20.11.2011

Verkehrskonzept für das Blankeneser Elbufer

Von: Dirk Lau
Ungleiches Duell: Kröte vor Autoreifen.

An schönen Sonnenwochenenden herrscht im Gebiet rund um das Falkensteiner Ufer in Blankenese Ausnahmezustand. Erholungssuchende Menschen aus der Innenstadt und dem Umland strömen an den schönen Elbstrand und sorgen dort für Verkehrschaos – weil sie in der großen Mehrheit motorisiert statt mit Rad oder Bahn nach Blankenese fahren. Und natürlich am liebsten bis direkt ans Wasser – trotz einem an Wochenenden hier geltenden Fahrverbot für Autos. Dass hier auch der von Hamburg-Tourismus groß angepriesene Elberadweg entlang führt, ein Radfernwanderweg von Wittenberge bis Cuxhaven, interessiert auch kaum noch jemanden.

Zu Tausenden wandern die Amphibien im Frühjahr über den Asphalt am Falkensteiner Ufer Richtung Elbe.

Mensch oder Kröte? Statt dessen verstopfen Menschen in hässlichen Blechkleidern die Blankeneser Strandwege und bringen Anwohner sowie nicht motorisierte Erholungssuchende auf die Palme. Doch auch tausende Amphibien sind hier regelmäßig unterwegs – und tödlich genervt: Jedes Jahr im März und April sowie während einiger Wochen im Sommer begeben sich nämlich Erdkröten und Molche auf Wanderschaft, um an der Elbe zu laichen – wozu sie die Straße am Falkensteiner Ufer überqueren müssen. Das gelingt nicht allen: Zu Hunderten werden die unter Naturschutz stehenden Amphibien auf ihrer Wanderung platt gefahren.

Bei schönem Wetter haben die kleinen Erdkröten aber keine Chance gegen die motorisierten Menschenmassen.

Da bisherige Einschränkungen für den Kfz-Verkehr folgenlos blieben, vielmehr Verkehrsschilder zur Krötenwanderzeit missachtet und Barrieren zur Sperrung der Straße einfach beiseite geräumt wurden, nahm sich die Altonaer Bezirksversammlung der Sache an – auf Drängen von Naturschützern wie dem Falkensteiner Uferanwohner Benjamin Harders.

Poller oder Fahrradstraße? Im Juni 2011 legte das Altonaer Bezirksamt ein Verkehrs- und Krötenschutzkonzept vor. Danach soll der Falkensteiner Uferweg zur Fahrradstraße umgewidmet, die Fahrbahn teilweise verengt sowie die Sperrung (zwischen Wasserwerksgebäude und Kiosk) für die Krötenwanderung auf das ganze Jahr mit Ausnahme der Wintermonate ausgedehnt werden. Ins Spiel gebracht wurden auch versenkbare Poller, die das Autofahren und illegale Parken am Ufer verhindern könnten. Die Installation solcher Absperrelemente sei aber laut Polizei erst nach der Umwidmung des Uferwegs in eine Fahrradstraße durch die Bezirksversammlung möglich.

Solche Lösungsansätze stießen jedoch bislang auf wenig Gegenliebe. Anwohner fürchten, nicht mehr mit ihren Autos zu ihren Häusern zu kommen. Mütter müssen ihre Kinder mehrmals am Tag im SUV herumkutschieren. Naturschützer hingegen bezweifeln, dass Schilder für eine Fahrradstraße mehr Beachtung fänden als das auch bisher schon bestehende Fahrverbot für Kfz. Zumindest solange sich die Polizei weigert, die Verstöße der Autofahrer – mit Ausnahme vereinzelter Abschleppaktionen – zu ahnden. Aktive Verkehrssicherheitsarbeit sieht anders aus.

Kurzum: Eine Lösung des Verkehrs- und Krötenschutzproblems ist nicht in Sicht. Das Bezirksamt scheint sogar, sagt Harders, »einen Schritt zurück zu machen und nun die Umwidmung in eine Fahrradstraße entgegen seines ursprünglichen Vorschlags vermeiden zu wollen«. Anfang 2012 will die Bezirksversammlung erneut darüber verhandeln. Vielleicht sollte man die Kröten einfach auffordern, schneller zu kriechen …

Dirk Lau in RadCity 6/2011
Fotos: Benjamin Harders