren Platzverhältnissen kann ein Schutzstreifen markiert werden.

Schutzstreifen sind Teil der Fahrbahn und haben eine gestrichelte Linie – sie dürfen von Autofahrenden auch mal mitbenutzt werden, wenn die Straße so eng ist, dass sich große Fahrzeuge sonst nicht begegnen können. Sie dürfen dabei keinen Radfahrer behindern oder gefährden. Auf Schutzstreifen dürfen Autofahrer kurz halten.

Worauf sollte ich als Autofahrer achten?

Fahren Sie nach den Verkehrsregeln, rücksichtsvoll und vorausschauend. Seien Sie froh über jeden, der Rad fährt und damit den Stadtverkehr entlastet, den Lärm reduziert und Abgase vermeidet.

Das sollten Sie außerdem beachten: 

  • Überholabstand rund 1,5 m, auch gegenüber Radfahrenden auf Schutzstreifen
  • vor und in Engstellen Radfahrende nicht überholen
  • im Kreisverkehr niemals Radfahrende überholen und nicht über den mittleren gepflasterten Bereich im Zentrum des Kreises fahren (letzteres ist nur mit dem LKW erlaubt)
  • - Versuchen Sie niemals, Radfahrende mit dem Auto (durch hupen, schneiden usw.) zu »erziehen«. Sie könnten in der Folge einen Menschen schwer verletzen. Nötigung ist außerdem ein Straftatbestand.
  • Achten Sie vor dem Öffnen der Türen auf Radfahrer und bitten Sie auch Mitfahrer, dies zu tun.
  • Radfahrstreifen und Schutzstreifen können nur richtig funktionieren, wenn geparkte Autos mit ausreichendem Abstand zu diesen Streifen abgestellt sind. Entweder gibt es zwei parallele Markierungsstriche zwischen Stellplatz und Radfahrstreifen, um den Mindestabstand anzuzeigen oder es gibt eine weiße Linie und als zweite Abstandsmarkierung den Bordstein. Mindestens die so angezeigten Abstände sind einzuhalten.

Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

Fahren Sie nach den Verkehrsregeln, rücksichtsvoll und vorausschauend. Letztlich geht es auch um Ihre Sicherheit. 

  • Fahren Sie selbstbewusst, bleiben Sie dabei aber vorsichtig.
  • Machen Sie den Schulterblick, bevor Sie mit dem Abbiegen beginnen
  • Zeigen Sie Fahrtrichtungsänderungen rechtzeitig an.
  • Suchen Sie Blickkontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern.
  • Halten Sie Abstand – auch Seitenabstand zu parkenden Fahrzeugen. Wenn Autos auf oder zu dicht am Radstreifen stehen, können Sie diesen nicht sicher benutzen. Fahren Sie dann lieber etwas nach links in den Kfz-Fahrstreifen hinein, um in jedem Fall den Abstand zu den parkenden Autos beibehalten zu können.
  • Wenn PKW- und LKW-Fahrer mit ihrem Fahrzeug abbiegen, sind sie für Radfahrer am gefährlichsten. Seien Sie dort besonders aufmerksam, fahren Sie nicht rechts an Lkw oder Kleintransportern, die an der Ampel warten, entlang.
  • Fahren Sie immer in Fahrtrichtung auf der rechten Seite aber mit ausreichend Abstand zu parkenden Autos.

Weitere Hinweise gibt es hier:

Radfahren auf der »Fuhle«

Tipps für dich

Radfahrstreifen und Velorouten (7/2017)

Machen Autofahrer die Radfahrstreifen durch Fehlverhalten unbrauchbar?

Die Polizei ist dafür zuständig, gegen verkehrswidriges Verhalten vorzugehen. Wenn sich viele Menschen entsprechend für freie Radfahrstreifen einsetzen, wird sich schneller etwas ändern. Sollten Sie die Erfahrung machen, an bestimmten Stellen, immer zu knapp überholt zu werden, kann es - je nach Situation - auch helfen, weiter links zu fahren, so dass ein Überholen offensichtlich in dieser Fahrspur an dieser Stelle nicht möglich ist.

Aber auf eine sicherere und komfortablere Lösung für den Radverkehr zu verzichten, weil man vor dem Fehlverhalten einiger Autofahrer schon von vornherein kapituliert, wäre das falsche Vorgehen. Dann würde es überall bei schlechten Lösungen bleiben. Die Akzeptanz von Radfahrstreifen dürfte mit deren wachsender Zahl und bei Zunahme des Radverkehrs auch noch wachsen.

Das Problem der Falschparker auf Radfahrstreifen und Schutzstreifen ist bekannt. In Hamburg bekommen die örltichen Polizeikommissariate mittlerweile Unterstützung durch den LSBG, um eine bessere Kontrolle zu gewährleisten.

Ich finde die Streifen gut aber sind sie nicht für meine Kinder zu gefährlich?

Auf Radwegen in den Nebenflächen einer Straße sind Kinder nicht weniger gefährdet als Erwachsene. Sie werden hinter den geparkten Autos sogar noch schlechter gesehen. Und Kinder können sich selbst noch nicht so gut in die Sicht hineindenken, die der Autofahrer hat.

Nach der Straßenverkehrsordnung müssen Kinder bis zum 8. Geburtstag auf dem Gehweg fahren, Kinder bis zum 10. Geburtstag dürfen es. Man kann ab dem 9. Lebensjahr des Kindes individuell (je nach Kind, Straße, Verkehrsaufkommen) entscheiden, ob man das für besser hält, als das Benutzen des Radfahrstreifens, des Radwegs oder der Fahrbahn.

Wenn man zusammen mit den Kindern unterwegs ist, sollte man diesen auch einen Spurwechsel beibringen, damit sie sich an eine selbstbewusste, vorausschauende Fahrweise auf der Fahrbahn gewöhnen und von Falschparkern nicht aus dem Konzept gebracht werden. Dazu gehört auch, rund 1 m Seitenabstand zu geparkten Autos einzuhalten, um nicht durch eine plötzlich geöffnete Tür in Gefahr zu geraten.

Weitere Tipps für Kinder auf Radfahrstreifen und Schutzstreifen 

Warum ist im Kreisverkehr kein Radfahrstreifen?

Innerhalb von Kreisverkehrsplätzen sind Schutzstreifen und Radfahrstreifen nicht erlaubt. Man muss nämlich vermeiden, dass der Radfahrer in den toten Winkel von Kraftfahrzeugen gerät, die aus dem Kreisverkehr herausfahren. Also geht es darum, dass Auto- und Radfahrer hintereinander in den Kreis hineinfahren. Auch im Kreis bleiben sie hintereinander.

Kleine, einstreifige Kreisverkehrsplätze bieten auch für den Radverkehr viele Vorteile im Vergleich zu einer Ampelkreuzung. Wenn kein Auto im Kreis ist, kann man ohne anzuhalten hindurchfahren. Da keine Grünphase zu erreichen ist, entfällt auch die Motivation für Autofahrer, vor dem Knotenpunkt zu rasen.

Warum soll ich Radwege nicht in Gegenrichtung benutzen?

Grundsätzlich gilt auch für Radfahrer das Rechtsfahrgebot. Besonders an Einmündungen und Kreuzungen rechnen Autofahrer nicht mit Radfahrern aus der falschen Richtung. Daher ist die Benutzung linker Radwege um etwa den Faktor 12 gefährlicher, als das Fahren auf der rechten Fahrbahnseite. Die vorhandenen Radverkehrsanlagen sind nicht für die Nutzung in zwei Richtungen ausgelegt, richtig Fahrende geraten in Schwierigkeiten, wenn Geisterradler entgegen kommen. Diese gefährden also nicht nur sich, sondern auch andere. In seltenen Fällen sind Radwege für die Nutzung in beiden Richtungen ausgeschildert. Nur dann darf man auf der linken Seite fahren.

Warum fahren an Kreuzungen Autofahrer rechts neben mir auf einer Abbiegerspur?

Zur Vermeidung der unübersichtlichen Fahrbeziehungen beim Rechtsabbiegen werden moderne Kreuzungen so geplant, dass Abbieger schon vor der Kreuzung auf eine Abbiegerspur rechts des Geradeaus-Radfahrstreifens wechseln. Als Radfahrer muss man bei der Geradeausfahrt im eigentlichen Knoten nicht mehr fürchten, von Abbiegenden übersehen zu werden, da für alle schon vor der Kreuzung ersichtlich ist, wer wo hinfahren wird.

Wie biegt die RadfahrerIn nach Links ab?

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • Indirektes Abbiegen. Dazu fahren Sie zunächst geradeaus über die Kreuzung und warten dort, bis der Querverkehr vorbei ist. Von dieser Ecke aus fahren Sie dann über die andere Fahrbahn. Der Wartebereich zum indirekten Abbiegen ist bei zahlreichen Kreuzungen auf der Fahrbahn markiert.

Zum Linksabbiegen und zur Frage, welche Ampel gerade für den Radfahrenden gilt, informiert Sie unsere ausführliche Themenseite.

Warum gibt es in manchen Einbahnstraßen einen Radfahrstreifen und in anderen nicht?

Einbahnstraßen mit zulässiger Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h sind in Hamburg meist für die Radfahrt in beiden Richtungen freigegeben. RadfahrerInnen fahren dort im Mischverkehr. Das betrifft mehrere hundert Einbahnstraßen.

Gilt in einer Einbahnstraßen nicht als Höchstgeschwindigkeit 30 km/h, gibt es in seltenen Fällen einen Radfahrstreifen. RadfahrerInnen fahren dann z. B. in der Einbahnstraßenrichtung auf der rechten Fahrbahnseite im Mischverkehr und entgegen der Einbahnstraßenrichtung auf einem Radfahrstreifen. Ein Beispiel ist die Hufnerstraße in Barmbek, die zeigt, dass man auf diese Weise auch mehrstreifige Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrende öffnen kann. Piktogramme und Pfeile verdeutlichen, in welcher Richtung der Streifen zu benutzen ist. Grundsätzlich gilt auch in Einbahnstraßen das Rechtsfahrgebot.

Warum werden nicht stattdessen alte Radwege saniert?

Die Radwege befinden sich häufig in einem nicht verkehrssicheren Zustand oder gelten aufgrund ihrer Lage und Linienführung als nicht sicher. In den Nebenflächen reicht der Platz häufig nicht aus, um Geh- und Radwege nach dem Stand der Technik herzustellen. Es gibt auch berechtigte Ansprüche von FußgängerInnen – auch mit Rollator oder Kindern an der Hand – einander begegnen zu können. 

Davon abgesehen war Hamburg noch nie in der Lage, seine vielen Kilometer alter Radwege in einem halbwegs verkehrssicheren Zustand zu erhalten.

Wenn jetzt eine Straße »grundinstandgesetzt« wird, erneuern Planer, Politik  und Bauausführende in der Regel auch Gehwege sowie Radverkehrsflächen und Autoparkplätze und »ordnen« diese nach den aktuellen Planungsvorgaben neu.