22.09.2011

Internationaler Workshop der Umweltverbände

Von: ADFC Hamburg
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Workshops. Foto: Susanne Elfferding

Aus acht Staaten Europas waren Natur- und Umweltschutz-Engagierte am zweiten Septemberwochenende in die europäische Umwelthauptstadt 2011 Hamburg gekommen, um Erfahrungen über nachhaltige Mobilität, Natur- und Umweltschutz in Städten auszutauschen. Die Umwelthauptstadt Hamburg Umweltverbände Initiative, zu der u.a. der NABU Hamburg und der ADFC Hamburg gehören, hatte die Vertreter aus Natur- und Umweltschutzverbänden von St. Petersburg bis Portugal nach Hamburg eingeladen. Karl Falkenberg, der europäische Generaldirektor Umwelt, und Staatsrat Lange aus der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt begrüßten die Teilnehmenden der internationalen Konferenz.

Staatsrat Lange würdigte das Engagement der Umweltverbände und Generaldirektor Falkenberg gab einen Ausblick auf die bisher gemachten Erfahrungen mit dem Green Capital-Konzept. Der Gesamtwettbewerb soll künftig an zwölf Kriterien ausgerichtet werden und es soll in allen Kriterien jeweils eine „beste Stadt“ bestimmt werden, damit das Auswahlverfahren etwas transparenter wird. Er betonte außerdem, dass es der EU-Kommission wichtig sei, dass die im Rahmen der Bewerbung abgegebenen Versprechen auch gehalten werden.

Ausgangspunkt der Konferenz war die Tatsache, dass in Europa inzwischen 80% der Menschen in einem städtisch geprägten Umfeld leben und dass sich der Natur- und Umweltschutz in Städten deutlich von den notwendigen Maßnahmen im ländlichen Raum unterscheidet. Dieser Umstand hatte dazu geführt, dass die Europäische Kommission den Wettbewerb um die Europäische Umwelthauptstadt (European Green Capital) ausgeschrieben hat. Stockholm und Hamburg haben diesen Titel für die Jahre 2010 und 2011 gewonnen. Im Jahr 2012 geht die Auszeichnung in die baskische Stadt Vitoria Gasteiz in Spanien, 2013 darf sich die Stadt Nantes in Frankreich mit dem Titel schmücken. Aus allen vier Umwelthauptstädten waren Delegierte der dortigen Verbände nach Hamburg gekommen, um Erfahrungen auszutauschen und ganz konkret voneinander zu lernen.

Best Practice, also die beste Verwirklichung von Maßnahmen für nachhaltige Mobilität, Natur- und Umweltschutz in Städten war eines der Schlüsselworte in den Diskussionen des Wochenendes.

  • In Stockholm gibt es z.B. die sogenannte „Gedrängelsteuer“, bei uns als „City Maut“ bekannt, die den Autoverkehr um mehr als 20 % verringert und damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz geleistet hat.
  • In Brüssel, wo die Abwasserreinigung nicht einmal die Vorgaben des europäischen Rechts erfüllt, war der erste autofreie Tag so erfolgreich, dass es inzwischen jedes Jahr zwei großflächige autofreie Tage gibt, die von der Bevölkerung sehr gut angenommen werden.
  • Hamburgs StadtRad-System hat sich zum erfolgreichsten Fahrradverleihsystem Deutschlands entwickelt. Auch die Wasserver- und Abwasserentsorgung kann sich im europäischen Vergleich sehen lassen.
  • Die Kampagne „Hauptstadt der Biodiversität“ der Deutschen Umwelthilfe hat eine ganze Reihe von hervorragenden Maßnahmen zusammengetragen, die dem Natur- und Artenschutz in Städten dienen.

Ein auffälliges Merkmal der Diskussion war, dass wir Verbände oft die guten Beiträge der eigenen Stadt zu nachhaltiger Mobilität, Natur- und Umweltschutz eher gering schätzen. Das mag an unserer Rolle als Mahner für Verbesserungen liegen, führt aber gelegentlich auch dazu, dass wir eigene Erfolge unterschätzen. Demgegenüber hatten die Teilnehmer großes Interesse an Best-Practice-Maßnahmen in anderen Städten, die sie gerne auch in ihren eigenen Städten sehen würde und deren Verwirklichung der Beweis dafür ist, dass wirkliche Verbesserun¬gen möglich sind.

Das Verhältnis der Stadtverwaltungen zu den lokalen Verbänden war daher ein besonders interessantes Thema. Während die Stadtverwaltungen vor allem ihre Erfolge präsentieren wollen, zeigen die Verbände vor allem auf die Defizite. Die daraus entstehende Spannung wird in jeder Stadt anders gehandhabt.

In Stockholm hatte sich die Stadtverwaltung kaum für eine Zusammenarbeit mit der dortigen Naturschutzorganisation interessiert, obwohl diese ca. 38.000 Mitglieder hat. In Hamburg hat die Umwetverbände-Initiative einen Weg zwischen den Extremen „Abwendung und Boykott“ einerseits oder „Vereinnahmung für den Status quo“ andererseits gesucht. Auf das Konzept in Vitoria Gasteiz, der nächsten europäischen Umwelthauptstadt, sind deshalb alle gespannt.

Aufgrund der positiven Anfangserfahrung soll versucht werden, die internationale Zusammenarbeit unter den städtischen Mobilitäts- und Umweltverbänden auszubauen. Dazu gehört der genauere Informationsaustausch über gute Beispiele und die Beiträge, die die Verbände dazu geleistet haben. Das soll sowohl über den Aufbau eines Informationsangebotes erfolgen als auch über jährliche Treffen, die für die nächsten beiden Jahre in den jeweiligen Umwelthauptstädten angestrebt werden.

Autor: Umwelthauptstadt Hamburg Umweltverbände-Initiative