03.02.2015

Wohin entwickeln sich unsere Städte?

Von: Susanne Elfferding

Glaubt man den von Zukunftsforschern für europäische Städte entworfenen Entwicklungsszenarien, wird das Leben individueller, Radverkehr und Öffis erleben eine Renaissance. Wie könnte also Hamburg 2030 aussehen?

Hamburg 2030: Das war das Thema unseres Vortrags vor der Fahrradwerkstatt im Sommer 2014. Die Fahrradwerkstatt ist ein vom Ersten Bürgermeister initiiertes städtisches Gremium, in dem sich die Behördenleitungen und Verwaltungsspitzen über die Weiterentwicklung des Radverkehrs austauschen. Die wichtigsten Prognosen, Trends und Forderungen lesen Sie in unserer neuen Serie.

Die Menschen

Das Durchschnittsalter steigt weiter, die Lebensstile werden immer individueller, die Nachfrage nach Mobilität steigt. Die Babyboomer werden trotz ihres fortgeschrittenen Alters weiterhin nicht auf das Auto verzichten. Junge Menschen mit hohem Bildungsniveau setzen auf das Motto »nutzen statt besitzen« und kombinieren flexibel das Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel und Carsharing. Daher verliert das Auto in den Städten weiter an Gewicht.

Die Stadt

Die Städte der Zukunft werden kompakter und dichter. Die Städte mit ihren gut ausgebauten Verkehrsnetzen und ihrem umfangreichen kulturellen Angebot ziehen nicht nur junge Menschen an, sondern auch Senioren. Denn auf dem Land werden die Wege länger und ohne Auto kaum noch zu bewältigen sein. Neue Leitbilder im Städtebau und sich verändernde Arbeitswelten führen gleichzeitig dazu, dass die Trennung von Wohnen und Arbeiten immer weiter aufgehoben wird. Das Fahrrad wird zum idealen Verkehrsmittel.

Das Wohnumfeld

Senioren suchen Ruhe und Sicherheit, junge Familien einen Ort, an dem ihre Kinder sicher aufwachsen können. Lärm und Luftverschmutzung sind für sie genauso wenig attraktiv wie große Autoschneisen oder komplexe Kreuzungen, die die Stadt zerschneiden und die Bewegungsräume einschränken. Das Fraunhofer Institut geht deshalb davon aus, dass sich Tempo 30 innerorts bis 2050 europaweit etabliert haben wird.

Was ist jetzt notwendig?

Damit im Jahr 2030 bezahlbare Mobilität für alle und eine hohe Lebensqualität in den Städten möglich sind, brauchen wir heute die richtigen Weichenstellungen. Dazu gehört vor allem die mutige Entscheidung, den Radverkehr und den ÖPNV auf Kosten des Pkw-Verkehrs auszubauen und neue Konzepte für die Stadtlogistik zu entwickeln.

Susanne Elfferding in RadCity 1/2015

Links zum Artikel Zukunft des Radverkehrs

Einige grundlegende Forschungen, die in unsere Überlegungen für das Jahr 2030 eingeflossen sind:
Mobil 2030. ZAK (Uni Bonn) 2012
www.zak.uni-bonn.de/forschung/projekte/mobil-2030
Szenario Mobil 2030. DVR 2013
www.dvr.de/download/ps_2013-06-06_rudinger.pdf
VIVER: Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland. Fraunhofer ISI 2011
www.isi.fraunhofer.de/isi-de/service/presseinfos/2011/pri11-04.php
Zukunft der Mobilität, Szenarien für das Jahr 2030, ifmo 2010
www.ifmo.de/tl_files/publications_content/2010/ifmo_2010_Zukunft_der_Mobilitaet_Szenarien_2030_de.pdf
Zukunft Mobilität und Verkehr. TU Dresden 2011
tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/vkw/ivs/vip/Zukunft_des_Verkehrs/Zukunft_des_Verkehrs