22.05.2016

Schiebestrecke Övelgönne

Von: Bezirksgruppe Altona, Benjamin Harders
Karte der Eigentumsverhältnisse im Strandbereich im Abschnitt Ost
Die Flächen im Strandbereich gehören der Hamburg Port Authority, der Freien und Hansestadt Hamburg, der Bundesrepublik Deutschland sowie 18 privaten Anliegern – jeweils mit öffentlicher Nutzung. (Karte: Elbe-Radweg Övelgönne. Konzept-Entwurf 2011. Schaper/Steffen/Runtsch)

Die Schiebestrecke Övelgönne ist ein 1 km langer Abschnitt des Elberadwegs im Stadtteil Othmarschen. Dieser als Fußweg gekennzeichnete Weg führt oberhalb des Strands zwischen hübschen Häusern und grünen Vorgärten hindurch und ist nur sehr selten breiter als 2 m. An sonnigen Wochenenden und Nachmittagen ist hier kaum ein Durchkommen.

Interviews auf der Schiebestrecke in Övelgönne

Die Schiebestrecke trifft erfahrungsgemäß im Berufsverkehr auf wenig Akzeptanz. Aber auch Fernreisende mit Rad, Sack und Pack sind bisweilen genervt. Einige Radfahrer sollen trotz des Fahrverbots in unvorsichtiger Weise durch Övelgönne gefahren sein und Fußgänger weggeklingelt oder gefährdet haben. Hin und wieder sollen Anwohner zu rigiden Maßnahmen gegriffen haben, um fahrende Fahrräder zu stoppen. Beschimpfungen sind noch harmlose Ausprägungen des Unmuts. Berichte gibt es auch zu in Speichen geworfene Expander oder durch Vorgärten fliegende Fahrräder.

Untersuchungen seit 27 Jahren ...

Seit dem Jahr 1989 laufen verschiedene Untersuchungen, wie eine für Anlieger, Fuß- und Radverkehr akzeptable Lösung gefunden werden kann. Der aktuelle Konzept-Entwurf stammt aus dem Jahr 2011 und sieht einen 4 m breiten Fuß- und Radweg im oberen Strandbereich vor. Das Problem: 18 schmale Flurstücke im Strandbereich sind in Privatbesitz und viele der Grundeigentümer sind offenbar gegen den Weg am Strand.

Die Bezirksversammlung Altona hat 2012 nach einer öffentlichen Anhörung versprochen sich der Bedenken der Anlieger und Grundeigentümer anzunehmen, aber gleichzeitig am Ziel festzuhalten, einen Radweg als Alternative zur Schiebestrecke bauen zu wollen. Für den Bau benötigte in Privatbesitz befindliche Strandgrundstücke sollen nur auf freiwilliger Basis erworben werden, andernfalls müsste der Radweg mit entsprechenden Kostensteigerungen näher am Wasser gebaut werden. Folgende Vorteile eines Uferwegs sieht die Bezirksversammlung:

  • Entlastung des schmalen Fußweges unmittelbar vor den Häusern am Weg Övelgönne, insbesondere an Tagen mit viel Besucheraufkommen;
  • Entschärfung der Konfliktlage zwischen illegal fahrenden Radnutzern und Fußgängern resp. Anwohnern;
  • Schaffung eines attraktiven Fahrradweges an der Elbe und damit weiterer Lückenschluss des internationalen Elbe-Radwanderweges auf Hamburger Gebiet;
  • Erlebbarkeit des Strands insbesondere für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Personen mit Kinderwagen.

Dem Bezirksamt ist es vier Jahre nach dem oben zitierten Beschluss noch nicht gelungen, dieses Teilstück des Elbe-Radweges befahrbar herzurichten. Ein Mitarbeiter der Tiefbauabteilung sagte uns dazu: »Aufgrund der geringen Breite des Weges und des starken touristischem Fußgänger- und Radfahreraufkommens ist hier vorerst keine Änderung in Sicht. Eine technische Lösung am Strand ist baulich schwer und finanziell zurzeit nicht realisierbar.« Bei den Haushaltsanmeldungen ist der von der Bezirksversammlung gewünschte Radweg mit letzter Priorität angemeldet worden. Die FDP schlägt sogar vor, im Haushalt 2017/18 gar keine Mittel für einen Radweg in Övelgönne vorzusehen. Das Bezirksamt versucht derweil Fördermittel beim Bund einzuwerben, um etwaige Mehrkosten durch einen komplizierteren Routenverlauf abzudecken.

Alternativen

Könnte der Gehweg von Övelgönne nicht wenigstens während des Berufsverkehr für den Radverkehr freigegeben werden? Wir haben bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde angefragt. Dort hält man eine differenzierte Lösung in Form einer zeitlichen Freigabe für schwer umsetzbar. Die Polizei sieht allerdings das Hauptproblem nur in den wenigen Verkehrsteilnehmern, die sich wirklich rücksichtslos verhalten.

Die ADFC Bezirksgruppe Altona fordert jetzt eine Lösung für den Radverkehr und nicht in ferner Zukunft. Immer wieder gibt es Verzögerungen bei Bauprojekten für den Radverkehr. Auch die schon lange geplanten Radfahrstreifen auf der Elbchaussee lassen auf sich warten, weil Hamburg Wasser zuerst die Sielleitungen erneuern muss. Die Elbchaussee könnte mit einer Tempobeschränkung auf 30 km/h schon heute deutlich attraktiver für den Radverkehr werden und zu einer gut zu fahrenden Verbindung zwischen Blankenese und Altona werden.

Unbestritten ist, dass sich die meisten Radfahrer für einen Uferweg in Övelgönne einsetzen. Bis es soweit ist, sollte es eine Lösung mit Augenmaß geben. Das Radfahren in Övelgönne sollte zumindest dann mit angepasster Geschwindigkeit erlaubt werden, wenn kaum Fußgänger unterwegs sind. Und wer es richtig durchdenkt, stellt fest, dass eine Förderung des Radverkehrs in Övelgönne immer auch den anderen Verkehrsarten und Interessen im Stadtteil zu Gute kommt.

Bei einer kleinen Video-Umfrage unter Radfahrern haben wir festgestellt, dass ein Ufer-Radweg oft gewünscht wird. Die Beiträge sind nicht gekürzt worden. Herzlichen Dank allen Radfahrern und Radfahrerinnen für die spontane Teilnahme.


Infos zum Elberadweg: www.elberadweg.de