24.11.2007

VECTOR in Hamburg – Nase voll

Von: Frank Bokelmann

In der Radwelt (Ausgabe 5/07) wurde schon über die Feinstaubmessungen vom Fahrrad aus berichtet. Das Neue: Es wird die tatsächliche Belastung des Radlers im Verkehr gemessen und bestimmten Situationen oder Quellen zugeordnet, indem der zeitliche Verlauf der Belastung mit einem zugleich aufgenommenen Film zusammengefügt wird. VECTOR ist ein europäisches Projekt. Messungen sind in Utrecht/Niederlande, Hamburg, Budapest/Ungarn und Vilnius/Litauen geplant.

Im Oktober 2007 begannen die Messungen in Hamburg. Dabei wurde das Projekt in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Die Strecken wurden vom ADFC Hamburg ausgesucht. Verglichen werden hier die Belastungen in Hauptverkehrsstraßen mit denen in Velorouten oder Parkwegen. So wird z.B. die Strecke St.Pauli-Eidelstedt einerseits auf der Route Stresemannstraße – Kieler Straße, andererseits auf der geplanten Veloroute 2 durch Eimsbüttel bewältigt. Da die Veloroute aufgrund von Anwohnerprotesten abschnittsweise noch immer Kopfsteinplaster enthält, hat die Technik einiges auszuhalten. Nur gut, dass auf dem Messfahrrad alles gut gepolstert transportiert wird.

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Fahrt durch eine Veloroute weniger mit Feinstaub belastet als die Fahrt längs einer Hauptverkehrsstraße. Während die Feinstaubwolken in der Hauptverkehrsstraße ungehindert die Radwege erreichen, ist in den Nebenstraßen 200 Meter weiter die Situation selbst dann wesentlich entspannter, wenn der Wind von der Hauptverkehrsstraße weht. Die Verdünnung wirkt sehr effektiv. Welche Empfehlungen an die Radfahrer und welche Forderungen an die Politik sich aus den Ergebnissen ableiten lassen, wird aber erst bei Abschluss des Projektes im kommenden Jahr feststehen. Ideen gibt es viele: mehr ausgebaute Velorouten, mehr Wasserstoffbusse, weniger Lkw und überhaupt Dieselfahrzeuge in den Städten.

Im Städtevergleich Utrecht/Hamburg könnte die Belastung Hamburger Radfahrer aber auch durch ungünstige Ampelschaltungen stark erhöht sein. Da die Radfahrer oft an Kreuzungen ausgebremst werden, bekommen sie die volle Ladung anfahrender Kfz ab, während sie in Utrecht offenbar öfter die Kreuzung vor den Kfz befahren. Die vom ADFC auch schon aus anderen Gründen kritisierten Bettelampeln könnten sich schon aus diesem Grund als ökologischer Rohrkrepierer erweisen. Das alles wird nun gemessen. Wir sind gespannt.

Frank Bokelmann in RadCity 6/2007
Fotos: Frank Bokelmann, Mario Dobernowsky

www.vectorproject.eu
www.adfc.de
[Update] Film von 2009: Projekt VECTOR - Visualisierung der Feinstaubbelastung für Radfahrer

Jeweils eine verkehrsreiche Strecke und die dazu passende autoärmere Alternative ...
... erfährt der Proband mit dem Testrad.
Streckenaufnahme der Videokamera und gemessenen Feinstaubpegel ...
... stellt die Software in einem gemeinsamen Bild dar – Verkehrssituation und Feinstaubbelastung lassen sich so direkt vergleichen.