Verkehr
23.04.2017

Die Walddörferstraße aufwerten

Von: Ulf Dietze
  • Walddörferstraße heute

    Viele Radfahrende weichen auf die Nebenflächen aus oder meiden die Straße ganz

  • Eine Fahrradstraße in Göttingen

    Walddörferstraße morgen?

    So ähnlich könnte sie aussehen: sicher, ruhig, angenehm

  • Auto parkt an schmalem, unebenem Radweg

    neuer alter Vorschlag vom Gutachter: Friedrich-Ebert-Damm

    April 2017: Das soll die beste Strecke sein, die der Bezirk zum Radfahren anbietet?

Aktuelle Informationen rund um die zukünftige Gestaltung der Straße

Im Auftrag des Bezirks Wandsbek hat ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung ein Netz von Velorouten für Wandsbek erarbeitet. Begleitet wurde der Prozess durch das Wandsbeker Fahrradforum, in dem unter anderem Behördenvertreter, PolitikerInnen, Polizei/Straßenverkehrsbehörde, ADAC und ADFC saßen.

Eine der geplanten Velorouten verläuft durch die Walddörferstraße und soll in einem Abschnitt Fahrradstraße werden (FAQ Fahrradstraßen). Darüber gibt es heftige Diskussionen, weil u. a. einige Gewerbetreibende befürchten, Kunden und Lieferanten würden nicht mehr zu ihren Betrieben kommen. Mit dieser Seite wollen wir die Diskussion versachlichen.

Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert.

Pressefotos finden Sie hier.


Termine/Aktuelles

Die Präsentation des Planungsbüros PGV

27.04.2017 | Vorstellung der Prüfung von Korridor A

Das beauftragte Fachbüro PGV stellt seine Ergebnisse für die Prüfung des Korridor A dem Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung vor. Darin wird statt der Walddörferstraße der Friedrich-Ebert-Damm vorgeschlagen für die Strecke S-Friedrichsberg bis U-Farmsen.

Do., 27.04.2017, 18 Uhr
Bürgersaal Wandsbek
Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg

Präsentation des Planungsbüros PGV

Wir sehen Argumentation und Ergebnis des Gutachtens sehr kritisch und werden uns dazu später ausführlich äußern.


10.11.2016 | Information zum Sachstand

Das Bezirksamt teilt der Bezirksversammlung mit:

»Das beauftragte Fachbüro erarbeitet auf der Grundlage der im Radverkehrskonzept genannten Daten für den Korridor A und auf der Grundlage der Ergebnisse des Anhörungsverfahrens vom 25.04.2016 für die Gremien der Bezirksversammlung eine Entscheidungsvorlage mit einer Routenempfehlung, in der Vor- und Nachteile der genannten Routen

  • Friedrich-Ebert-Damm
  • Walddörferstraße
  • Wandsewanderweg

beschrieben werden.«

Auch der Verlauf der Veloroute 6 – insbesondere im Bereich zwischen S-Bahnhof Friedrichsberg bis Friedrich-Ebert-Damm – werde berücksichtigt. Mit der Entscheidungsvorlage werde seitens des Bezirksamtes Anfang 2017 gerechnet. Die Ergebnisse würden den Gremien der Bezirksversammlung vorgestellt.

Originaldokument Drucksache 20-3146


12.05.2016 | Beschluss der Bezirksversmmlung

Im Mai 2016 debattierte die Bezirksversammlung Wandsbek erneut über die Walddörferstraße. Dabei ging es auch nochmal um die öffentliche Anhörung vom 25.04. Kritisiert wurde u. a. das Verhalten eines Teils des Publikums der Anhörung. Eine Anhörung sei dazu da, sich und andere zu informieren. Wer andere Meinungen nicht zulasse und Wortbeiträge anderer störe, verlasse die gemeinsame Basis des Beteiligungsverfahrens. Nach der Anhörung hätten BürgerInnen, die angesichts der Atmosphäre der Anhörung nicht das Wort ergriffen hätten, den Abgeordneten ihre abweichenden Wünsche geschrieben.

Am Ende der Debatte am 12.05.16 fasste die Bezirksversammlung einen Beschluss. Inhalt sind u. a.

  • Das Planungsbüro möge die Ausgestaltung einer schnellen Radverkehrsverbindung zwischen U-Farmsen und S-Friedrichsberg vertieft prüfen.
  • Darin sollen abschnittsweise verschiedene Lösungsmöglichkeiten betrachtet werden, Vor- und Nachteile für die verschiedenen Verkehrsarten und die Umwelt. Auch Verbesserungen für den Radverkehr abseits des Modells Fahrradstraße sind hier zu prüfen.

Originaldokument: Radverkehrskonzept für den Bezirk Wandsbek – der nächste Schritt für "Korridor A". Interfraktioneller Debattenbeitrag der Fraktionen SPD und Die Grünen

 


25.04.2016 | Anhörung

Publikum blickt zum Podium
Anhörung der Bezirksversammlung Wandsbek am 25.04.2016

Der Wirtschafts- und Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung lud Anwohner, Gewerbetreibende und Interessierte ein, sich in einem öffentlichen Anhörverfahren über das Wandsbeker Radverkehrskonzept und einen zur Diskussion stehenden Trassenverlauf zwischen Friedrichsberg und Farmsen zu informieren und Fragen dazu zu stellen. Die Veranstaltung fand statt am Montag, 25. April 2016, 18:00 Uhr im Bürgersaal Wandsbek, Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg.

Was sind Velorouten?

Ein Radverkehrsnetz plant man heute »hierarchisch«. Es gibt dann bezirksübergreifende Velorouten, ergänzende Velorouten innerhalb des Bezirks, das normale Straßennetz und das sog. Nachbarschaftsnetz. Velorouten setzen sich meist aus ganz normalen Straßen zusammen: Tempo-30-Abschnitte, einem Weg durch einen Park (wie im Eilbekpark), eine am Ende offene Sackgasse, eine in beiden Richtungen befahrbare Einbahnstraße, eine Fahrradstraße usw. Ziel ist stets, eine längere attraktive und sichere Verbindung zu schaffen, die eine zügige Reisegeschwindigkeit erlaubt. (Position Velorouten des ADFC Hamburg)

Moderne Städte setzen sich zum Ziel, einen hohen Radverkehrsanteil zu haben. Denn jede Fahrt mit dem Rad dient der Gesundheit, reduziert Abgase, vermeidet Lärm. Kopenhagen, Amsterdam, Paris, London, New York: Hamburg ist nicht allein mit seinem Anspruch, »Fahrradstadt« zu werden. 

Warum die Walddörferstraße?

Zu Beginn der Arbeit des Fahrradforums und des Planungsbüros Argus ging es darum, geeignete Korridore für mögliche Velorouten zu finden.

  • Das Gutachterbüro hat die Quellen und Ziele des Radverkehrs in Wandsbek ausgewertet, wie das bei solchen Netzplanungen üblich ist.
  • Hinzugekommen ist eine Auswertung der Radverkehrsunfälle der Jahre 2009-2013. Datenbasis dafür war die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik. Durchgeführt wurde die Auswertung von der Planungsgemeinschaft Verkehr in Hannover.
  • Eine Onlinebefragung zeigte, wo Radfahrende besonders viel Bedarf nach Verbesserungen sehen (mehr dazu).

Letztlich war dann im Fahrradforum die Frage, ob versucht wird, eine Veloroute entlang einer Hauptstraße wie der Ahrensburger Straße oder dem Friedrich-Ebert-Damm zu entwickeln. Dort wird aber eine Veloroute, die ihrem Namen gerecht wird und die Ansprüche an Sicherheit, Attraktivität und Zügigkeit erfüllt, nicht herstellbar sein.

Wandsewanderweg

Karte von Walddörferstraße und Wandsewanderweg
Unsere Karte zeigt den Verlauf der Walddörferstraße und jenen des Wandsewanderwegs

Eine Alternative war noch der Wandsewanderweg. Aber der ist streckenweise nicht ausreichend breit und hat eine wassergebundene Oberfläche. Schneller und zahlenmäßig wachsender Radverkehr würde außerdem erhohlungssuchende FußgängerInnen stören. Nicht zuletzt bietet der Weg nachts nicht genug soziale Sicherheit (ausführlich zum Wandsewanderweg hier).

Somit ergab sich die Walddörferstraße als beste aller möglichen Lösungen. Sie ist eine einigermaßen geradlinige Verbindung, rund um die Uhr befahrbar (also auch nachts und bei Regen) und bindet Wohngebiete unmittelbar an. Eine Umgestaltung der Straße mit Radfahrstreifen, Tempo 30 oder Fahrradstraßenabschnitt würde außerdem die Wohnqualität verbessern. Ein von Argus vorgeschlagenes Abbiegegebot für Kraftfahrzeuge an einem kleinen Abschnitt der Strecke würde Durchgangsverkehr aus der Straße herausnehmen.

Selbstverständlich wird die Planung einer Veloroute und einer Fahrradstraße darauf achten, dass die Kunden ihre Geschäfte erreichen können und dass Mieter und Besucher - auch mit dem Auto - zu ihrer Wohnung gelangen können. Also wird es eine Lösung wie "Fahrradstraße/Anlieger frei" geben.

Vorschläge für die Walddörferstraße

argus
Vorschläge von Argus für Maßnahmen auf der Veloroute. "Fahrradstraße" meint hier "Fahrradstraße/Anlieger frei" oder "Fahrradstraße/Kfz frei" (Stand: November 2015)

In dem Gutachten, das als Ergebnis der Sitzungen des Fahrradforums Wandsbek entstand, skizzierte Argus Ende 2015 erste Ideen für eine neue Straßengestaltung (siehe nebenstehende Grafik).

Unfallzahlen reduzieren 

Die Unfallauswertung der Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung für die Jahre 2009-2013 für Wandsbek hat ergeben:

"Es überwiegen die typischen Knotenpunkt-Unfälle

  • am häufigsten sind Unfälle beim Einbiegen/Kreuzen (ca. 45 %)
  • Zweithäufigster Unfalltyp: Unfall beim Abbiegen (ca. 21 %)

→ Zusammen 66 %"

(Quelle: Planungsgemeinschaft Verkehr, Hannover: Radverkehrskonzept  Hamburg, Wandsbek – Analyse der Radverkehrsunfälle)

Das deckt sich in etwa mit Zahlen anderer Untersuchungsgebiete und -zeiträume. AutofahrerInnen achten beim Einfahren in eine Straße oder beim Abbiegen nicht genügend auf Radverkehr – sie »vergessen« ihn einfach, weil er auf dem Radweg hinter parkenden Autos versteckt unterwegs ist. Darum setzt heutige Verkehrsplanung auf Lösungen, die den Radverkehr ständig im Sichtfeld der AutofahrerIn führen: Nur wer mich sieht, fährt mich nicht um. Lösungen dafür sind vor allem Tempo 30 mit Mischverkehr, Fahrradstraßen oder Radfahrstreifen und Schutzstreifen.

Andere Meinungen

»Jetzt geht es rund« Zur Diskussion um die Einrichtung einer Fahrradstraße. »Die Zeit«, Printausgabe vom 21.04.16 

Die Interessengemeinschaft Walddörferstraße sieht die Sachlage anders als der ADFC. Auf deren Webseite können Sie sich informieren.

Austausch IG Walddörferstraße und ADFC am 10.03.2016

Sie können sich auch an unserer Online-Diskussion beteiligen.


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