15.03.2014

Mühlenkamp: Ende der Diskussionen in Sicht?

Von: Andrea Kupke

Am 17. März steht die Umgestaltung des Mühlenkamps noch einmal auf der Tagesordnung des Regionalausschusses.

So viel Straßenfläche kann man gerechter aufteilen: der Mühlenkamp in Hamburg Winterhude.
So viel Straßenfläche kann man gerechter aufteilen: der Mühlenkamp in Hamburg Winterhude.

Wir berichteten über die ADFC-Podiumsdiskussion zum Mühlenkamp im Juli 2012 und den Runden Tisch im Januar 2013. Der war Auftakt für eine Diskussion um die Neugestaltung der Straße im Zuge der Busbeschleunigung. Inzwischen haben einige Akteure viel darüber geredet und geschrieben, Stimmung gemacht, eine Initiative gegründet und sich kritisch eingebracht. Man konnte aus der veröffentlichten Meinung den Eindruck gewinnen, mit der Busbeschleunigung ginge Winterhude zu Grunde.

Verkehrsprobleme

Diese eher abwegige Diskussion konnte jedoch nichts an der Tatsache ändern, dass es tatsächlich Verkehrsprobleme am Mühlenkamp gibt, die ein Umbau beheben könnte. Auf der relativ breiten Straße stellen Autofahrer ihr Fahrzeug regelmäßig in zweiter Reihe ab, der Verkehrsfluss ist gestört und die Busse der Linie 6 bleiben im Stau stecken. Die Stimmung auf der Fahrbahn im Mühlenkamp ist oft aggressiv. Viele Radler trauen sich nicht in das scheinbare Chaos auf der Fahrbahn. Sie fahren stattdessen – unerlaubterweise – auf den Gehwegen, was wiederum die Fußgänger stört und gefährdet.

Die Pläne des für die Busbeschleunigung zuständigen Landesbetriebs Straßen Brücken und Gewässer (LSBG) sehen deshalb eine neue Verkehrsführung vor. Daran erhebt sich rund um den Mühlenkamp der Widerstand. Aufregung erzeugt z. B., dass man künftig mit dem KFZ nicht mehr aus Richtung Norden kommend nach links in die Gertigstraße einbiegen können soll. Die Erreichbarkeit des Quartieres sei stark eingeschränkt, meinen die Kritiker.

Radfahrer sollen hier nach den vorliegenden Plänen weiterhin abbiegen können. Die Strecke ist Teil des Verlaufs einer zukünftigen Veloroute. In den Niederlanden wird mit Abbiegeverboten für Autos und Durchlässen nur für den Radverkehr gezielt Verkehrsplanung gemacht: Radler haben den Vorteil kürzerer Verbindungen. Dadurch verlagern sich kurze Wege vom Auto aufs Rad, was auch dem »Flair« des Mühlenkamps nicht schlecht bekäme und dem Gedanken der Nahmobilität entspricht.

Echte Verkehrsberuhigung abgelehnt

Einige formulieren die Sorge, dass Durchgangsverkehr in die heute schon verstopften kleinen Nebenstraßen gedrängt werde. Attraktiv ist die Durchfahrt dort aber sicher nicht. Eine wirklich verkehrsberuhigende Lösung für den Bereich zwischen Gertigstraße und Poelchaukamp wie Shared Space oder einer Lösung wie in der Mönckebergstraße, die nur Taxi, Rad, Bus und Einsatzfahrzeuge zulässt, wurde unterdessen von einigen Parteien und Anwohnern abgelehnt.

Offenbar möchte niemand den motorisierten Verkehr vor seiner Haustür. Einschränkungen der Erreichbarkeit aller Ziele auf kürzestem Wege mit dem Auto oder in der Zahl der Parkplätze sind aber auch nicht erwünscht, so der Eindruck, den man auf den bisherigen öffentlichen Sitzungen des Regionalausschusses gewinnen konnte.

Dort wird mittlerweile sogar über das »Schreckgespenst« (Originalton CDU-Fraktion) einer weiteren Buslinie diskutiert, die als Querverbindung mangels U-Bahnanschluss für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs durchaus sinnvoll wäre. Es gäbe keinen Platz für Bushaltestellen.

Einige Anwohner fordern Tempo 30 für den Mühlenkamp. Doch auch dazu können sich die Planer des LSBG nicht durchringen, da schließlich der Bus beschleunigt werden solle. Dass dieser im fraglichen Bereich tagsüber kaum einmal schneller als 30 km/h fahren kann, spielt dann auch keine Rolle mehr.

Schutzstreifen

Eine klare Verbesserung für Radfahrer sind die geplanten Schutzstreifen. Damit wird dem Radverkehr im Mühlenkamp sichtbar Raum gegeben. In der Verlängerung des Mühlenkamp, dem Hofweg, gibt es diese Streifen bereits. Sie kommen bei Radlern und auch bei Busfahrern sehr gut an und sorgen für allgemein funktionierenden Verkehrsfluss.

Die Schutzstreifen im Mühlenkamp werden obendrein die Gehwege entlasten und damit auf dieser Flaniermeile die Aufenthaltsqualität erhöhen: FußgängerInnen, Radfahrende, Anwohner und Einzelhandel profitieren also. Auch Autofahrer haben dann weniger Ärger mit den Zweite-Reihe-Parkern.

Ausgerechnet auf dem engen Abschnitt zwischen Poelchaukamp und Gertigstraße soll es jedoch keine Schutzstreifen geben. Da die Planung auf Abbiegespuren besteht, ist für Schutzstreifen kein Platz. Der ADFC bedauert das. Denn auf diesem Stück verläuft die erwähnte Veloroute, die nun bei Tempo 50 im Mischverkehr geführt werden wird.

Dennoch überwiegen für den Radverkehr die Vorteile dieser Planungen zur Busbeschleunigung und der ADFC wünscht, dass es dafür eine Mehrheit gibt.

Andrea Kupke, ADFC-Bezirksgruppe Hamburg Nord

Am Montag, den 17.03.14 kommt das Thema nochmals in den Regionalausschuss, der um 18 Uhr im Goldbekhaus öffentlich tagt und in dem abschließend über das weitere Vorgehen beraten wird.