04.04.2015

Anti-Stau-Mobil Fahrrad

Von: Susanne Elfferding

Großbaustelle A7, Verkehrsinfarkt, Staustadt Hamburg. Die Schreckensmeldungen reißen nicht ab. Ist das unvermeidbar?

Das ist mal ein Weg zum Radfahren ... – Cykelslangen ved Dybbøls Bro, Vesterbro, København (Foto: CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0), via Wikimedia Commons)

Andere Städte zeigen uns heute schon Wege aus dem Stau. Amsterdam setzt auf Radschnellwege, um Pendler zum Umsteigen zu bewegen. Auch Busse und Bahnen profitieren davon. London will mit dem Bau von Fahrradachsen in den nächsten Jahren nachziehen. Warum sollte das in Hamburg nicht möglich sein?

Werbung für das Anti-Stau-Mobil

Ein erster wichtiger Schritt ist Öffentlichkeitsarbeit, die Lust aufs Radfahren macht. Sie bietet die Chance, politischen Willen zu zeigen und neue Angebote für den Radverkehr bekannt zu machen.

Viele Menschen, die auf das Fahrrad umsteigen wollen, sind für konkrete Hilfe dankbar. In London hat sich ein Fahrrad-Sicherheitstraining durch die Bezirke bewährt. Tipps für die Wahl der besten Routen und Radler-Netzwerke können das Angebot sehr gut ergänzen.

Wege für das Anti-Stau-Mobil

Öffentlichkeitsarbeit allein reicht nicht. Wenn die Infrastruktur für das Fahrrad kontinuierlich ausgebaut wird, profitieren alle. Auch der Wirtschaftsverkehr, der in Hamburg immer als Entschuldigung für autofreundliche Maßnahmen herhalten muss: Je mehr Menschen Fahrrad fahren, desto weniger Autos verstopfen die Straßen und desto weniger Parksuchverkehr und Falschparker gibt es.

Das Veloroutennetz, das bereits seit über 20 Jahren in der Planung ist, muss endlich flächendeckend fertiggestellt werden. Wie wäre es mit einem Hamburger Qualitätsstandard für Velorouten, der andere Städte neidisch macht? Dazu würden der Vorrang für den Radverkehr auch an Hauptstraßen gehören sowie eine Führung über Fahrradstraßen mit stark reduziertem Kfz-Parken.

Radschnellwege, die Hamburg mit Umlandgemeinden verbinden, ergänzen das Angebot und locken Pendler an. Sie sind besonders attraktiv, weil sie weitgehend frei von Ampeln und Umwegen sind. In Amsterdam und Kopenhagen wird das durch Über- bzw. Unterführungen an Hauptstraßen erreicht.

Auch bei den Elbquerungen besteht Nachholbedarf: Fahrradverbindungen, die dem Neuen Elbtunnel und der A1-Brücke in Kaltehofe entsprechen, fehlen. Das Paradestück wäre eine architektonisch anspruchsvolle Brücke zwischen HafenCity und Kleinem Grasbrook. Sie könnte die gefährlich engen Radwege auf der Norderelbbrücke ersetzen und ein Zeichen für den Radverkehr setzen.

Susanne Elfferding in RadCity 2/2015