28.01.2013

Endlich freie Fahrt auf der »Fuhle«!

Von: Ulf Dietze, Dirk Lau
hellgrün: Hier wird nun die Benutzungspflicht aufgehoben. Drumherum ist schon heute überwiegend Fahrbahnfahren vorgesehen.
Die Fuhle zeigt sich unübersichtlich oder überfüllt ...
... hält immer wieder spannende Herausforderungen bereit ...
... schafft Freude durch Annäherungsversuche von Autotüren ...
... und hat doch eigentlich eine Fahrbahn, auf der man im Schein der Laternen bestens Radfahren kann.

In der Drosselstraße und Teilen der Fuhlsbüttler Straße in Barmbek entfällt demnächst die Benutzungspflicht für die Radwege. RadfahrerInnen teilen sich dann ganz legal die Fahrbahn mit motorisierten VerkehrsteilnehmerInnen.

Die Radwegbenutzungspflicht in der »Fuhle«, wie die Barmbeker ihre Hauptverkehrsstraße nennen, zwischen Bramfelder Straße und Langenfort wird aufgehoben. Gleiches gilt für die Drosselstraße.

Damit ist es Radfahrenden auch hier zukünftig erlaubt, immer die Fahrbahn zu benutzen. Bislang galt dies nur bei Unbenutzbarkeit des Radwegs – etwa wenn er zugeparkt war, auf ihm gerade Weihnachtsmarkt war, der Weg unter nicht geräumtem Schnee verschwand und dergleichen.

Das zuständige Polizeikommissariat stellte seine Entscheidungen im Januar 2013 im Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg vor: »Im betroffenen Abschnitt der Drosselstraße (besteht) keine erheblich gesteigerte Gefahrenlage, wenn der Radverkehr neben dem Radweg auch die Möglichkeit erhält, im Mischverkehr auf der Fahrbahn zu fahren.« Nach der geltenden Rechtslage ist unter diesen Umständen die Anordnung einer Benutzungspflicht gar nicht zulässig.

Dass die fraglichen Radwege in Barmbek außerdem die gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Breite, Oberfläche und Führung nicht erfüllen und schon von daher nicht benutzungsfplichtig sein dürften, spielt dann eigentlich schon keine Rolle mehr, sagt Andrea Kupke vom ADFC Hamburg.

Kupke begrüßt die Aufhebung der Benutzungspflicht als Verbesserung der Verkehrssicherheit: »Die Idee, Radfahrer auf Radwege zu verbannen und sie dort in trügerischer Sicherheit zu wiegen, hat sich über die Jahrzehnte als schwerer Fehler erwiesen. Auf der Fahrbahn sind sie viel besser im Blick der anderen Verkehrsteilnehmer.«

Wer will, kann natürlich auch weiterhin auf den Radwegen fahren. Sicher, zügig und komfortabel fährt es sich dort allerdings nicht. Wer die Fahrbahn benutzt, hilft zudem auch den FußgängerInnen, die sich besonders im Bereich der Geschäfte zwischen Drosselstraße und Heidhörn mit Radverkehr um den knappen Platz auf dem Bürgersteig streiten mussten. Der gesamte Straßenbereich, in dem nun die Benutzungspflicht wegfällt, weist lediglich schmale, oft kaputte Radwege auf, die teilweise direkt entlang parkender Autos geführt werden. Die Gefahr in eine plötzlich geöffnete Autotür zu geraten, ist hier ständiger Begleiter der Radfahrer.

Hintergrund

Die Straßenverkehrsbehörde kommt mit der Aufhebung der Benutzungspflicht den Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung und der Rechtsprechung nach. Diese erlauben eine Benutzungspflicht nur unter engen Voraussetzungen. Sie folgen damit der Erkenntnis, dass Radverkehr Fahrzeugverkehr ist und auch wie dieser geführt werden sollte. Sicherheit entsteht dabei durch Sichtbarkeit und dadurch, dass das Verhalten der Radfahrer für den Autofahrer vorhersagbarer wird. Das besonders unfallträchtige »Übersehen« der Radfahrer durch abbiegende Kraftfahrzeugführer an Einmündungen fällt beim Mischverkehr praktisch weg.

Derzeit stehen noch die blauen Radwegschilder, die eine Benutzungspflicht anzeigen. Sobald sie abmontiert sind, können die Radfahrer die Fahrbahnen benutzen. Der ADFC bittet die Autofahrer, sich rücksichtsvoll zu verhalten und den vorgeschriebenen seitlichen Überholabstand von mindestens 1,50 Metern einzuhalten. Der Verein geht davon aus, dass die Polizei darauf »ein besonderes Auge wirft«.