02.08.2014

Neuer Weg - großer Murks

Von: Ulf Albrechtsen

Bergedorfs Uhren ticken noch ein Stück anders.

Die Straße Neuer Weg liegt in Bergedorf. Hier geht es um den Bereich im grünen Oval. (Karte: ADFC-Radatlas Hamburg)

In den Jahren 2012/2013 wurden in Bergedorf-Süd umfangreiche Siel-Bauarbeiten durchgeführt. In diesem Zusammenhang wurden dort mehrere Straßen neu gestaltet. Dazu gehört auch die Straße Neuer Weg zwischen Rektor-Ritter-Straße und Am Pool sowie die Verbindung von dort zur Bergedorfer Straße (B5).

Früher gut ...

Der ca. 70 Meter lange Straßenabschnitt Neuer Weg war bis zum Beginn der Umbaumaßnahmen für alle Verkehrsteilnehmer in beide Richtungen befahrbar. Zwischen Am Pool und der Bergedorfer Straße existierte eine breite Rampe, welche nur für Fußgänger und Radfahrende freigegeben war. An der Fußgängerampel an der Bergedorfer Straße war dieser Weg auch als Radwanderweg in Richtung Zollenspieker ausgeschildert.

Beide Teile sind zusammen mit der Fußgängerampel an der Bergedorfer Straße ein wichtiges Verbindungsstück zwischen dem östlichen Teil der Bergedorfer Innenstadt und den südlich und östlich gelegenen Gebieten der Vierlande sowie Börnsen / Escheburg. In Richtung Süden stellt dies die Verbindung zum Curslacker Neuer Deich her. In Richtung Osten lässt sich der Brookdeich schnell erreichen, der gut als Rad-Alternative zur B5 geeignet ist (ein Teil des Brookdeichs ist Fahrradstraße).

In der Bergedorfer-Radverkehrsstrategie-2008 des Bezirks ist die Strecke als wichtige Radverbindung für Bergedorf ausgewiesen.

... und heute schlecht.

Die Umbaumaßnahmen wurden im Straßenbereich Anfang August 2013 fertiggestellt, das Verbindungsstück im Mai dieses Jahres.

Kann man das noch schlechter für den Radverkehr gestalten, als Asphalt durch Kopfsteinpflaster zu ersetzen und eine Zweirichtungsstraße auch für Radfahrende zur Einbahnstraße zu machen? Die Straße Neuer Weg in Bergedorf ist komplett neu hergestellt worden, offensichtlich galt die gesamte Aufmerksamkeit dem Anlegen möglichst umfangreicher Parkflächen.

Die Bilanz für Radfahrende ist jedoch ernüchternd bis erschreckend:

  • der Straßenbelag Neuer Weg ist Kopfsteinpflaster der üblen Sorte,
  • dieser Abschnitt ist zur echten Einbahnstraße in Richtung Am Pool geworden,
  • Die entgegengesetzte Fahrtrichtung ist nicht mit dem Zeichen »Fahrrad frei« versehen, da die Fahrbahn zu eng gebaut worden ist – es gibt aber Auto-Parkplätze auf beiden Seiten,
  • Die ehemals rund fünf Meter breite Rampe ist einer Treppe mit einer nur noch rund drei Meter schmalen Rampe gewichen.

Nach der Beschilderung als echte Einbahnstraße im August 2013 gab es Widerspruch unter anderem von der ADFC-Bezirksgruppe Bergedorf. Auch die örtliche Polizei war und ist mit der Umgestaltung unzufrieden, da das verbotene Radfahren auf dem Fußweg damit herausgefordert wird.

Nach Fertigstellung des restlichen Bereiches wurde Anfang Mai 2014 dann der Fußweg entgegen der Einbahnstraße mit den Zeichen »Gehweg/Radfahrer frei« versehen. Die Polizei möchte die Straße nicht in Gegenrichtung freigeben. Grund ist die Enge der Straße in Verbindung mit Kopfsteinpflaster und Parkbuchten welche immer belegt sind. Schon eine Begegnung mit einem »normalbreiten« Kfz sei in dieser Situation kritisch.

Die Folgen

Die Rampe ist jetzt deutlich schmaler geworden ...
... und zur Ampel dahinter kommt man nur noch mit Schlenkern.

Damit stellt sich die Situation für Radfahrende jetzt wie folgt dar:

  • In Richtung Norden nutzt man die Einbahnstraße mit dem Kopfsteinpflaster. Über die Grundstückszufahrt im Bereich der Kurve erreicht man nach einem leichten Rechtsschwenk die neue enge Rampe. Am Ende der Rampe wird diese zusätzlich durch einen Briefkasten der Post eingeengt. Ein Linksschwenk bringt einen dann zur Radwegfurt an der Ampel.
  • In Richtung Süden über die Ampel kommend zunächst der Linksschwenk zur Rampe. Am Ende der Rampe muss nach rechts gefahren werden, um die Straße mit dem Kopfsteinpflaster zu überqueren. Auf der rechten Straßenseite ist der (schmalere) Fußweg für Radfahrende freigegeben, bis man an der folgenden Kreuzung wieder auf der Fahrbahn weiter fahren kann. Dies aber nur, nachdem man Vorfahrt aus sämtlichen Richtungen beachtet hat, da man vom Fußweg kommend keine Vorfahrtberechtigung hat.

Wie von der Polizei vermutet, wird die Regelung in der Einbahnstraße von den meisten Radfahrenden nicht akzeptiert. In beiden Richtungen wird der breitere Fußweg benutzt. In Richtung Norden um nicht auf dem Kopfsteinpflaster fahren zu müssen, in Richtung Süden, da er in gerader Richtung an die Rampe anschließt und man nicht die Kopfsteinpflasterstraße queren muss.

Die Rampe erfreut sich großer Beliebtheit, allerdings nicht nur bei Radfahrenden, sondern auch bei den meisten Fußgängern. Ca. 80% nutzen die Rampe anstelle der Treppe.

Mit der gesamten Umgestaltung ist für Radfahrende eine deutliche Verschlechterung hergestellt, obwohl in Hamburg eigentlich bei Umbauten die Situation für Fahrradfahrer verbessert werden soll.

Wer hat's erfunden?

Die Umbauten in Bergedorf-Süd wurden vom Wirtschaftsausschuss geplant. Die Parteienvertreter des Verkehrsausschusses der Bezirks-Fraktionen waren nicht beteiligt und haben erst hinterher davon erfahren ...

Allerdings kommt gleichzeitig die wohl als Entschuldigung gedachte Aussage, man habe mit dem Kopfsteinpflaster »dem Bürgerwillen« entsprochen.

Was man auf nur 100 Metern Wegstrecke alles falsch machen kann, in Bergedorf kann man es jetzt besichtigen.

Ulf Albrechtsen in RadCity 4/2014

ADFC-Bezirksgruppe Bergedorf

vertiefende Informationen:

http://bergedorf-sued.de/gebietsentwicklung/materialien/index.html