30.07.2012

Die ADFC-Position zur Radverkehrsplanung in der Hafencity

Von: Merja Spott, Dirk Lau

In der RadCity 3/2012 stellte Anne Fischer einen Abschnitt aus ihrer Bachelor-Arbeit vor. Den Widerspruch der HafenCity GmbH veröffentlichen wir zusammen mit dieser offiziellen ADFC-Position.

Hafencity Hamburg, Zweirichtungsradweg
Zweirichtungsradweg mit den üblichen Hindernissen und Gefahren.

Falsches, veraltetes Grundkonzept

Bei der Verkehrsplanung zur Hafencity wurde es grundsätzlich versäumt, die Chance zu ergreifen und ein autoarmes, wenn nicht gar autofreies Stadtviertel zu entwerfen, das Modellcharakter für eine innovative, umweltfreundliche Mobilität der Zukunft gehabt hätte. Stattdessen hat hier das Auto immer noch Vorfahrt: Die breiten Straßen der Hafencity laden – nach altem Muster – zum schnellen Autofahren ein. Moderne Verkehrskonzepte wie Shared Space wurden nicht berücksichtigt, obwohl dies bei der Planung eines komplett neuen Stadtviertels nahe gelegen hätte. Stattdessen hat man mit der Verbindung Am Sandtorkai/Am Brooktorkai eine weitere große Verkehrsachse parallel zur Willy-Brandt-Straße hergestellt. Das wäre nicht notwendig gewesen, sondern hat nur eine alternative Rennstrecke geschaffen, die nun noch mehr Autos auf den Baumwall und zu den Landungsbrücken führt und damit die Innenstadt weiter verstopft.

Gute Ansätze in der Detailplanung

Einige Details sind hingegen gut gelöst worden. So wurden zum Beispiel viele Fahrradbügel dezentral verteilt und bieten Radfahrern die Möglichkeit, ihr Fahrzeug sicher abzustellen. Auch wurden „tote“ Räume genutzt, etwa unter einer Brücke, um auf clevere Weise überdachtes Fahrradparken zu schaffen. Außerdem gibt es immerhin einen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn in der Osakaallee, für die Überseeallee ist einer geplant. Auch die Auffahrten vom Baumwall zur Kehrwiederspitze sind vorbildlich gelöst. Die Lösung, die man für die Kaipromenaden gefunden hat, ist vertretbar. Hier sind die Gehwege für Radfahrer frei gegeben, die Betonplatten ermöglichen komfortables Rad fahren – wenn keine Fußgänger unterwegs sind.

Gefährlicher Zweirichtungsradweg

Bedauerlich ist, dass man in den Straßen Am Sandtorkai/Am Brooktorkai einen Zweirichtungsradweg angelegt hat. Dieser gewährt besonders wegen der vielen Ausfahrten wenig Sicherheit für Radfahrer. Zudem hat er keine Abgrenzung vom Gehweg, was besonders bei ortsunkundigen Touristen dazu führt, dass sie auf dem Radweg laufen.

Das Argument, auf der anderen Straßenseite hätte aus Gründen des Denkmalschutzes kein Radweg einrichten werden können, erscheint wie eine Ausrede. Zum einen wäre ein Radfahrstreifen im Interesse der Verkehrssicherheit sinnvoller gewesen als ein Radweg, zum anderen scheint der Denkmalschutz auch keine Bedenken gegen die Schneise gehabt zu haben, die man durch den vierspurigen Ausbau der Straße geschaffen hat. Auch die parkenden Autos stören hier scheinbar nicht.

Mit einer anderen Planung hätte man den Übergang von den alten Gebäuden der Speicherstadt zur neuen Hafencity fließender gestalten können. Nicht nur die Interessen der Radfahrer, sondern auch die der Fußgänger hätten dann besser berücksichtigt werden können. Schlecht gelöst ist das Ende des Zweirichtungsradwegs am westlichen Ende des Sandtorkais: Er hört abrupt auf und überlässt die Radfahrer ihrem Schicksal. Eine konsequente Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn wäre für alle Verkehrsteilnehmer besser.

Ein weiteres Problem der Radwege in der Hafencity ist, dass sie untypisch für Hamburg in grau und nicht in rot angelegt wurden. Damit wird ihr Wiedererkennungseffekt verschenkt, was wiederum dazu führt, dass noch mehr Fußgänger auf diesen Radwegen laufen.

Das geht besser!

Insgesamt ist es wünschenswert, wenn in der Hafencity Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit ausgewiesen wäre. Radverkehrsanlagen (in diesem Fall Radfahrstreifen) wären dann aus Sicht des ADFC nur in der Achse Am Sandtorkai/Am Brooktorkai und auf einer weiteren, als Hauptverbindung auszuweisenden Verbindungsstraße (Am Sandtopark/Osakallee/Shanghaiallee) Richtung Versmannstraße sinnvoll.

Merja Spott und Dirk Lau für den ADFC in RadCity 4/2012