11.11.2016

Radfahrstreifen auf dem Wiesendamm (Südseite)

Von: Andrea Kupke

Nach vier Jahren Planung: Radfahrstreifen im Wiesendamm

Seit Juli 2016 gibt es auf der Südseite des Wiesendamms Radfahrstreifen
Für FußgängerInnen gibt es zwischen Radfahrstreifen und Fahrbahn eine kleine Insel. Außerdem werden vor diesem Bereich mit Hilfe von Fahrradbügeln das Autoparken und damit Sichtbehinderungen verhindert
Fahrradbügel erlauben nun das sichere Fahrradabstellen und halten die Sichtfelder frei
Der Radweg ist nicht benutzungspflichtig. Deshalb dürfen Radfahrende wählen, ob sie auf dem Radweg oder auf der Fahrbahn weiterfahren. Das offene Ende der Markierung auf der Fahrbahn verdeutlicht dies lediglich zusätzlich

Den Wiesendamm in Winterhude mieden die meisten Radfahrer, die z.B. aus Eppendorf Richtung Barmbek fahren wollten. Der Radweg war lange schon kaputt und aus unterschiedlichsten Materialien zusammengeflickt, wand sich um jeden Baum und war dort gerade 75 cm schmal. Auch der Gehweg war schmal. Die Aufhebung der Benutzungspflicht ist schon einige Jahre her. Unangenehm war es für Radfahrende auf der Fahrbahn trotzdem – neben den parkenden Autos blieb nur eine Fahrstreifenbreite, die zu eng zum Überholen war. Folge: Nicht wenige Autofahrer bedrängten vor ihnen fahrende Radfahrer*innen.

Aus den offiziellen Stellplätzen kamen Autofahrer oft nicht heraus, weil links von ihnen auf der Fahrbahn weitere Autos geparkt wurden. So kamen die Schüler der anliegenden Grund- und Stadtteilschule in den zweifelhaften Genuss von Autos, die auf dem Gehweg fuhren, um an der nächsten Einmündung wieder die Fahrbahn zu erreichen.

Die letztlich erfolgreiche Diskussion um Radfahrstreifen zog sich über Jahre hin und die ADFC Bezirksgruppe Nord hat sich intensiv daran beteiligt. Im Herbst 2016 wurden nun die letzten Arbeiten ausgeführt: der Wiesendamm hat auf seiner Südseite zwischen Goldbekufer und Saarlandstraße einen Radfahrstreifen. Die Umgestaltung brachte auch breitere Gehwege und eine Anzahl Fahrradbügel, die in der Jarrestadt sonst überall fehlen. Die letzten Meter Radfahrstreifen vor der Saarlandstraße sollen bei einem Umbau der dortigen Kreuzung folgen.

Auf dieser Seite dokumentieren wir die Hintergründe und die Vorgeschichte der Radfahrstreifen am Wiesendamm.

Andrea Kupke


ADFC begrüßt überfälligen Bau von Radfahrstreifen am Wiesendamm

Montage: Wiesendamm mit Radfahrstreifen
Unsere Montage aus dem Mai 2014 ...

Auf der Straße Wiesendamm, einer für Radfahrer wichtigen Ost-West-Achse zwischen Barmbek, Winterhude und Eppendorf, soll die Schulwegsicherheit erhöht und die Situation für den Radverkehr verbessert werden. Drei Jahre der Planung und Diskussion sind nun beendet – endlich können Radfahrstreifen gebaut werden!

»Damit werden langjährige Forderungen des ADFC umgesetzt«, freut sich Andrea Kupke, Sprecherin der Bezirksgruppe Nord im ADFC Hamburg. Einer der miesesten Radwege im Bezirk werde jetzt endlich zurückgebaut. Der Bau von Radfahrstreifen auf der Fahrbahn im Wiesendamm signalisiere, dass nun auch am Wiesendamm der Verkehrssicherheit ein höherer Stellenwert eingeräumt werde als illegal abgestellten Autos. »Das war allerhöchste Zeit«, so Kupke.

Lang genug sei die Situation in dieser Straße nicht nur wegen der anliegenden Grund- und Stadtteilschule unhaltbar und gefährlich für die Verkehrsteilnehmer gewesen: ein zu schmaler, größtenteils zerstörter und in Schlangenlinien geführter Radweg, viele illegal auf der Fahrbahn abgestellte Autos, welche die Fahrstreifenbreite stark einschränken. Drängelnde, hupende oder Radfahrer gefährlich nah überholende Autofahrer waren die Folge. 

Nach dem einstimmigen Beschluss des zuständigen Regionalausschusses, nach dem Radfahrer auf einem Radfahrstreifen geführt werden sollen, dauerten die letzten Planungen und Optimierungen nun noch ein weiteres Jahr. Jetzt kann der Umbau endlich beauftragt werden, da die Straßenverkehrsbehörde den Streifen angeordnet hat.

Die überbreite Fahrbahn, die seit Jahrzehnten zum Parken in zweiter Reihe genutzt wird, soll wieder befahrbar werden und damit Fußgängern und Radfahrern zu erhöhter Sicherheit verhelfen. Radfahrstreifen werden dort angelegt, wo zuvor in zweiter Reihe geparkt wurde. Poller verhindern zukünftig ein Verlassen der Parkplätze in Richtung des um den Radweg verbreiterten Gehwegs. Damit endet das gefährliche Gehwegfahren der Autofahrenden, die versuchen, diese Parkplätze zu erreichen.

Die Nordseite der Straße bleibt von dieser Maßnahme unberührt, dort hat man weiterhin die Wahl zwischen dem Radeln auf der Fahrbahn und dem Radweg. Dieser führt zumindest nicht über so viele Einmündungen.

Für Fußgänger und Radfahrer werden die Querungsmöglichkeiten über den Wiesendamm verbessert, um das heute vielfach praktizierte Geisterradeln zu beenden. Sobald eine sichere Querung auch auf Höhe der Schuleingänge möglich ist, gibt es keinen Grund mehr, von der Saarlandstraße aus die linke Straßenseite zu befahren.

Andrea Kupke 

Themenseite Radfahrstreifen auf dem Wiesendamm (Süd)


Endlich kann gebaut werden

typisch für die südliche Fahrbahn des Wiesendamms: Falschparker (rot markiert) blockieren die legal geparkten Fahrzeuge (grün markiert)

Die fast drei Jahre dauernde Planungs- und Entscheidungsphase ist vorbei. Am Montag letzter Woche nahm der Regionalausschuss Eppendorf / Winterhude die vom Bezirksamt vorgelegte Planung wohlwollend zur Kenntnis. Der Wiesendamm bekommt auf seiner südlichen Fahrbahn zwischen Goldbekufer und Saarlandstraße Radfahrstreifen.

Der Wiesendamm ist für Radfahrende eine wichtige Verbindungsstrecke zwischen Eppendorf und Barmbek. Für die Schüler der anliegenden Grund- und Stadtteilschule Winterhude ist er außerdem vielgenutzter Schulweg.

Der südliche Radweg des Wiesendamms auf dem Abschnitt zwischen Goldbekufer und Saarlandstraße ist ein klassisches Negativbeispiel für Radwege in Hamburg. Das Radfahren auf der Fahrbahn allerdings, das hier seit über einem Jahrzehnt erlaubt ist, hält mancher Autofahrer nur schwer aus. Durch zweite-Reihe-Parker ist die Fahrbahn auf ganzer Länge so zugeparkt, dass ein korrektes Überholen von Radfahrenden ausgeschlossen ist. – Trotzdem meinen manche Autofahrer, es immer wieder versuchen zu müssen.

Zwischen Fahrbahn und Radweg befinden sich in einer Reihe mit den Bäumen Parkplätze, die wegen der illegal auf der Fahrbahn abgestellten Fahrzeuge meist über den Gehweg angefahren und verlassen werden. Oder diese offiziellen Parkplätze bleiben gleich ganz ungenutzt, weil man sie wegen der Falschparker nicht erreichen kann. Auch für Autofahrer, die sich korrekt verhalten wollen, besteht also planerischer Handlungsbedarf.

Juni 2012: Schulwegsicherung gefordert

Im Juni 2012 beschließt der Regionalausschuss auf Antrag der CDU prüfen zu lassen, wie der Schulweg im Wiesendamm sicherer gemacht werden könnte. Besonders die Verlegung des Radverkehrs auf die Fahrbahn sollte erwogen werden. Das war bereits der sinnvolle Ansatz, denn der Geh- und der Radweg sind neben den Alleebäumen im Wiesendamm auf jeweils 75 cm verengt – ein Relikt autogerechter Verkehrsplanung. Wir berichteten.

Es folgt eine lange Zeit interner Planungen und Abstimmungen, in die sich auch die Bezirksgruppe Nord des ADFC wiederholt mit Argumenten und Stellungnahmen einbringt.

April 2014: Planung einer Servicelösung – weder Service noch Lösung

Dem Regionalausschuss wird im April ’14 schließlich eine Planung vorgestellt, die für Radfahrer kaum Verbesserungen vorsieht. Radfahrer sollen wie bisher auf der Fahrbahn fahren oder aber auf dem Gehweg mit den Fußgängern fahren dürfen.

Für Fahrbahnradler hätte sich die Situation also nicht verbessert. Auf einem für Radfahrer freigegebenen Gehweg, der sogenannten Servicelösung (Gehweg/Radfahrer frei) darf man aber nur im Schritttempo fahren. Wie kam es trotz einer ganz anders lautenden Vorgabe zu dieser Planung? Grund war eine Zählung der abgestellten Autos. Da wurden gleich die illegal abgestellten Kfz mitgezählt und Panik verbreitet, dass diese "Stellplätze" mit den Radfahrstreifen verschwinden müssten.

Mai 2014: Einstimmige Entscheidung für Radfahrstreifen

In der Sitzung des Regionalausschusses fällt im Mai 2014 der einstimmige Beschluss für Radfahrstreifen. Die Servicelösung ist damit vom Tisch. Verkehrssicherheit siegt gegenüber dem ruhenden Verkehr. Die Verwaltung bekommt den Auftrag, neu und nun mit Radfahrstreifen zu planen.

September 2014: Vorstellung einer Radfahrstreifenplanung

Mit der vorletzten Planung für den Wiesendamm im Teilstück Goldbekufer – Saarlandstraße beschäftigt der Regionalausschuss sich im September. Sie beinhaltet nun die Radfahrstreifen auf der Südseite. Damit wird auch eine langjährige Forderung des ADFC umgesetzt.

Auf einen Antrag von SPD und Grünen sollen Gestalt und Lage der Querungshilfen für Fußgänger noch verbessert werden. Eine weitere Vorstellung der überarbeiteten Pläne wird in Aussicht gestellt.

Januar 2015: Alternativvorschlag „Fahrradstraße“

Im Januar bringt die CDU zum Erstaunen vieler Beteiligter im Regionalausschuss einen Vorschlag ein, dessen Inhalt doch schon im Mai 2014 vom Regionalausschuss abgelehnt worden war. Hier geht es darum, Radverkehr auf der südlichen der beiden Fahrbahnen des Wiesendamms im Beidrichtungsverkehr vorgeblich in einer "Fahrradstraße" zu führen. Dahinter verbirgt sich der leicht durchschaubare Versuch, alle legalen und illegalen Parkplätze zu erhalten und als Alibi über diesen "Riesenparkplatz" dann auch noch die Radfahrer fahren zu lassen. Der Vorschlag wirft erhebliche Bedenken hinsichtlich der Verkehrssicherheit auf und findet daher auch diesmal keine Mehrheit.

Das ist jetzt im Einzelnen geplant

  • Radfahrstreifen vereinfachen das Radfahren auf der Fahrbahn.
  • Poller verhindern ein Verlassen der legalen Längsparkplätze über den Gehweg.
  • Der alte Radweg wird entfernt und seine Fläche dem Gehweg zugeschlagen.
  • Die Nordseite der Straße bleibt unberührt. Dort hat man die Wahl zwischen dem Radeln auf der Fahrbahn und der Fahrt auf dem Radweg. Dieser ist im Vergleich zur Südseite deutlich besser befahrbar und führt nicht über so viele Einmündungen.
  • Fußgänger erhalten bessere Querungsstellen über den Wiesendamm.
  • Die vorhandenen Ableitungen des nördlichen Radwegs auf die Fahrbahn (gegenüber den einmündenden Straßen) werden gegen Falschparken gesichert.
  • Am östlichen Ende endet der Radfahrstreifen vor der Saarlandstraße als Weiche. Damit wird verdeutlicht, dass man ab hier auf den Radweg wechseln oder weiter auf der Fahrbahn fahren kann.

Der Elternrat der Schule in der Meerweinstraße hat sich ebenfalls für diese Verbesserungen eingesetzt. Bessere Radmarkierungen auf der Fahrbahn und einfacheres Queren des Wiesendamms sollten zu weniger Geisterradlern führen und die Wege sicherer machen.

Wird also alles gut?

Der ADFC begrüßt die Planungen. Problematisch findet der Verein die Radwegstummel vor der Saarlandstraße. Denn gerade im Kreuzungsbereich sollten Radler im Sichtfeld des fließenden Verkehrs auf der Fahrbahn fahren und nicht weit abgesetzt über verschwenkte Radwege. Zwar steht es den Radlern frei, sich auf der Fahrbahn einzuordnen. Gerade unsichere Radler und Kinder werden allerdings vielfach den Radweg nutzen, ohne sich der Gefahren bewusst zu sein, die sie gerade hier erwarten. Da der Knoten Saarlandstraße bereits 2017 überplant werden soll, besteht aber Hoffnung, dass der Stummelradweg dann verschwindet.

Andrea Kupke


Alle Parteien für Radfahrstreifen auf dem Wiesendamm

So soll es kommen ...

Der Regionalausschuss Eppendorf/Winterhude sprach sich am Abend des 12. Mai mit den Stimmen aller Fraktionen für Radfahrstreifen im Wiesendamm aus. Damit zeigen die Parteien, dass ihnen ernsthaft an der Sicherheit von Schulkindern, FußgängerInnen und RadfahrerInnen in dieser Straße gelegen ist.

Im Wiesendamm gibt es schmale, beschädigte Radwege, deren Breite, Oberfläche und Linienführung nicht aktuellen Sicherheitsstandards genügen – hinsichtlich dieser Gefahren sind sich Parteien, Planer und Polizei einig. Eine Radwegbenutzungspflicht gibt es in dieser Straße nicht, Radfahrende fahren korrekt auf der Fahrbahn.

»Der Wiesendamm ist für Radfahrende eine wichtige Verbindung zwischen Eppendorf und Barmbek und Teil einer bezirklichen Veloroute«, sagt Andrea Kupke vom ADFC Hamburg. »Radfahrer auf der Fahrbahn, die ausreichend Seitenabstand zu den am Rand parkenden Autos einhalten, werden häufig von aggressiven Autofahrern bedrängt, die sich in ihrer Fahrt gestört fühlen.«

In der Folge benutzen viele Radfahrer aus Angst verbotenerweise den Gehweg und den unsicheren Radweg. Die zuletzt verschickte Planung, zu der der ADFC eine ausführliche Stellungnahme abgab, sah zusätzlich zu den Parkplätzen zwischen den Bäumen auch noch Parkraum neben den Bäumen auf der Fahrbahn vor. Kupke: »Der Wiesendamm bietet ausreichend Platz für Radfahrstreifen. Wenn dort am Fahrbahnrand geparkt werden darf, ist aber dieser Platz verstellt.« Daher sah die Planung zuletzt auch keine Radfahrstreifen mehr vor.

Nach Ansicht des ADFC sind die Radfahrstreifen aber eine für alle Seiten vorteilhaftere Lösung: Radfahrer hätten ihren Streifen auf der Fahrbahn. Fußgänger hätten ihre Gehwegfläche für sich. Und auch die Autofahrer hätten neben dem Radfahrstreifen eine Spur, die sie sich nicht mehr mit Radfahrenden teilen müssten. So sahen es jetzt auch ähnlich lautende Anträge von der CDU und den Grünen im Regionalausschuss. Die SPD schloss sich den Argumenten ohne große Diskussion an. Hervorzuheben ist, dass sich auch der CDU-Vertreter unter Hinweis auf die guten Erfahrungen mit Streifenlösungen in Hofweg und Weidestraße für die Radfahrstreifen stark machte. Gerade CDU-Vertreter in den Bezirken wettern sonst gerne gegen Radfahrstreifen (Billstedter Hauptstraße, Alte Landstraße ...).

Der Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude beschloss daher sinngemäß und mit den Stimmen aller Fraktionen:

  • An der Einmündung Meerweinstraße wird eine sichere, abmarkierte Querungsmöglichkeit für den Fahrradverkehr aus östlicher Richtung (Saarlandstraße) eingerichtet.
  • Die sog. Servicelösung, die das Radfahren auf dem Gehweg erlaubt, wird nicht eingeführt.
  • Es wird ein Radfahrstreifen im Regelmaß für den Fahrradverkehr auf der südlichen Fahrbahn abmarkiert.
  • Insbesondere vor und nach Einmündungen sollen nicht überfahrbare Einengungen den Radfahrstreifen von der Fahrbahn trennen, um einen besseren Schutz für Radfahrende bei Pkw-Abbiegevorgängen zu erzielen.
  • Es wird geprüft, ob die Parkplätze zwischen den Bäumen als Schrägparkplätze angelegt werden können, um dort mehr Parkplätze zu schaffen. Sollte das wegen der Platzverhältnisse nicht möglich sein, bleiben die Hochbord-Parkplätze, wie sie sind.

Kupke: »Uns freut das Ergebnis. Alle Parteien bekennen sich offiziell zur Radverkehrsstrategie für Hamburg. Sie wünschen sich einen sicheren und attraktiven Radverkehr. Im Wiesendamm erleben wir gerade, dass sie tatsächlich in diesem Sinne entscheiden.«

Der Regionalausschuss hatte wegen der bevorstehenden Wahl von der Bezirksversammlung die Vollmacht erhalten, die anstehenden Punkte abschließend zu entscheiden. Damit geht der ADFC davon aus, dass der positive Beschluss zum Radfahrstreifen endgültig ist.

[Update, 16.05.2014] Zur Klarstellung: Der Bezirk ist nach der Ablehnung der jüngsten Planungen nun in der Pflicht, eine neue Planung vorzulegen. Die Bezirksvertreter werden sicher darauf achten, dass dort dann Radfahrstreifen enthalten sind. Der Prozess wird sich weitere Monate hinziehen.

Andrea Kupke, Ulf Dietze


Scheitert der Umbau des Wiesendamms?

Mitte Mai befasst sich der Regionalausschuss Eppendorf/Winterhude mit der zukünftigen Situation im Wiesendamm. Die Straße ist eine Kastanienallee mit zwei durch Mittelinsel getrennten Richtungsfahrbahnen. Sie stellt für Radfahrende eine wichtige Verbindung zwischen Eppendorf und Barmbek her und ist Teil einer bezirklichen Veloroute. Die Radfahrstreifenplanung droht jetzt zu scheitern.

Soweit zumindest gibt es keine Differenzen: Alle sehen den Zustand von Geh- und Radwegen im Wiesendamm als gefährlich und untragbar an. Er widerspricht geltenden Planungsregeln.
Heute parken Autos legal hochbord zwischen den Bäumen (schwarzer Wagen im Vordergrund). Andere stellen sich illegal daneben in zweiter Reihe auf die Fahrbahn und versperren den Weg zu den offiziellen Parkflächen. Zum Ausparken vom Parkplatz fahren die korrekt Stehenden dann über den Gehweg.
So könnte der Wiesendamm aussehen: Radfahrstreifen am Fahrbahnrand schaffen Komfort für Fußgänger auf dem Gehweg, alle legal Parkenden, Radfahrer auf dem Streifen und Autofahrer auf der Kernfahrbahn. (Montage: adfc-hh)
Zum Beispiel diese Platzverteilung wäre möglich.

Die Situation ist unbefriedigend. Viele Radfahrer und Radfahrerinnen meiden diese Straße. Nicht wenige Autofahrende bedrängen Radfahrende auf der Fahrbahn. Zahlreiche Autos sind auf der Fahrbahn unerlaubt in zweiter Reihe abgestellt. Das macht die Situation für RadfahrerInnen zusätzlich unübersichtlich und eng. Die Polizei geht selbst auf Hinweise hin nicht konsequent gegen das Falschparken vor und empfiehlt stattdessen, den nicht benutzungspflichtigen Radweg zu benutzen. Doch der ist zu schmal, direkt an parkenden Autos entlang geführt, hat eine durchgehend schadhafte Oberfläche und ist an Einmündungen schlecht einsehbar – er entspricht nicht ansatzweise dem, was Planungshandbücher heute von einem neu angelegten Radweg verlangen würden.

Die Ortspolitik wird aktiv.

Diese unhaltbare Situation nahm die CDU zum Anlass, im Sommer 2012 einen Antrag zur Schulwegsicherung zu stellen. Explizit wurde darin auf die Möglichkeit hingewiesen, den Radverkehr auf Radfahrstreifen zu führen (wir berichteten).

Platz für eine Ideallösung ist vorhanden.

Platz wäre vorhanden, um auf dem Wiesendamm komfortable und sichere Radfahrstreifen auf der Fahrbahn in einer Breite von rund 2 m anzulegen. Bei dieser Lösung wird der alte Radweg zurückgebaut. Der bisher schadhafte Gehweg bekommt neue Platten und wird breiter als bisher. Autos könnten weiterhin hochbord zwischen den Bäumen parken – zum Gehweg hin abgepollert. Rechts auf der Fahrbahn verliefe der Radfahrstreifen und links davon der Richtungsfahrstreifen für den motorisierten Verkehr (siehe Fotomontage). Die Markierung von Radfahrstreifen auf der Fahrbahn führt zu besten Sichtbeziehungen unter den VerkehrsteilnehmerInnen, was entscheidend für eine hohe Verkehrssicherheit ist. Besonders für die Kinder der Schule in der Meerweinstraße wäre das ein Zugewinn an Sicherheit auf ihrem Schulweg.

Alles wieder auf Anfang

Doch nach den jetzt vorliegenden Plänen soll nun auf der Fahrbahn alles beim Alten bleiben – Radfahrstreifen sollen nicht kommen. Grund ist der unbedingte Erhalt von Kfz-Stellplätzen.

Parkraum für Autos soll es nämlich nicht nur hochbord zwischen den Bäumen geben, sondern auch – auf Höhe jedes Baumes – auf der Fahrbahn. Die Behörde entlarvt dabei ihre Haltung zur Verkehrssicherheit, wenn sie bedauert, dass die bislang illegal (!) genutzten Parkplätze der Zweite-Reihe-Parker wegfallen. Außerdem verhindert ihr Festhalten an den Stellplätzen auf der Fahrbahn neben den Bäumen, dass Radfahrstreifen angelegt werden. Parkplätze zählen mehr als die Verkehrssicherheit.

Radfahrende sollen sich aussuchen – so ist es derzeit vorgesehen – mit auf dem Gehweg (»Gehweg/Radfahrer frei«) zu fahren oder auf der Fahrbahn. Für die Gehwegradler bedeutet das, nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren zu dürfen. Für die Fußgänger bedeutet es, dass auf ihrem Weg zukünftig auch Radfahrende unterwegs sind. Auch für Radfahrer und Radfahrerinnen, die auf der Fahrbahn fahren, verbessert sich die Situation gegenüber heute nicht: Sie werden sich den rechten Bereich der Fahrbahn mit dort abgestellten Autos teilen und drängelnde Autofahrer erdulden müssen.

Wie ernst meinen es die Parteien mit der Radverkehrsförderung?

Alle Parteien bekennen sich offiziell zur Radverkehrsstrategie für Hamburg. Sie wünschen sich einen sicheren und attraktiven Radverkehr. Auch in den Wahlprüfsteinen des ADFC zur Bezirksversammlung 2014 sprechen sich alle für Radfahrstreifen in geeigneten Straßen aus. Im bezirklichen Radverkehrskonzept ist der Wiesendamm sogar als wichtige Verbindung vermerkt. Die Politik kann und sollte das große Bedürfnis der BürgerInnen nach Mobilität zu Fuß, per Rad oder ÖPNV unterstützen, indem sie für diese Verkehrsarten eine angebotsorientierte, attraktive Planung vorlegt.

Auf dem Wiesendamm haben wir einen in Hamburg seltenen Fall: Die Fahrbahnbreite erlaubt das Markieren von Radfahrstreifen ohne neue Asphaltierung oder Verlegung des Bordsteins. Es wäre ein verheerendes Signal an alle Radfahrenden, wenn nicht einmal hier eine gute Lösung kommt.

Andrea Kupke, Ulf Dietze

 

 

Video

Wer als Radfahrer mit ausreichend Sicherheitsabstand zu parkenden Autos fährt und sich auch nicht in jede Parklücke drängen lässt, bekommt leicht den Ärger eines Autofahrers zu spüren. Ein Hamburger Radfahrer hat das im letzten Jahr ausgerechnet für den Wiesendamm in einem Video dokumentiert.


Schulwegsicherung: Gehwege und Fahrbahnen von Falschparkern freihalten

Wiesendamm Südseite: Parkplätze wegen Falschparkern nicht erreichbar, Radweg unbenutzbar
Wiesendamm Nordseite: Außerhalb der Parkplätze abgestellte Autos (im Bild rechts vorne und hinten) rauben Platz auf der Fahrbahn. Radfahrer müssen nach links ausweichen. Nachfolgende Autofahrer sind genervt und hupen.
An den Rand gedrängt: Sicherer Radverkehr geht anders.

Auf dem Radweg auf der Südseite des Wiesendamms zwischen Goldbekufer und Saarlandstraße quälen sich Radfahrende seit Jahrzehnten. Nicht jeder traut sich auf die Fahrbahn. Schutzstreifen rücken näher.

Zu Anfang des Jahrtausends stritten sich Radfahrende mit den Behörden noch um die Frage der Benutzungspflicht – letztlich wurde sie aufgehoben.

Der katastrophale Zustand der Geh- und Radwege, teilweise jeweils nur 75 cm breit, hat sich derweil nicht verbessert: Der Radweg windet sich um jeden Baum, besteht teilweise aus Flickwerk und verläuft streckenweise lediglich als Sandpiste. Tiefe Längsrillen und angehobene Steine gefährden den Radverkehr.

Selbst ein Planer, der unbedingt am Radweg festhalten wollte, hätte keine Chance: Neben den Bäumen ist nur 1,5 m Platz. Für einen Gehweg und einen Radweg nach heutigen Bauvorgaben reicht das bei weitem nicht aus. Zu berücksichtigen ist außerdem der zu Spitzenzeiten erhebliche SchülerInnenverkehr.

Radfahrende dürfen natürlich die Fahrbahn nutzen. Die Ampel an der Saarlandstraße ist fahrradgerecht geschaltet, es gibt für Linksabbiegende in die Saarlandstraße Aufleitungen.

Allerdings ist der jeweils rechte Fahrstreifen des Wiesendamm über die gesamte Länge zugeparkt. RadlerInnen, die mit korrektem Seitenabstand an den abgestellten Wagen entlang fahren, werden von Autofahrern angehupt oder bedrängt. Für die Schülerinnen und Schüler der anliegenden Stadtteilschule Winterhude stellt also die Fahrbahn wegen der dort parkenden Autos derzeit keine Alternative dar.

legal – illegal – Entscheidungsgrundlage

Die eigentlichen Parkplätze auf der Südseite des Wiesendamms befinden sich zwischen Bordstein und Radweg und sind wegen der Zweite-Reihe-Parker nicht zu erreichen. Und wer es bis dort geschafft hat, steht ohne seitlichen Sicherheitsabstand direkt am Radweg. Im Februar nun gab es Mittel für den Radverkehr in Hamburg Nord. Aus drei Vorschlägen konnte die Bezirksversammlung entscheiden. Für die Variante »Schutzstreifen im Wiesendamm« wies das Bezirksamt Nord auf die Anzahl der Parkplätze hin, die für die Markierungen wegfielen. Entsprechend entschied sich die Versammlung für eine andere Straße. Dass der Erhalt illegaler Parkplätze wichtiger ist als die Sicherheit des Radverkehrs, gefiel dabei nicht jedem.

Nennen wir es einfach »Schulwegsicherung«

In einem in Zusammenarbeit mit dem ADFC entstandenen Antrag bringt die CDU im Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude dann das Problem unter dem Stichwort »Schulwegsicherung« ein: Die Gehwege und die Fahrbahn seien vor Falschparkern zu sichern. Für den Radverkehr kämen nur Schutzstreifen in Frage (»...Verbesserung des Schulweges, namentlich Verbringung des Radweges auf die Fahrbahn zwischen Goldbekufer und Saarlandstraße...«). Einstimmig beschließt der Ausschuss am 18. Juni, dass dieser Vorschlag zu prüfen sei.

Ein angemessen breiter Gehweg kann erst entstehen, wenn der Radweg entfernt ist. Die Führung auf Fahrbahnniveau wäre für Radfahrende eine sichere Lösung. Gegen Falschparker vorzugehen sieht sich dann sicher auch das örtliche Kommissariat in der Lage. Im Falle eines Falschparkers verlässt die RadlerIn den Schutzstreifen und fährt am Auto vorbei. Das versteht erfahrungsgemäß auch der nachfolgende Autoverkehr und akzeptiert es daher. Um Geisterradler von vornherein zu vermeiden, sollten die Schutzstreifen auf beiden Seiten der Fahrbahn markiert werden.

Andrea Kupke in RadCity 4/2012

Wie es auch gehen kann, zeigt das Beispiel der Hellbrookstraße, in der jüngst Schutzstreifen markiert wurden.

Fotos für Ihre Berichterstattung: Pressematerial