19.09.2012

Fahrrad frei – auf der Veloroute 6

Von: Merja Spott

Fahrrad fahren am Eilbekkanal macht Spaß wie sonst selten in Hamburg. Seitdem die Strecke fertig ist, berichten RadfahrerInnen übereinstimmend, dass die Zahl der RadlerInnen deutlich zugenommen hat.

Entspanntes Radfahren: Fahrradstraße

Fahrradstraße

Sicher die wichtigste Maßnahme: Die Uferstraße und die Lortzingstraße sind zur Fahrradstraße geworden. Das heißt, auf dieser Seite des Kanals haben die Radfahrer Vorrang und dürfen nebeneinander fahren. Die Autos müssen sich den Fahrrädern unterordnen. Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn signalisieren zusätzlich die Bedeutung des Fahrrades dort. Entscheidend für die Komfortsteigerung in diesem Teil der Veloroute war, dass die Lortzingstraße asphaltiert wurde. Wegen des Kopfsteinpflasters wichen bisher viele Radfahrer auf den schmalen und damals noch für Radfahrer freigegebenen Fußweg am Kanal aus.

Vorfahrt geregelt

Die Nutzer einer Fahrradstraße haben nicht automatisch Vorfahrt. In diesem Fall hat man durch Aufpflasterungen an den Nebenstraßen dafür gesorgt, dass die Radfahrenden auf der Strecke gegenüber VerkehrsteilnehmerInnen aus den einmündenden Straßen vorfahrtberechtigt sind. An den Hauptstraßen Richard-, Wagner- und Friedrichsberger Straße ist das aber nicht der Fall. In der Friedrichsberger Straße wurde eine Mittelinsel als Querungshilfe eingerichtet, was für die anderen beiden Hauptstraßen auch eine wichtige Lösung gewesen wäre. Gerade an Richardstraße und Lerchenfeld steht man oft eine gefühlte Ewigkeit.

Am Lerchenfeld stellt sich die Behörde für Verkehr allerdings vor, dass man nach links zur Ampel radelt und den Zweirichtungsradweg in der Eilenau weiter fährt.

Aufpflasterungen

Aus den einmündenden Straßen sowie zwischen Fahrradstraße und querenden Hauptstraßen gibt es Aufpflasterungen über die gesamte Fahrbahnbreite. Ihre Rampen sind steil und Radfahrer müssen abbremsen, um nicht heftig durchgeschüttelt zu werden. Eine sinnvolle Funktion lässt sich in den Aufpflasterungen quer über die Veloroute nicht erkennen. Sie entsprechen auch nicht den bundesweiten Empfehlungen für die Anlage solcher Strecken. Hier zeigt sich, dass Hamburgs Planungshinweise für Stadtstraßen dem Stand der Technik hinterherhinken.

Im Verlauf der Fahrradstraße sind Fahrradbügel dezentral aufgestellt. Das sichere Abstellen der Räder fällt nun leichter und gleichzeitig ist damit in den Kreuzungsbereichen für freie Sichtfelder gesorgt, was die Verkehrssicherheit erhöht.

Parkanlage

Ab durch den Park. Für eine überörtliche Hauptroute des Radverkehrs wäre breiter besser gewesen ...

Im Eilbekpark zwischen dem S-Bahnhof Friedrichsberg und der Friedrichsberger Straße ist der asphaltierte Weg nun breiter als zuvor. Fußweg und Zweirichtungsradwege sind durch eine weiße Linie getrennt. Zunächst standen auf Höhe der Seumestraße noch widersprüchliche Verkehrsschilder, wer nun welche Wegseite zu benutzen habe. Für einen Zweirichtungsradweg ist der Weg auch nach der Verbreiterung zu schmal. Die ursprüngliche Planung der Baubehörde sah für den Weg durch den Eilbekpark tatsächlich gut einen Meter mehr vor. Doch im Bezirk Nord tobte 2010 ein Streit um die Frage, ob überhaupt eine Radroute durch den Park gelegt werden sollte. Man sah den Erholungswert für Fußgänger zerstört. Dabei war einigen Bezirkspolitikern nicht einmal bekannt, was eine »Veloroute« überhaupt ist bzw., dass das Veloroutenkonzept nach dem Jahr 2000 überhaupt noch weiter verfolgt worden ist. Am Ende stimmte die Versammlung mehrheitlich für die Lösung mit rund 4,5 m Breite.

Um den Bahnhof Friedrichsberg

Eine Mittelinsel erleichtert das Überqueren der Friedrichsberger Straße.

Hier wurden ebenfalls Verbesserungen erreicht. Bisher teilten sich Radfahrer und Fußgänger den schmalen Abschnitt unter der S-Bahn-Brücke auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg. Nun wurden Kfz-Stellplätze weggenommen und dafür ein Radweg zwischen der Fahrbahn und den Brückenpfeilern gebaut. Dadurch konnten Fußgänger von den Radfahrern getrennt werden und es gibt eine eindeutige Führung. Zudem wird zumindest im direkten Bahnhofsbereich der Radweg vom Gehweg durch eine Reihe weißer Steine abgetrennt, die Sehbehinderten als Orientierung dienen sollen, aber allgemein die Trennung zwischen Geh- und Radweg besser verdeutlichen. Die Linienführung auf der östlichen Seite der Brücke erfolgt mit geringem Radius in Form einer S-Kurve hinter das Buswartehäuschen. Dadurch ist die Sicht der entgegenkommenden Radfahrer in diesem Bereich eingeschränkt. Eine bessere Linienführung wäre möglich gewesen.

Öffentlichkeitsarbeit

Was ist eine Fahrradstraße? Wie muss ich mich verhalten? Diese Frage stellen sich viele. Information ist gefragt. Der ADFC organisierte daher Mitte Juli eine Informationsveranstaltung. Olaf Böhm, Sachgebietsleiter für den nicht motorisierten Verkehr in der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, stellte die Planung vor. Einen Flyer konnte die Behörde nicht rechtzeitig fertigstellen. Immerhin eröffnete dann noch Senator Frank Horch medienwirksam die Fahrradstraße. Auch solche symbolischen Akte sind im Rahmen von Radverkehrsförderung wichtig: Der Senat bekennt sich öffentlich zu ernsthafter Radverkehrsförderung. Weitere Schritte müssen natürlich folgen.

Fazit

Mit diesem Bauabschnitt ist ein entscheidendes Stück der Veloroute 6 fertiggestellt worden. Wann es in Richtung Osten und Westen weitergeht, ist noch nicht klar. Zunächst einmal steht die Veloroute 6 nicht auf der Prioritätenliste der BWVI. Als nächstes sind die Routen 11 (in Richtung Harburg) und die Route 8 nach Bergedorf dran. Allerdings muss sich die Behörde beeilen. Die nächste Wahl kommt bestimmt und die Radfahrerzahlen steigen. Im alltäglichen Verkehr werden die Engpässe des Hamburger Radverkehrssystems immer deutlicher. Die Regierung täte gut daran, solche Erfolge wie am Eilbekkanal als Beispiel zu nehmen, wie attraktive Angebote für Radfahrer aussehen können und mehr davon gegen die Besitzstandswahrer durchzusetzen. Dafür müssten Bezirk, Behörde für Verkehr, Wirtschaft und Innovation und die Straßenverkehrsbehörde so gut zusammenarbeiten wie im Falle der Eilbeker Route.

Merja Spott in RadCity 5/2012