Verkehr
12.02.2017

Folgen von Lärm und Abgasen in Hamburg

Von: Ak Verkehr

Die Folgen hoher Lärm- und Abgasbelastung sind für uns alle sehr teuer. Insgesamt entstehen für die Volkswirtschaft enorme Folgekosten. Die ökonomischen Lärmwirkungen werden dabei vor allem von den Gesundheitskosten, von Produktionsausfällen, bedingt durch eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz, von den Kosten für Lärmschutz und Raumplanung sowie von den Auswirkungen auf Miet- und Immobilienpreise bestimmt. Deutschlandweit werden allein die wirtschaftlichen Kosten des Straßenverkehrslärms auf über 12 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Davon 8,8 Milliarden Euro durch Immobilienwertverluste und 3,5 Milliarden Euro durch Herzkreislauferkrankungen (s. Bundestagsdrucksache 17/5461). Hinzu kommen nach Angaben der EU-Kommisson (PDF) direkte wirtschaftliche Kosten der Luftverschmutzung von bis zu 5 Milliarden Euro pro Jahr.

Gesundheitsbezogene Lärmschadenskosten

Eine dauerhaft hohe Lärmbelastung kann zu Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen und schließlich in einigen Fällen zu Herzinfarkt und Tod führen. Weiter sind psychische Beeinträchtigungen wie Stressreaktionen, Schlafstörungen und Kommunikationsstörungen möglich. Kosten entstehen durch die medizinische Behandlung dieser Krankheiten, Unfälle aufgrund lärmbedingter Konzentrationsstörungen und Produktionsausfälle, da die betroffenen Personen zeitweise oder dauerhaft nicht als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) hat Hinweise zur Durchführung der Lärmaktionsplanung erarbeitet, die es ermöglichen lärmbedingte Gesundheitsschäden zu quantifizieren[1]. Demnach fallen aufgrund des Verkehrslärms an Straßen jährlich z.B. gesundheitsbezogene Lärmschadenskosten pro Anwohner von bis zu 363 Euro an. Für Hamburg summieren sie sich auf rund 45 Millionen Euro an gesundheitsheitsbezogenen Lärmschadenskosten.

Lärmbedingte Immobilienwertverluste

Neben den Kosten für Gesundheitsschäden sind insbesondere Immobilienkosten aufgrund verminderter Einnahmen durch Mietzahlungen und Immobilienverkäufe zu nennen. Wohnungen und Häuser an Straßen mit hohen Lärmimmissionen erzielen deutlich geringere Mieten als gleichwertige Wohnungen und Häuser in ruhigen Gegenden[2]. Bei einem Haus, das eigentlich 600.000 Euro wert ist, entsteht dem Verkäufer so beispielsweise ein Schaden in Höhe von 135.000 Euro. Diesen Schaden trägt der Eigentümer, der die Immobilie verkauft! Der Schaden, der diesbezüglich in Hamburg entsteht, lässt sich grob anhand der Bevölkerungszahl bestimmen. Da die Immobilienwertverluste deutschlandweit auf 8,8 Milliarden Euro geschätzt werden, dürfte der diesbezügliche Schaden in Hamburg bei etwa 2 % dessen liegen und sich somit auf etwa 176 Millionen Euro belaufen.

Lärmbedingter Steuerschaden

Dem Bundesumweltamt zufolge kann von einem Verlust von mietbezogenen Steuern von zwei Euro je Dezibel über 50 dB(A) pro Einwohner und Jahr ausgegangen werden[3]. Würde man diejenigen 355.000 Hamburgerinnen und Hamburger, die von Verkehrslärm von über 55 dB(A) betroffen sind, z. B. um 5 dB(A) entlasten, würde die Stadt jährlich 3,5 Millionen Euro mehr an Steuern einnehmen. Hinzu kämen noch andere Mehreinnahmen für die Stadt, wie z. B. aus der Grunderwerbssteuer.

Zahlungsbereitschaft zur Verringerung von Verkehrslärm

Zur Abschätzung wirtschaftlicher Auswirkungen von Umgebungslärm können darüber hinaus die Empfehlungen des ”Good Practice Guide“ der EU-Kommission genutzt werden. Hierbei wird berechnet, welche Kosten Menschen zur Minderung der Lärmbelastung selber tragen würden („willingness to pay”)[4]. Für Hamburg lassen sich die entsprechenden Prognosewerte ableiten[5]. Damit belaufen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Verkehrslärms in Hamburg pro Jahr auf im Mittel etwa 38 Millionen. D. h. selbst wenn die Stadt Hamburg jährlich bis zu ca. 38 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen ausgibt, ist mit einem positiven volkswirtschaftlichen Nutzwert zu rechnen.

Direkte Schäden für Arbeitgeber durch Luftverschmutzung

Neben Lärm verursacht vor allem die Luftverschmutzung hohe Folgekosten. Nach Angaben der EU-Kommission gehen deutschlandweit rund 27 Millionen Arbeitstage pro Jahr aufgrund von Krankheiten im Zusammenhang mit Luftverschmutzung verloren. Der Schaden, der der Wirtschaft auf diese Weise durch die Luftverschmutzung entsteht, wird bundesweit auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt. In Hamburg dürften Arbeitgebern 2% dessen und somit jährlich rund 540.000 Arbeitstage verloren gehen. Der Schaden, den die lokale Luftverschmutzung Hamburger Arbeitgebern direkt dadurch zufügt, sollte daher bei etwa 77 Millionen Euro pro Jahr liegen.

Schäden für das Gesundheitssystem durch Luftverschmutzung

Wie Lärm, verursacht auch die Luftverschmutzung hohe Folgekosten für das Gesundheitssystem. So führt z.B. eine hohe Stickoxidbelastung zu Atemwegserkrankungen. Zudem steigt das Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu erkranken. Eine hohe Belastung mit Feinstaub wiederum kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs, Diabetes und Demenz zur Folge haben. All diese Krankheiten müssen medizinisch behandelt werden. Die hierdurch entstehenden Kosten für das Gesundheitssystem schätzt die EU-Kommission auf deutschlandweit 240 bis 466 Millionen Euro pro Jahr. Allein in Hamburg entsteht somit ein jährlicher Schaden für das Gesundheitssystem von etwa 4 bis 10 Millionen Euro.

Vorzeitige Todesfälle

Die EU-Kommission schätzt, dass deutschlandweit ca. 73.000 vorzeitige Todesfälle auf Feinstaub und 2500 Todesfälle pro Jahr auf Ozon zurückzuführen sind. Nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur können in Deutschland darüber hinaus jährlich etwa 10.000 vorzeitige Todesfälle auf die hohe Stickoxidbelastung zurückgeführt werden. Zudem führe die Belastung durch Umgebungslärm europaweit jährlich zu mindestens 10.000 vorzeitigen Todesfällen durch Herzerkrankungen. Für Hamburg kann man anhand der Bevölkerungszahl in etwa abschätzen, wie diese Zahlen für die Stadt aussehen. Demnach gibt es in Hamburg pro Jahr etwa 24 Todesfälle durch Verkehrslärm, 55 Todesfälle durch Ozon, 230 Todesfälle durch Stickoxid und 1600 Todesfälle durch Feinstaub. Insgesamt also mehr als 1900 Todesfälle pro Jahr durch Lärm und Abgase. Somit können etwa fünf Prozent aller Todesfälle in Hamburg auf die Lärm- und Abgasbelastung zurückgeführt werden. Zum Vergleich: 2015 kamen hamburgweit 20 Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Wie laut sind wieviel Dezibel?

  • 40 dB(A) : ruhige Wohnstraße
  • 50 dB(A) : normale Gesprächslautstärke
  • 60 dB(A) : Bürolärm
  • 70 dB(A) : Pkw in 10m Abstand, Rufen
  • 80 dB(A) :  Straßenverkehrslärm bei starkem Verkehr, Rasenmäher
  • 100 dB(A) : Autohupe in 7m Abstand, vorbeifahrender Lkw

Fußnoten

[1] Der AG zufolge verursacht Umgebungslärm oberhalb von Lärmpegeln von 40 dB(A) in der Nacht oder 50 dB(A) am Tag quantifizierbare und jährlich anfallende Lärmschadenskosten. Laut dem Lärmaktionsplan Hamburg 2013 sind jährlich etwa 355.000 Personen durch Straßenverkehrslärm betroffen, der über 55 dB(A) liegt. Da im Hamburger Lärmaktionsplan mit dem AG-Hinweisen korrespondierende Lärmbelastungsklassen genannt sind, kann man die hierdurch entstehenden Gesundheitskosten für Hamburg näherungsweise berechnen. 

[2 Der AG zufolge verursacht Umgebungslärm oberhalb von Lärmpegeln von 40 dB(A) in der Nacht oder 50 dB(A) am Tag quantifizierbare und jährlich anfallende Lärmschadenskosten. Laut dem Lärmaktionsplan Hamburg 2013 sind jährlich etwa 355.000 Personen durch Straßenverkehrslärm betroffen, der über 55 dB(A) liegt. Da im Hamburger Lärmaktionsplan mit dem AG-Hinweisen korrespondierende Lärm-Belastungsklassen genannt sind, kann man die hierdurch entstehenden Gesundheitskosten für Hamburg näherungsweise berechnen. 

[3] Der Einheitswert von Wohngebäuden in lärmbelasteten Gebieten kann nach Untersuchungen der Stiftung Warentest um bis zu 5 % abgesenkt werden, wenn die Grenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV - 59 dB(A) tags. 49 dB(A) nachts) überschritten sind. Legt man die Daten des aktuellen Lärmaktionsplanes zur Anzahl der Lärmbetroffenen in Hamburg zugrunde, heißt dies, dass durch den Verkehrslärm in Hamburg jährlich zwischen 7,5 und 11,5 Millionen Euro an mietbezogenen Steuern nicht erhoben werden können und dem Staat resp. der Stadt ein entsprechender Schaden entsteht.

[4] Bei Kosten-Nutzen-Analysen wird ein Wert von 25 Euro je dB(A) über 50-55 dB(A) pro Haushalt und Jahr empfohlen. Dieser Wert stellt damit die Zahlungsbereitschaft zur Verringerung von Lärmbelästigung dar. Der 'Good practice guide' verweist dabei auf die bekannten Dosis-Wirkungs-Relationen für Belästigungen und (subjektive) Schlafstörungen, die in der EU als Standardkurven zur Vorhersage der Bevölkerungsreaktionen verwendet werden (Quelle: European Commission Working Group on Dose-Effect Relations 2002; European Commission Working Group on Health and Socio-Economic Aspects 2004).

[5] Nach Angaben des Statistikamts Nord besteht ein durchschnittlicher Haushalt in Hamburg aus 1,8 Personen.  Damit leben diejenigen rund 355.000 Hamburgerinnen und Hamburger, die von sehr hohem Straßenverkehrslärm betroffen sind, in ca. 197.000 Haushalten.