03.10.2015

Fahrrad passt immer

Von: Susanne Elfferding

Mit dem Fahrrad kommt man nicht weit? Kein Problem! Denn es lässt sich in jeder Situation gut kombinieren: Mit Bus und Bahn, mit Carsharing oder Mitfahrgelegenheiten. Und Pedelecs und E-Bikes haben eingebauten Rückenwind, der ihre Reichweite auch ohne umzusteigen signifikant erhöht.

Durch geschickte Planung für das Fahrrad können wertvolle Kapazitäten im ÖPNV und im Straßenverkehr frei gehalten werden. Denn ein Fahrrad, das einen zuverlässig und zügig zum Ziel bringt, ist ein überaus attraktives und individuelles Verkehrsmittel.

Bedarf besteht gleich vor der Haustür. Wer das Rad schneller als das Auto der den ÖPNV erreicht, der nutzt es öfter. Doch gerade bei älteren Häusern muss das Rad erst umständlich aus dem Keller oder dem Hinterhof geholt werden. Dabei können Wohnungseigentümer mit guten Abstellanlagen punkten und neue Kundenkreise erschließen. So würde zum Beispiel eine Kooperation zwischen großen Wohnungsunternehmen und der Stadt ein deutliches Zeichen für die Stadtentwicklung setzen. In Hamburg fehlen bisher auch fahrradfreundliche Wohngebiete, in denen das Rad Vorrang vor dem privaten Pkw hat.

Auch da, wo viele Menschen umsteigen, werden sichere und möglichst witterungsgeschützte Abstellanlagen benötigt. Denn nur dann werden Angebote akzeptiert, bei denen das Rad nicht mitgenommen werden kann. Wir brauchen Fahrradstationen, wie es sie schon jetzt in Bergedorf gibt, an allen Fernbahnhöfen. Und alle größeren Bahn- und Busstationen sollten mit ausreichend überdachten und sicheren Fahrradbügeln ausgestattet sein. Und zwar auch für Lastenräder - und vielleicht sogar mit einer Ladestation für Pedelecs.

Denn die Stadt greift zu kurz, wenn sie bei Elektromobilität nur an das Auto denkt. Während diese kaum einen Markt haben, sind Pedelecs und E-Bikes schon heute Verkaufsschlager, und zwar auch als Lastenrad. Hier hat die Elektromobilität einen wirklichen Nutzen, da sie die Reichweite des Fahrzeugs signifikant erhöht.

Deshalb gehören auch die Wege für den Radverkehr auf den Prüfstand. Velorouten sind als Hauptrouten des Radverkehrs so zu führen, dass sie vor Nebenstraßen des Autoverkehrs Vorrang haben. Überwiegend kreuzungsfreie Radschnellwege ins Umland ergänzen sie und machen das Fahrrad auch für Einpendler attraktiv.

Übrigens: Das Forschungszentrum InnoZ hat 2012 in seinen Trends 2030 für Mobilität und Logistik festgestellt, dass kürzere Wege und gemächlichere Fortbewegung im Sinne der "Entschleunigung" auch als höhere Lebensqualität wahrgenommen werden. Gibt es ein besseres Plädoyer für das Fahrrad?

Susanne Elfferding in RadCity 5/2015