29.07.2012

On My Highway to Hellbrookstraße

Von: Ole Burmester

Vom Kopfsteinpflaster zur Vorzeigeradstrecke

Die Hellbrookstraße in Barmbek zwischen Rübenkamp und Saarlandstraße war bisher für Radfahrende keine Freude. Die Wahl bestand zwischen schlechten Radwegen und fiesem Kopfsteinpflaster.

Die zu schmalen Radwege führten ohne Sicherheitsabstand direkt an geparkten Autos vorbei. Die zeitweilig zahlreichen FußgängerInnen auf dem Weg zum Stadtpark nutzten den Radweg mangels klarer Erkennbarkeit oft auch noch. Benutzungspflichtig waren diese Radwege zwar schon lange nicht mehr, aber das an dieser Stelle reichlich holprige Kopfsteinpflaster hielt auch ansonsten Unempfindliche vom Radeln auf der Fahrbahn ab.

Jetzt ist nach recht langer Bauzeit von ca. einem Dreivierteljahr alles anders. Auf dem alten Güterbahnhof stehen inzwischen Wohnhäuser, das Verkehrsaufkommen dürfte noch steigen. So präsentiert sich die Hellbrookstraße nun mit Asphaltdecke, neuen Nebenflächen – und schließlich Schutzstreifen für Radfahrer.

Schutzstreifen sind mit unterbrochener Linie von der restlichen Fahrbahn abgetrennt. Diese Linie darf bei Bedarf und wenn keine RadfahrerIn gefährdet oder behindert wird, z.B. von LKW überfahren werden.

Sichtbarkeit dient der Sicherheit Da bei dem Umbau praktisch alles richtig gemacht wurde, ist es ein Vergnügen diesen Abschnitt der Hellbrookstraße zu benutzen.

Jetzt gibt es am Rübenkamp diesen aufgeweiteten Radfahrstreifen.

Zum Rübenkamp gibt es eine erweiterte Aufstellfläche, so dass sich die radfahrenden Linksabbieger vor dem Autoverkehr aufstellen und die Kreuzung dadurch schneller und sicherer passieren.

An der Saarlandstraße hat die RadlerIn mehrere Möglichkeiten: Entweder ordnet sie sich auf der Links- oder Rechtsabbiegerspur ein und quert die Kreuzung im Sichtbereich des Autoverkehrs. Oder sie benutzt das kurze Stück des alten Radwegs und fährt beim Linksabbiegen über die Radwegfurt.

Vor dem Umbau: Radweg und Fahrbahn sind unkomfortabel.

Letzteres ist zwar gefährlicher, weil man von rechtsabbiegenden Autofahrern übersehen werden kann, aber manche Radfahrer fühlen sich ohne Radfahr- bzw. Schutzstreifen im Kreuzungsbereich unsicher, so dass sie ohne diese Möglichkeit wahrscheinlich verkehrswidrig den Fußweg benutzen würden.

Diesen Preis hat die Stadt zu zahlen, weil sie zu lange mit der Utopie gelebt hat, dass es möglich und sinnvoll ist, den gesamten Radverkehr auf Radwege zu verbannen und diese auch noch instand halten zu können.

In zehn bis zwanzig Jahren, wenn sich der Radverkehrsanteil weiter gesteigert hat und der Autoverkehr auf ein erträgliches Maß reduziert ist, können die zu klein gewordenen Schutzstreifen für wenig Geld einfach von der Fahrbahn »radiert« werden. Dann werden die wenigen Autos den rollenden Radverkehr auf der allgemeinen Fahrbahn nicht mehr stören.

Ole Burmester in RadCity 4/2012