31.07.2014

Radverkehrsstrategie für Hamburg reloaded?

Von: Dirk Lau, Merja Spott

Der ADFC Hamburg begrüßt es, dass der SPD-Senat sich jetzt intensiver mit dem Thema Radverkehr in Hamburg beschäftigt. Es ist zu hoffen, dass die Bilanz anlässlich der großen Anfrage der SPD zum Radverkehr nicht nur Wahlkampf ist, sondern Ausdruck echten politischen Wollens, den Radverkehr zu fördern und Hamburg zur Fahrradstadt zu machen.

Radverkehr in Hamburg am Scheideweg?

„Die Menge an Daten, die der Senat jetzt vorgelegt hat, zeigt aber tatsächlich vor allem eines: Es wird zwar wieder mehr über den Radverkehr in Hamburg geredet, aber noch viel zu wenig und das viel zu langsam umgesetzt“, meint Dirk Lau, Pressesprecher des ADFC Hamburg. Mit anderen Worten: Auf den großen Wurf in Sachen Radverkehr wartet Hamburg seit dem Regierungsantritt von Olaf Scholz 2011 immer noch!

Positiv ist, dass der Senat den Erfolg des StadtRADs anerkennt und sich zum Ausbau des Fahrradverleihsystems bekennt: So kann die Stadt mit wenig Geld viele innovative Mobilitätsangebote schaffen. Denn ein günstigeres „Stauentlastungsprogramm“ als das Fahrrad gibt es nicht. Besonders zu begrüßen ist die räumliche Ausweitung des StadtRAD-Angebots auf Harburg, Barmbek-Nord und Bahrenfeld – wichtige, sinnvolle Ergänzungen.

Was die Radverkehrsanlagen angeht, tut sich der Senat nach wie vor schwer. Es gibt zwar mehr Radfahrstreifen, auch werden Radwege saniert und neue Fahrradstraßen „geprüft“, wie es heißt. „Aber angsichts der Größe Hamburgs sind 6 Kilometer neue Radfahrstreifen pro Jahr nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Lau. Bei fast allen Maßnahmen zur Radwegesanierung spiegelt sich zudem wider, dass Hamburg weiterhin am bestehenden Straßenquerschnitt festhält, also das Auto bevorzugt behandelt, statt Radfahrern und Fußgängern mehr Raum zu geben. „Auch die Vorschläge für neue Fahrradstraßen, wie Leinpfad oder Chemnitzstraße/Thadenstraße, sind gut, aber schon lange in der Diskussion. Wann ist man endlich fertig mit der Prüfung und setzt die Pläne in die Tat um?“, fragt Lau.

Leider habe der Senat immer noch nicht realisiert, dass neben einer besseren Infrastruktur auch eine offensive, breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit für das Rad gehört. In der aktuellen Auflistung ist in dieser Hinsicht wenig Relevantes zu lesen. Die Öffentlichkeitsarbeit für das Rad und das Radfahren besteht vielmehr bislang nur aus einigen Flyern und kleineren Aktionen im Rahmen von „Schon gescheckt“, eine Aktion, die völlig ungenügend ausgestattet ist und letztlich verpufft. Lau fordert: „Eine Metropole wie Hamburg braucht aber eine richtige Kampagne, wenn deutlich mehr Menschen aufs Rad und auf Bus und Bahn umsteigen sollen.“

„Es liegt vieles noch im Argen, Hamburg ist noch lange keine Fahrradstadt“, resümiert Lau. Die SPD täte daher gut daran, die jetzt erhobenen Daten – und die damit verbundenen Versprechungen – nicht nur für den Wahlkampf zu nutzen, sondern zum Anlass zu nehmen, einen ambitionierten Aktionsplan für den Radverkehr zu starten – quasi eine Radverkehrsstrategie für Hamburg reloaded. „Die Menschen der Stadt werden es diesem Senat danken, wenn er Hamburg endlich zur fahrradfreundlichen Metropole ausbaut und konsequent auf eine innovative Mobilität setzt, in der das Fahrrad im Umweltverbund mit Bus und Bahn die zentrale Rolle spielt.“

Pressekontakt

Große Anfrage der SPD (Drucksache 20/12330) (PDF, 300 kb)