30.11.2015

Radverkehr ganzheitlich

Von: Susanne Elfferding

Damit Hamburg bis 2030 wirklich zur Fahrradstadt werden kann, reicht es nicht, die seit Jahrzehnten vernachlässigte Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Serviceangebote rund ums Rad, ein positives Image des Radfahrens und konsequentes Handeln der öffentlichen Verwaltung gehören mit dazu.

Straßen aus Radfahrersicht: Verkehrssenator Horch radelt mit dem ADFC

 

Schon der Nationale Radverkehrsplan 2002-2012 stellt die Forderung auf, den Radverkehr als System zu betrachten: Dazu gehören nicht nur das Fahren und das Parken, sondern auch Reparatur- und Lieferdienste, finanzielle Anreize zum Umstieg aufs Rad, fahrradfreundliche Unternehmen und Geschäfte sowie eine Kampagne, die Lust auf das Radfahren macht. Gute Ansätze gibt es schon heute, aber von einem Rundum-sorglos-Paket, wie es für das Auto besteht, sind wir noch weit entfernt. 

Regelkreise schaffen

Die Hamburger Radverkehrsstrategie läuft jetzt aus. Eine Fortschreibung sollte nicht wie bisher nur die großen Leitlinien skizzieren. Sie muss auch kurzfristige Arbeitsschritte und konkrete, überprüfbare Nahziele nennen. Auch ein System zur regelmäßigen Erfolgskontrolle fehlt bisher. Denn nur so kann nachgesteuert werden, wenn Ziele aus dem Blick geraten oder sich Maßnahmen als wenig wirksam erweisen.

Planungen aufeinander abstimmen

Radverkehrsmaßnahmen finden sich in vielen Fachplanungen, sei es zum Lärmschutz oder zur Luftreinhaltung. Radverkehr kann aber auch in anderen Bereichen positive Impulse setzen: Gesundheitsvorsorge, eigenständige Mobilität (und damit Teilhabe) für Senioren und Kinder, Stauvermeidung durch Rad­schnellwege ins Umland oder die Förderung von Lastenrädern im Lieferverkehr sind nur einige Beispiele. Bisher fehlt eine Stelle, die diese Ideen bündelt und anderen Fachbereichen zur Verfügung stellt.

Kompetenzen ausbauen und bündeln

Radverkehr planen viele: Bezirke, Behörden, Landesbetriebe und die Polizei sind involviert. Die neu eingesetzte Fahrradkoordinatorin soll ihre Zusammenarbeit verbessern und Reibungsverluste in der Verwaltung beseitigen – aus unserer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig muss dafür gesorgt werden, dass mehr qualifizierte Mitarbeiter das Thema Radverkehr auf allen Ebenen voranbringen. Warum also nicht Kompetenzzentren zum Radverkehr in allen Bezirken einrichten? Natürlich müssen die Polizeikommissariate eingebunden werden, da sie für die Verkehrszeichen auf Hamburgs Straßen zuständig sind.

Die Radfahrersicht einfordern

Es ist Hamburgs Straßen anzumerken, dass sie mit dem Blick durch die Windschutzscheibe geplant wurden. Dabei sind die Belange der Radfahrer und Fußgänger in den letzten Jahrzehnten zu kurz gekommen. Schon heute kann das gezielt durch Verkehrssicherheitsaudits ausgeglichen werden. Sie sind im Bestand, in jedem Planungsschritt und nach Fertigstellung möglich. Auch Ideen und Hinweise durch Radfahrer vor Ort helfen, gute Lösungen zu finden.

Die Fahrradstadt

Werden wir Folgendes 2030 über Hamburgs Radverkehr berichten können?

»Die Verwaltung zeigt Mut und Entschlossenheit, sie stimmt alle Fachplanungen aufeinander ab und ist auf allen Ebenen mit geschultem Personal und ausreichend Mitteln ausgestattet. Über den ADFC sind die Radfahrer mit ihren Ortskenntnissen in die Planungen eingebunden. Die Prioritäten sind klar gesetzt, Angekündigtes wird ernsthaft umgesetzt. Eine überzeugende Mischung aus langfristigen Projekten und kurzfristigen Leuchtturmprojekten überzeugt die Hamburger, die schon seit Jahrzehnten auf einen gleichberechtigten Radverkehr gewartet haben.«

Susanne Elfferding in RadCity 6/2015