23.07.2015

Uhlenhorst: Planungswerkstatt Papenhuder Straße

Von: Ulf Dietze

Die Planungswerkstatt stellte am 15. Juli den Stand ihrer Idee vor.

Die Planungswerkstatt ist das Ergebnis einer Vereinbarung von Senat und Bürgerinitiativen. Gemeinsam soll über die Gestaltung der Papenhuder Straße nachgedacht werden. Ursprünglicher Anlass war die Planung des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) im Rahmen der Busoptimierung. Diese sah zunächst Schutzstreifen für Radfahrer vor.  Dagegen wehrten sich einige Anwohner, sammelten zahlreiche Unterschriften und erreichten eben am Ende den Kompromiss, der auch die Planungswerkstatt beinhaltet.

Diese Werkstatt setzt sich aus PolitikerInnen und Mitgliedern der Bürgerinis zu gleichen Teilen zusammen. Am Dienstag hatten diese in Arbeitsgruppen in große Pläne der Straße mögliche Lösungsalternativen eingearbeitet: Stellplätze, Fahrradhäuser, Baumbestand und -neupflanzungen, Fahrradbügel, Ladezonen, Sitzmöglichkeiten usw.

Ankündigung des Infoabends zur Planungswerkstatt Papenhuder Straße im Hamburger Wochenblatt
Ankündigung des Infoabends im Wochenblatt

Bei der Vorstellung am Mittwoch stellten vier der Teams eine Lösung mit Tempo 30 vor. Alle legten viel Wert auf möglichst viele Autoparkplätze. Das wesentliche Merkmal dieser Pläne waren daher Schrägparkplätze.

Ein fünftes Team plante mit Radfahrstreifen auf der Fahrbahn und Tempo 50. Hier waren nur Längsparkplätze möglich, damit die Kernfahrbahn ausreichend breit für die neuen Markierungen bleibt.

Aufwertung der Straße

Allen Teams ist an einer Aufwertung des öffentlichen Raums gelegen. Breitere Fußwege, mehr Platz für Geschäftsauslagen und Außengastronomie, Erhalt der Bäume – das ist bei allen Konsens. Allerdings gibt es Unterschiede, was denn als attraktiver Straßenraum angesehen wird. Einige Besucher merkten an, dass eine maximale Anzahl geparkter Autos nicht zu einem guten Flair beitrage.

Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Die Planungswerkstatt geht in eine nächste Runde, sobald das Planungsbüro Luchterhand die Rückmeldungen dieses Abends zusammengefasst hat.

Der ADFC legt sich derzeit nicht für eine bestimmte Variante fest. Allerdings ist für uns wichtig, dass zukünftig die Radfahrenden die Nebenflächen verlassen und auf der Fahrbahn fahren. Dort sind sie sicherer unterwegs und so entsteht der benötigte Platz für attraktive Straßennebenflächen und FußgängerInnen. Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit ist eine Forderung des ADFC für alle Straßen in der Stadt. Nur im Ausnahmefall sollte eine Straße für eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zugelassen werden.

Sind also die Tempo-30-Vorschläge der Teams bereits die perfekte Lösung? Daran haben wir Zweifel. Denn bei den Planungsvorschlägen, die Schrägparken vorsehen, wird die Kernfahrbahn entsprechend schmaler sein. In der Papenhuder Straße gibt es einen relativ hohen Anteil von Durchgangsverkehr unter den Autofahrern. Zum Überholen eines Radfahrers müsste der Autofahrer die Gegenfahrbahn mitbenutzen. Wenn er das wegen des Gegenverkehrs nicht kann, steigt die Tendenz, zu knapp zu überholen. Das ängstigt viele Radfahrende, so dass diese dann nicht mehr auf der Fahrbahn fahren würden. Wir hätten dann im Vergleich zum heutigen Stand nichts gewonnen.

Tendenziell würden wir also hier Schutzstreifen vorziehen. Das erleichtert vielen Radfahrenden das Benutzen der Fahrbahn. Damit ergäbe sich außerdem im gesamten Straßenzug Mühlenkamp – Hofweg – Papenhuder Straße eine einheitliche Radverkehrsführung. Auch diese Einheitlichkeit der Führung kann dazu beitragen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Parkplätze

Zu der Frage, ob Schrägparkplätze oder Längsparkplätze grundsätzlich für Radfahrer besser sind, gibt es keine eindeutige Aussage. Beide Lösungen haben Vor- und Nachteile. Hier kommt es auf die Details an, wie z. B. der Größe der markierten Sicherheitsabstände und der Kontrolle des Parkverhaltens. Diese Kontrolle wird auch notwendig sein, um Zweite-Reihe-Parken zu verhindern – auch in diesem Punkt bestand auf der Versammlung große Einigkeit.

Geschäftsleute wünschen sich gut erreichbare Autoparkplätze für ihre Kunden. Aber derzeit sind viele Parkplätze von Anwohnern belegt. Selbst Gewerbetreibende stehen oft stundenlang mit ihrem Fahrzeug auf einem der Stellplätze. Das ist aus deren Perspektive verständlich, aber eben auch Ursache der fehlenden Kundenparkplätze. Eine Parkraumbewirtschaftung, die tagsüber maximal zwei Stunden Parkdauer erlaubt und kostenpflichtig ist, könnte hier möglicherweise Abhilfe schaffen.

Bemerkung zum Verfahren

Dem Besucher der Veranstaltung, der an den Arbeitstreffen der Planungswerkstatt nicht teilgenommen hatte, fiel noch folgendes auf: Bei der Vorstellung von Team 5 verließen andere Mitglieder der Bürgerinitiativen demonstrativ den Raum. Bei den späteren Diskussionen an den Teamtischen stellten einige Bürgerini-Mitglieder das Mitspracherecht von "nicht-Anwohnern" in Frage – als handelte es sich bei der Papenhuder Straße um eine Privatstraße. Und in der Abschlussrunde wurde die Legitimation von Tisch 5 insgesamt in Frage gestellt, denn der plane mit Radfahrstreifen für Radfahrer und sei ja damit von der ursprünglichen Planung des LSBG (der mit Schutzstreifen plante) nicht zu unterscheiden und ohnehin in seiner personellen Zusammensetzung nicht legitimiert gewesen. – Umgekehrt fragte ein Besucher, welche Legitimation denn dieses Gremium »Planungswerkstatt« überhaupt hätte, über die Straßengestaltung zu entscheiden. Schließlich hätte doch gerade eine Wahl stattgefunden und da könne man doch erwarten, dass die gewählten Politiker die Entscheidungen treffen.