03.12.2016

Radfahrstreifen in der Stadtbahnstraße

Von: Ulf Dietze

Mehr davon! Die Stadtbahnstraße ist nicht die erste Straße in Hamburg, die Radfahrstreifen bekommen hat. Mit fast 50.000 Autos pro Tag ist sie aber die mit dem größten Kfz-Aufkommen. Da lohnt ein Blick auf die neue Situation.

Das ist neu: Der Knoten Stadtbahnstraße/Saseler Chaussee ist komplett verändert. Der freie Rechtsabbieger ist in einen beampelten Rechtsabbiegestreifen umgebaut. Wer als Radfahrer geradeaus möchte, findet seinen Geradeausradfahrstreifen links davon. Radfahrer haben nun eigene Ampelsignale, die ihnen deutlich länger Grün zeigen als zuvor.

Dargestellt ist die Zeichnung der Ausführungsplanung im Bereich Stadtbahnstraße/Saseler Chaussee. Farbige Linien und Text weisen auf vorgezogene Haltelinie, Radwegaufleitung und alte sowie neue Radverkehrsführung hin. Ing-Ges. Schmeck-Junker und LSBG
Planausschnitt mit der neuen Führung des Radverkehrs Richtung Westen. Die graue Darstellung zeigt ehemaligen Bestand, schwarze Zeichnung ist neuer Zustand. Die Darstellung erfolgt mit freundlicher Genehmigung. Quelle: Ingenieurgesellschaft Schmeck-Junker und LSBG. Weitere Markierungen: adfc hamburg/ud

alte Führung (vor dem Umbau)

  • Radweg führt im dunklen Schatten (links Bäume, rechts Hecken). Eine rote Markierungslinie im Foto verdeutlicht die zu fahrende Strecke.

    Frühere Führung: Der Radweg war hinter Bäumen versteckt und traf im Anschluss an den freien Rechtsabbieger

  • Radweg führt über einen Zebrastreifen zur Dreiecksinsel und dann weiter über die Kreuzung. Zweifach ist etwa ein 90-Grad-Winkel zu fahren. Eine rote Linie verdeutlicht die Wegführung.

    Im Zickzack ging es weiter über einen freien Rechtsabbieger - hier rechnen AutofahrerInnen häufig nicht mit von rechts kommenden Radfahrenden

  • Radfahrer auf dem Radweg trifft an Tankstellenausfahrt auf SUV, das den Rad- und Gehweg komplett versperrt.

    Der Radweg führte anschließend durch eine Tankstellenausfahrt. Häufig war der Weg durch ausfahrende AutofahrerInnen versperrt oder sie wurden hier übersehen.

neue Führung

  • Radweg voller Herbstlaub. Links Büsche, rechts Gehweg. Eine grüne Linie im Foto zeigt, die neue Führung zwischen zwei Bäumen, die entlang der Straße stehen, hindurch auf die Fahrbahn.

    neue Führung: Der Radweg wird ca. 50 m vor der Kreuzung auf die Fahrbahn geleitet. Eine frühere - und damit noch sicherere - Ableitung erschien den Entscheidern wegen des zu erhaltenden Baumbestands nicht möglich.

  • Totale Richtung Westen. Eine grüne Linie auf dem Foto verdeutlicht die per Fahrrad zu fahrende Strecke entlang der Stadtbahnstraße über die Saseler Chaussee.

    In gerader Linie fahren Radfahrende - genau wie Autofahrende - über die Kreuzung Stadtbahnstraße/Saseler Chaussee Richtung Westen. Sie befinden sich rechts der geradeaus fahrenden Autos und sind immer im Sichtfeld.

  • Auf einem anderen Foto sahen wir einen Radfahrer an der selben Stelle durch ein SUV blockiert. Hier sehen wir nun einen Radfahrer auf dem Radfahrstreifen. Links von ihm sind fahrende Autos, rechts parkende Autos

    Hinter der Kreuzung setzt der Radfahrende die Fahrt auf dem neuen Radfahrstreifen fort. Die Störung und Gefährdung durch Autos, die aus der Tankstelle gefahren werden, ist minimiert.


Kreuzung von der süd-westlichen Ecke aus gesehen. Eine grüne Linie im Foto zeigt den Weg eines Radfahrers aus Saseler Chaussee (Nord) via Aufstelltasche nach Stadtbahnstraße (West). Markiert ist außerdem die dafür "zuständige" Radfahrampel
in Ost-West-Richtung und West-Ost-Richtung gibt es große Fahrradsignale auf den Mittelinseln. Sie sind vor allem für RadlerInnen wichtig, die aus Süd oder Nord kommend indirekt über eine Aufstelltasche abbiegen.

Wer mit dem Rad indirekt nach links abbiegt, fährt zunächst geradeaus und stellt sich dann in einer Wartetasche auf. Von hier aus erblickt die RadlerIn nun eine Neuheit in Hamburg: Fahrrad­ampeln in der Mittelinsel, die zeigen, wann sicher zu Ende abgebogen werden kann. Die Ampeln zeigen Grün, Gelb und Rot sowie »schwarz«. Letzteres heißt: alle Leuchten sind aus und man fährt nur, wenn alles frei ist. Was der ADFC Hamburg schon lange fordert, ist bei diesen Signalen umgesetzt: Sie sind genauso groß wie die Ampeln für den Kraftfahrzeugverkehr.


Auf der Strecke nach Westen (der Ausbau endet hinter dem nach Süden abknickenden Teil der Stadtbahnstraße) fährt man auf einem Radfahrstreifen. Dasselbe gilt für die Gegenrichtung. An den Bushaltestellen geht es jeweils links des Bushalteplatzes entlang – Konflikte mit wartenden Fahrgästen sind so ausgeschlossen.

Bushaltestelle mit wartendem Fahrgast und einem Radfahrer auf dem gemeinsamen Geh- und Radweg. Ein zweiter Radfahrer fährt entlang der Busbucht, weil auf dem Gehweg kein weiterer Platz ist.
Bushaltestelle vor dem Umbau: benutzungspflichtige Engstelle - manch ein Radfahrer wich vorausschauend über die Busbucht aus ...
Bushaltestelle neu: mehr Platz für FußgängerInnen und wartende Fahrgäste. Der Radverkehr befindet sich nun links der Busbucht – das Bild zeigt den Radfahrstreifen noch ohne seine rechtsseitige Markierung.

Aufstellbucht für Radfahrende, die in die Stadtbahnstraße (Süd) abbiegen wollen. Noch nicht üppig, jedoch größer als in der ursprünglichen Planung.

Zum indirekten Linksabbiegen gibt es am Westende der Ausbaustrecke einen Aufstellbereich für Radfahrende. Der ADFC hatte sich schon in der Planungsphase im Mai 2015 eingebracht und konnte unter anderem erreichen, dass dieser Aufstellbereich nun deutlich länger ist als ursprünglich geplant.


Im Fahrstreifen stehen Autos an einer roten Ampel. Rechts daneben liegt der Radfahrstreifen, der fünf Meter dichter an die Ampel führt. Dort wartet ein Radfahrer auf Grün.
Die Haltelinie des Radverkehrs liegt 5 Meter vor der des Autoverkehrs. Dies verbessert die Sicht auf den Radfahrenden und schützt vor Konflikten im sog. toten Winkel.
Vorgezogener Radfahrstreifen von der Seite gesehen. An den zehn Gehwegplatten daneben kann man die Länge des Bereichs gut nachvollziehen.
Der selbe Haltebereich von der Seite gesehen: 5 m bieten hier mehr Sicherheit als die 3 m, die zunächst geplant waren.

Noch wichtiger ist aber, dass unsere Anregung übernommen wurde, am Knoten Stadtbahnstraße/Saseler Chaussee die Haltelinien des Radverkehrs jeweils fünf Meter (statt der geplanten drei Meter) vor die Haltelinie der rechten Autofahrspur vorzuziehen. Dies ist ein wichtiger Punkt für die Verkehrssicherheit, da die Radfahrenden bei Rot ins Sichtfeld der Fahrer großer Lkw vorfahren können. Dies hilft, Unfälle im toten Winkel zu vermeiden

Das fehlt noch

Die rechte Radfahrstreifenmarkierung entlang der Bushaltestellen fehlt noch – auf Anfrage teilt die Verkehrsdirektion uns mit, dass sie noch ergänzt wird. Wir kritisierten, dass die Radfahrerampel in der Wartetasche für geradeaus fahrende RadfaherInnen irritierend ist – auch hier wird nachgebessert.

Radfahrstreifen trifft auf Radwegaufleitung. Die linke Markierung des Radfahrstreifens führt bis an die Bordsteinkante, die im weiteren Verlauf links des Radwegs liegt. Links neben dem gezeigten Radfahrstreifen liegt der rechte Fahrstreifen.
Aufleitung am Ostende der Ausbaustrecke: Anscheinend darf man nur auf dem Radweg weiterfahren. Tatsächlich ist aber auch die Weiterfahrt auf der Fahrbahn erlaubt. Es gibt deutlichere Methoden, das zu markieren.

Ärgerlich ist, dass am Ostende der Ausbaustrecke der Radfahrstreifen ausschließlich auf den nicht benutzungspflichtigen Radweg geleitet wird. Hier hatten wir gefordert, den Streifen y-förmig zu öffnen, so dass deutlich wird: Radfahrende dürfen hier auch auf der Fahrbahn weiterfahren. Weiterer Minuspunkt: Auf fast der gesamten Strecke fehlt es an Fahrradabstellmöglichkeiten, obwohl sich hier Geschäfte befinden.

Das Fazit

Große Ampeln, als angemessen empfundene Ampelschaltungen, Radfahrstreifen: Das geht in die richtige Richtung. Das macht den Radverkehr attraktiver und sicherer. Man kann bereits jetzt viele Radfahrende beobachten, die selbstbewusst und sicher auf den Streifen fahren.

Ulf Dietze in RadCity 6/2016