26.09.2009

Nie wieder Treppen steigen

Von: Amrey Depenau

Die Hamburg Port Authority baut die Alltagsroute 11 zwischen Altem Elbtunnel und der Zollstation Wilhelmsburg aus.

Wer häufig zwischen Hamburgs Zentrum und Wilhelmsburg Rad fährt, der kennt die eher ungastliche Strecke durch den Hafen. Meist zwingt einen das böse blaue Schild auf einen schmalen Betonstreifen, den man sich mit – allerdings seltenen – Fußgänger_innen teilen muss. Gerne wechselt dieser Streifen auch unmotiviert die Straßenseite. Alternativ holpert frau über Kopfsteinpflaster Marke »Kein Laster kriegt mich klein«. Als ob das nicht genügte, queren fiese Schienen die Strecke, die schon manchen unerfahrenen Radler aus der Bahn geworfen haben. Umrahmt wird das Ganze vom röhrenden Lärm des Güterverkehrs, der sich zumindest unter der Woche in oft endloser Kette durch das Hafengebiet schiebt.

Alltagstauglich?!

Als Alltagsroute ist diese Strecke also nur etwas für Hartgesottene. Das soll sich nun ändern. Wilhelmsburg liegt schwer im Trend: Neben der IBA gibt es mindestens einen weiteren Grund, die Elbinsel auch für den nicht motorisierten Verkehr attraktiv anzubinden: Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) höchstselbst wird dort demnächst ein neues Heim finden.

Warum eigentlich »Alltagsroute«? – Die Hamburger Radverkehrsstrategie spricht im Sinne des seit mehr als einem Jahrzehnt existierenden Veloroutennetzkonzeptes von »Velorouten«. Die allerdings sind durch bestimmte Qualitätsmerkmale gekennzeichnet, die in Hamburg bisher nur an sehr wenigen Stellen erreicht werden. Da ist der Begriff Alltagsroute wohl recht praktisch, denn kaum steht die Beschilderung, ist die Alltagsroute auch schon fertig.

Das ist der Plan

Aber genug gelästert. Hier soll es ja schließlich um das ambitionierte Projekt einer gut ausgebauten Radverkehrsstrecke gehen. Die Planungen lagen dabei in den Händen der Hamburg Port Authority (HPA), die – wie der Name schon sagt – für die Infrastruktur im betreffenden Gebiet zuständig ist. Da die HPA der Wirtschaftsbehörde zugeordnet ist, erwarteten wir von den Ergebnissen keine verkehrspolitischen Wunder. Herausgekommen ist eine Radwegführung, die zumindest streckenweise komfortabel wirkt, aber auch einige Gefahrenquellen innehat. Allen voran die Tatsache, dass der Radweg durchgängig als Zweirichtungs-Radweg geplant ist, wenn auch in der Regel mehr als drei Meter breit.

Ent- und beschleunigen

Nun denn, ein breiter Radweg soll also auf der vom Elbtunnel aus gesehen linken Straßenseite bis zur Argentinienbrücke führen. Dort fahren allerdings massenweise LKWs vom Reiherdamm ab und biegen mit Karacho in den Ellerholzdamm ein. Hier muss die Einmündung umgestaltet werden, sonst sind Unfälle vorprogrammiert.

Hinter der Brücke wechseln wir an der Ampel die Straßenseite. Der Radweg wird nun rechtsseitig auf die Klütjenfelder Hochstraße geführt. An dieser Stelle hieß es bisher: »Bitte absteigen«: Eine Fußgängertreppe zwingt uns, den Drahtesel zu schultern und acht Meter in die Tiefe zu steigen. Diese Unterführung ist eine Zumutung. So wurden wir bei unserem Ortstermin Zeugen, wie zwei genervte Radler_innen ihre Räder über die Absperrung hoben und einfach auf der Fahrbahn weiterfuhren. Das Highlight der Routenplanung sieht hier vor, seitlich an der Brücke einen Radweg anzudocken, der von schrägen Stützen getragen wird.

Unnötiger Trick

Die Klütjenfelder Straße geht es nun auf der rechten Seite hinunter, bis über die Veddelkanalbrücke. An der Einmündung der Brandenburger Straße lauert leider noch eine Gemeinheit: Radfahrer_innen sollen hier an einer schlecht einsehbaren Stelle die Straßenseite wechseln. Die Begründung: Am Wochenende ist das Tor der Zollstation Wilhelmsburg geschlossen; der Durchgang für Fußgänger bzw. Radler ist auf der linken Seite. Unsere einhellige Meinung: Die Alltagsradler betrifft das nicht, Wochenendausflügler würden sicher lieber vor dem geschlossenen Tor die Seite wechseln.

So bleiben als Fazit gut drei km Alltagsroute mit Höhen und Tiefen im wahrsten Sinne des Wortes. Wir warten gespannt, ob die ersten Teilstücke (Argentinienbrücke bis Zollstation) tatsächlich wie geplant bis Ende 2010 fertig gestellt werden.

Amrey Depenau in RadCity 5/2009

[1] Keine optimale Oberfläche für die Veloroute: Kopfsteinpflaster. Es heißt, Asphalt würde den LKWs nicht standhalten. Also entsteht links ein Zweirichtungs-Radweg.
[2] Der Zweirichtungs-Radweg führt auch über den Ellerholzdamm, in den in hohem Tempo LKW einfahren.
[3] Klütjenfelder Straße: Statt acht Meter ...
... abwärts Treppen zu steigen ...
... demnächst die angedockte ... (Foto: BSU)
... Brücke befahren. (Grafik: BSU)
[4] Reiherstieg-Hauptdeich: Kurz vor Ende der Ausbau­strecke (am Ende des Freihafens) sollen die Radfahrer zukünftig auf die linke Seite wechseln.