09.02.2016

Mit Tempo 30 Hamburg lebenswerter machen

Von: Miriam Schattner, Georg Sommer

Mit der Kampagne »Läuft!« setzt sich der Hamburger ADFC dafür ein, Hamburg lebenswerter zu machen. Schöner zu wohnen, ruhige, saubere Umwelt zu genießen, sicher unterwegs zu sein und doch immer zügig voranzukommen soll kein Wunsch bleiben. Tempo 30 bietet eine naheliegende Lösung.

Schon jetzt setzen sich viele Hamburger aktiv für ein lebenswerteres Hamburg ein. Sei es in Stadtteilinitiativen, die sich für die Lebensqualität in ihren Quartieren engagieren oder bei der Unterstützung von Umweltorganisationen, die Lärm und Luftverschmutzung bekämpfen. Für zügigen und sicheren Verkehr kämpfen darüber hinaus große und kleine Verbände wie ADAC, VCD oder Fuss e.V. Zusammen repräsentieren sie rund eine Millionen Bürger - eine Mehrheit in der Stadt. Mit der neuen Kampagne »Läuft!« setzt sich der Hamburger ADFC dafür ein, das Leben in Hamburg ein lebenswerter zu machen. Tempo 30 ist eine naheliegende Lösung, um sicher unterwegs zu sein, dabei zügig voranzukommen und gleichzeitig eine ruhige, saubere Umwelt zu fördern.

Ziel: Verkehrsfluss verbessern

Jens Deye leitet die Arbeitsgruppe des ADFC, die die Kampagne plant: »Wir wollen alle Verkehrsteilnehmer besser voranbringen und dabei die Lebensbedingungen in der Stadt insgesamt verbessern.« Das klingt ehrgeizig - aber was genau soll geschehen? »Der Verkehr soll flüssiger laufen - weniger Stau und Gedränge. Durch gleichmäßigeren Verkehrsfluss wird der Straßenraum besser genutzt.« Es Läuft! also. Nur warum macht der ADFC etwas, das für Auto- und Wirtschaftsverkehr gut ist? »Das bringt auch die Radfahrenden zügiger voran. Denn so werden die Fahrbahnen für alle freier und sicherer, ohne dass teure Sonderlösungen für Radfahrer gebaut werden müssten.« Geschwindigkeiten anpassen Wie soll diese Verbesserung erreicht werden? »Je weniger Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Verkehrsteilnehmern«, fasst Deye Ergebnisse der Stauforschung zusammen, »desto flüssiger läuft der Verkehr.« Gerade Autofahrer dürften ihm aus Erfahrung zustimmen. Wenn Einzelne versuchen so schnell wie möglich voranzukommen, geht dies zu Lasten der Allgemeinheit. Experten sind sich schon lange darüber einig, dass eine ausgewogene Obergrenze für die Geschwindigkeit in der Stadt notwendig ist. Auch verschiedene Bundesbehörden drängen die Entscheider, die Höchstgeschwindigkeit innerorts auf dreißig Stundenkilometer zu korrigieren: um Städte zu entlasten, Klima, Luft und Lärmschutz zu verbessern, für mehr Verkehrssicherheit und flüssigeren Verkehr.

Vor Ort erfahrbar - anschaulich für alle

»Unsere Kampagne verfolgt zwei Ziele«, erklärt Deye: »In reinen Wohngebieten gibt es jetzt schon Zonen mit angepassten Geschwindigkeiten. Wir wollen, dass sie verbunden werden, indem auch größere Straßen einbezogen werden.« Dadurch soll der Effekt flächendeckend erlebbar werden und noch mehr Menschen überzeugen. Schließlich, so das zweite Ziel der Kampagne, soll genau das auch in der Öffentlichkeit stärker ins Bewusstsein treten. Jens Deye will die Kritiker und Skeptiker überzeugen: »Viele fürchten, dass eine Anpassung der Geschwindigkeit innerorts den Verkehr ausbremst. Aber«, ist sich Deye sicher, »das wird nicht der Fall sein. Denn durch gleichmäßigeren Fluss, weniger Stop-and-Go, mehr Fuß- und Radverkehr werden die Straßen freier, der Verkehr flüssiger.« Es läuft! eben!

Erste Projekte in den Bezirken

»Wir möchten mit Kooperationspartnern vor Ort in den Bezirken Eimsbüttel, Harburg und Mitte starten«, berichtet Deye. Der ADFC unterstützt diese u. a. mit Informationsmaterial, breiten Fachkenntnissen aus der Verkehrspolitik und Erfahrungsaustausch über Projekte und Initiativen hinweg. Die Kampagne wird sich auf der Hamburger Radreisemesse im März präsentieren, Podiumsdikussionen und Veranstaltungen sind in Planung. Wer schöner wohnen mag, ruhige, saubere Umwelt genießen will, sicher unterwegs sein und doch immer zügig voran kommen möchte, ist eingeladen, sich zu informieren oder aktiv mit einzubringen.

Miriam Schattner, Georg Sommer in RadCity 1/2016