26.07.2015

Durchwachsene Roadshow

Von: Susanne Elfferding, Johanna Drescher
Veloroute führt über Querstraße: Jogger und RadlerInnen warten eigentlich immer

Zur gemeinsamen Radfahrt traf sich der ADFC mit dem Vertreter der Verkehrsbehörde

Die geplante Radtour mit Senator Frank Horch aus der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) fällt leider ins Wasser. So gewinnen wir immerhin mehr Zeit für das Interview (s. S. 6–11).

Nach dem Regen treten wir die vorbereitete Tour mit Olaf Böhm an, Frank Horchs Mitarbeiter für nichtmotorisierten Verkehr. Mit ihm diskutieren wir über gute und schlechte Wege für den Radverkehr.

Wir starten in St. Georg und fahren durch die Einbahnstraße Graumannsweg, die durch einen Radfahrstreifen nun in beide Richtungen für Radfahrer befahrbar ist. Auch die Kreuzung Graumannsweg/Kuhmühle ist frisch umgebaut. Allerdings benutzen viele Radfahrer den Linksabbiegestreifen in die Kuhmühle nicht, sondern fahren als Geisterradler über den Gehweg, um sich das Warten an der zweiten Ampel zu sparen. Wenn die Ampelschaltung von Radfahrenden als nachteilig empfunden wird, werden auch Lösungen, die besonderes Augenmerk auf die Sicherheit legen, bisweilen nicht akzeptiert.

Stop and go auf der Veloroute

Die Schürbeker Straße kann die RadlerIn, die der Veloroute 6 folgt, zwar mittels einer Unterführung queren, das ist aber für ortsunkundige RadfahrerInnen nicht erkennbar. Hier sollte die Ausschilderung verbessert werden.

Velorouten sind Hauptverkehrsachsen des Radverkehrs und sollten daher möglichst unterbrechungsfrei befahrbar sein. Doch genau das ist bei dieser Route nicht der Fall: Radfahrende müssen an jeder quer verlaufenden Straße auf eine Lücke im Verkehr warten.

So gibt es an der Straße Lerchenfeld ärgerliche Wartezeiten, da die Ampel einige zig Meter weit weg ist. Sie ist legal nur in der West-Ost-Richtung der Veloroute zu erreichen.

Wir diskutieren also, ob die Veloroute zwischen Richardstraße und Lerchenfeld auf die Südseite des Kanals verlegt werden sollte. Dann wäre die vorhandene Ampel für die Radfahrer ohne Umweg erreichbar. Diese Idee wird positiv bewertet unter der Voraussetzung, dass die Einbahnstraße Eilenau einen Radfahrstreifen in Gegenrichtung erhält.

Im weiteren Verlauf der Veloroute sollte der Radverkehr mindestens an den Querungen mit der Richard- und der Friedrichsberger Straße Vorrang haben. Das belastet den Autoverkehr auf diesen Bezirksstraßen nicht, es gibt außerdem parallele Hauptstraßen. Hier zeigt sich die Problematik der Zuständigkeiten: Die BWVI kann – obwohl sie die Veloroute finanziert – den Bezirk nicht anweisen, an diesen Bezirksstraßen etwas zu ändern.

Was tun mit den alten Radwegen?

Im Anschluss betrachten wir unterschiedliche Qualitäten alter Radwege. Straßburger Straße: Bei der anstehenden Instandsetzung werden Schutzstreifen eingerichtet. Krausestraße: Auch sie soll Radfahrstreifen bekommen. Habichtstraße: Keine Verbesserung in Sicht.

Am östlichen Ende der Hellbrookstraße gibt es absurde, unbenutzbare Rest­radwege. Dennoch wird der Radverkehr mit einer Aufleitung dorthin geführt. Aus ADFC-Sicht können hier Radler und Autofahrer im Mischverkehr fahren – am besten bei maximal zulässigem Tempo 30.

Zum Abschluss die Radfahr- und Schutzstreifen auf der Fuhlsbüttler Straße: Hier brauchen Autofahrer noch eine Eingewöhnungsphase. Dass es ihnen hilft, die Ladezonen für Lkws freizuhalten, dass Parken auf dem Schutzstreifen verboten ist ... mit ein wenig mehr Kontrolldichte werden sie das erfassen. Wir jedenfalls kommen auf der Fuhle heute wieder richtig zügig voran.

Susanne Elfferding, Johanna Drescher in RadCity 4/2015

zur Veloroute 6 siehe auch: hamburg.de/radtour/426692

Projekt gefördert durch die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung aus Erträgen der Lotterie BINGO! Die Umweltlotterie