10.07.2012

Von Kampfparkern und dem alltäglichen Mühlenkamp(f)

Von: Johanna Drescher
Zuschauer der Diskussionsrunde

Am letzten Donnerstag, den 5. Juli 2012, hatte der ADFC zu einer Diskussion „Rad fahren am Mühlenkamp“ ins Goldbekhaus eingeladen. Trotz bestem Sommerwetter kamen circa 40 Gäste, um Ihre Beschwerden und Visionen einzubringen. Schnell wurde klar: Radfahren am Mühlenkamp macht im Berufsverkehr leider keinen Spaß. Auch Fußgänger, Autofahrer und Busfahrer haben viele Probleme. Beeindruckend: Egal mit welchem Verkehrsmittel das Publikum unterwegs ist – alle votierten für Einschränkungen für Autos, um die Situation vor Ort wieder lebenswert zu machen.

Zunächst berichteten Hochbahn und Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer über die geplante Busbeschleunigung. Weder die Metrobuslinien 6 noch 25 sind derzeit schon in der konkreten Planung. So können die an diesem Abend vorgebrachten Anregungen des Publikums noch in die Planung einfließen. Sehr aufschlussreich war die Information über die Fahrgastzahlen: Über 12.000 Fahrgäste sitzen jeden Tag am Mühlenkamp im Bus. Addiert man noch Radfahrer und Fußgänger hinzu (hierzu gibt es keine Zählungen), so sind hier wesentlich mehr Menschen im Umweltverbund unterwegs als in den 14.000 Autos pro Tag.

Im Alltag überwiegt der Ärger über die Zweite-Reihe-Parker und andere sogenannte „Kampfparker“. Denn die Falschparker halten alle anderen Verkehrsteilnehmer auf. Publikum, ADFC und Hochbahn lobten deswegen den Schutzstreifen am Hofweg. Seit er markiert wurde, wird dort weniger in zweiter Reihe geparkt. Warum es einen solchen am Mühlenkamp nicht gebe – diese Frage lag auf der Hand. Die Antwort des Bezirks: Damit er kommen kann, müssten bestimmte Voraussetzungen, wie Breite der Fahrbahn und Anteil der Schwerlastverkehrs, erfüllt sein. Die Straßenverkehrsbehörde legt bundesweite Empfehlungen streng aus, aber der Bezirk will sich dennoch dafür einsetzen .

Egal ob die alltäglichen Wege hauptsächlich mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Auto zurückgelegt werden – alle im Publikum waren sich einig: Am Mühlenkamp muss etwas passieren, damit er lebenswert bleibt. Kirsten Pfaue, Vorsitzende des ADFC Hamburg, fasste zusammen, was in vielen einzelnen Vorschlägen vorgetragen wurde: „Die Diskussion macht deutlich: der öffentliche Raum wird neu aufgeteilt. Die in Winterhude lebenden Menschen wünschen sich mehr Raum, um in ihrem Stadtviertel zu Fuß oder mit dem Rad ihren Alltag zu gestalten. Das Auto ist nur noch das alte Statussymbol der Vergangenheit. Heute zählt ein lebenswertes Wohnumfeld. Dazu gehört insbesondere, dass der öffentliche Raum schwerpunktmäßig den Fußgängern und Radfahrern zu geordnet wird, damit diese sicher, zügig und komfortabel ihre Ziele erreichen können.“

Vorgeschlagen wurde die Reduzierung von Parkplätzen, die Schaffung einer Fußgängerzone, Einbahnregelungen und ein Durchfahrtsverbot für Autos wie in der Mönkebergstraße, in der nur Busse, Taxen und Räder unterwegs sein dürfen. Wir sind beeindruckt von diesem eindeutigen Bild und fordern Behörde, Politik und Verwaltung zu mehr Mut für nachhaltige und moderne Verkehrslösungen auf. Hamburgs Bürger sind soweit!