26.07.2015

Wirtschaftsfaktor Fahrrad

Von: Susanne Elfferding

Man müsste mal ein Fahrzeug erfinden, das umweltfreundlich ist, nicht im Stau stecken bleibt und wenig Platz braucht. Gibt es schon?

Sogar in Hamburg gibt es sie schon: Immer mehr Kurierdienste und Pizzadienste nutzen Lastenräder mit und ohne elektrische Unterstützung. IKEA in Altona liefert Waren bis 60 kg mit dem Lastenrad aus und verleiht Lieferfahrräder und Fahrradanhänger auf Stundenbasis (RadCity 5/2014).

Seit Februar 2015 führt die Stadt Hamburg gemeinsam mit UPS ein Modellprojekt zur City-Logistik durch, bei dem Päckchen in vier zentral aufgestellten Containern zwischengelagert werden.

Das Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat unter anderem in Hamburg den Einsatz von Elektro-Lasten­rädern im Kurier- und Expressdienst getestet. Laut Projektleiter Gruber können so »bis zu 85 Prozent der Autokurierfahrten in urbanen Teilräumen ersetzt werden«. Die European Cycle Logistics Federation hält es sogar für möglich, dass 25 % aller Lieferungen auf der letzten Meile mit dem Rad erfolgen.

Cluster Fahrrad

Die Stadt Hamburg setzt in ihrer Wirtschafts- und Innovationsförderung auf Cluster, also auf die Vernetzung von Forschung, Unternehmen und Verbänden. Das gibt es bereits in Bereichen wie erneuerbare Energien, Logistik und Luftfahrt. Wieso nicht auch rund ums Rad? Mit Bergamont und Stevens gibt es bereits hochwertige Hersteller in der Stadt, die TUHH und die Hafen City Universität haben Forschungsschwerpunkte zu Verkehrsplanung und Stadtentwicklung.

Viele Unternehmen wissen gar nicht, wie viele Vorteile der Radverkehr ihnen bringen kann. Der ambulante Pflegedienst »Frauen pflegen Frauen« in Heidelberg profitiert schon seit 20 Jahren von seinem autofreien Konzept. Die Mitarbeiterinnen sind gesünder und weniger gestresst als ihre autofahrenden Kolleginnen. Die laufenden Kosten, die durch die Fahrzeugflotte entstehen, sind überschaubar.

Und wenn in einem Betrieb, der aufs Fahrrad setzt, doch einmal größere Transporte anstehen? Die notwendige Logistik lässt sich mit ein wenig Köpfchen meistern.

Reiseziel am Wasser

Schon heute sind die Radtouren, die auf Kreuzfahrtschiffen angeboten werden, kein Geheimtipp mehr. Eine autofreie Innenstadt und hochwertige Elbquerungen würden die Stadt für Städtereisen mit dem Rad noch attraktiver machen. Außerdem führt der Elberadweg mitten durch die Stadt – laut ADFC-Radreiseanalyse bereits seit 11 Jahren der beliebteste Radfernweg Deutschlands. Auch hier ist für Hamburgs Tourismus durch eine attraktivere Führung also noch Potenzial vorhanden.

Susanne Elfferding in RadCity 4/2015