26.09.2014

Alsterachsen: Die Details entscheiden

Von: Susanne Elfferding

Im Juli hat die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation gemeinsam mit den Bezirksamtsleitern aus Hamburg-Mitte, Hamburg-Nord und Eimsbüttel den Ausbau von Fahrradstraßen an der Außenalster angekündigt. Sogar ein Umbau des Straßenzugs An der Alster – Schwanenwik wurde mittelfristig in Aussicht gestellt.

Visualisierung der Fahrradstraße an der Alster (Abb. ARGUS)

Der Ort ist gut gewählt: Schon heute sind am Alsterufer mehr Fahrräder als Autos unterwegs, die meisten von ihnen sind Pendler. Das Westufer ist Teil der Veloroute 4 von der Innenstadt nach Langenhorn, das Ostufer ist Teil der Veloroute 5 nach Duvenstedt und der Veloroute 6 nach Volksdorf. Die am stärksten genutzten Abschnitte liegen mit 11.000 Radlern am Tag – dem Hamburger Spitzenwert – in der Straße An der Alster, die gleichzeitig mit 70.000 Autos am Tag eine der am stärksten befahrenen Straßen in der Stadt ist, und im Harvestehuder Weg mit 4.800 Radfahrern am Tag.

Radverkehr an der Alster heute

Auf der Pressekonferenz am 14. Juli waren sich alle einig: Hamburgs Radverkehr muss attraktiver werden, die Nutzung des Autos darf nicht mehr im Vordergrund stehen. Auf einer Radtour um die Außenalster gaben sich Andreas Rieckhof, Staatsrat in der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), Andy Grote, der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, und Dr. Torsten Sevecke, der Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel, für den Radverkehr kämpferisch.

Nach Zählungen werktags von 6–19 Uhr
Radtour um die Außenalster: Dr. Torsten Sevecke (Eimsbüttel), Andy Grote (HH-Mitte) und Andreas Rieckhof (BWVI)

Probleme und Potenziale wurden vor Ort diskutiert: Die Tatsache, dass eine Ausschilderung als Fahrradstraße nicht reicht, sondern dass die Straßen attraktiv umgestaltet und Parkplätze reduziert werden müssen, dass Kontrollen gegen das Falschparken notwendig sind und dass die Fahrradstraßen in Richtung Norden fortgesetzt werden müssen. Alle waren sich auch einig, dass die Situation für Radfahrer am südöstlichen Abschnitt entschärft werden muss. Das braucht allerdings Zeit, denn der öffentliche Raum muss hier neu verteilt werden: Der immer stärker werdende Radverkehr und der Fußverkehr drängeln sich auf schmalen Wegen im Seitenraum, während für den Autoverkehr eine vierspurige Straße und eine Nebenfahrbahn zur Verfügung stehen. Ist diese Flächenverteilung überhaupt noch zeitgemäß?

Was soll kommen?

Die Alsterachsen sollen zu einer schnellen und für Pendler attraktiven Radverbindung in die Stadt werden. Die Wege für den Radverkehr sollen möglichst vom Fußverkehr getrennt verlaufen, der Radverkehr soll an Nebenstraßen konsequent bevorrechtigt werden.

Mit der Planung sind die drei Bezirke Nord, Mitte und Eimsbüttel, die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation sowie der Landesbetrieb Straßen Brücken und Gewässer (LSBG) befasst.

Der Umbau der Straße An der Alster soll durch die BWVI und den Bezirk Hamburg-Mitte gemeinsam geplant und umgesetzt werden.

Zu viel versprochen?

Eine zügige Umsetzung ist möglich. Denn sowohl der Senat, als auch der Erste Bürgermeister stehen hinter dem Projekt und die Haushaltsmittel sind bereits vorhanden. Auf der Pressekonferenz, die zum Beginn der Bürgerbeteiligung im September abgehalten wurde, haben sich auch die drei Bezirksamtsleiter noch einmal deutlich zum Radverkehr bekannt.

Die ersten Schritte werden zügig in Angriff genommen: Im September hat eine Informationskampagne Anwohner, Vereine und Besucher über die geplanten Maßnahmen informiert und ihnen die Möglichkeit gegeben, Anregungen zu äußern.

Der erste Abschnitt am Harvestehuder Weg soll als Pilotabschnitt, wenn möglich, noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. 2015 beginnt dann die Planung für die restlichen Strecken im Westen sowie für Bellevue und Schöne Aussicht im Osten. Der Umbau soll dann 2016 erfolgen.

Noch ein wenig länger müssen wir auf die Umbaumaßnahmen der Brücken über die Alster und ihrer Zuflüsse sowie des Straßenzugs An der Alster/Schwanenwik warten. Hier müssen erst noch tragfähige Konzepte erarbeitet werden.

Und wie ist das zu bewerten?

Dass die Initiative für den Radverkehr diesmal »von ganz oben« ausgeht, ist natürlich erst einmal zu begrüßen. Immerhin handelt es sich bei den Alsterachsen um ein Leuchtturmprojekt der Fahrradwerkstatt, einem behördeninternen Gremium zum Radverkehr, das 2013 gegründet wurde.

Interessant wird für uns die konkrete Ausgestaltung der Strecken, besonders auch die Frage, ob die Stadt wirklich die dicken »Knackpunkte« wie den Straßenzug An der Alster/Schwanenwik anpackt. Aus unserer Sicht ist konsequentes Handeln jedoch der einzige Weg, das Vertrauen der Radfahrer, das durch das jahrelange Vor-sich-Hindümpeln des Velorouten-Ausbaus angeschlagen ist, wieder zu gewinnen.

Wichtig ist auch die komfortable Anbindung der Alsterachsen in die Innenstadt. Und diese ist nur möglich, wenn die extrem komplexen und vom Autoverkehr stark befahrenen Kreuzungen westlich und östlich der Lombardsbrücke endlich für den Radverkehr entschärft werden.

Susanne Elfferding in RadCity 5/2014

Die Detailplanung der Alsterachsen stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest. Der ADFC wird sich für gute Lösungen einsetzen.

Verkehrsregeln für die Fahrradstraße

Pressemitteilung der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation mit der dazugehörigen Präsentation mit Hintergrundinformationen und Visualisierungen