21.11.2011

Beweismittel sichern

Von: Michael Prahl
Schwerpunkt Straßenverkehrsrecht: Dr. Anja Matthies und Markus Klahn

Ein Erlebnis, wie wir es in der RadCity 6/2011 beschreiben, kann jedem widerfahren. Wie verhalte ich mich in einer ähnlichen Situation? Was muss ich dann beachten und was kann ich tun, damit ich später vor Gericht mein Recht voll ausschöpfen kann?

Rechtsanwalt Markus Klahn verrät, worauf es ankommt

Vermeiden

Alles beginnt damit, die Situation möglichst zu vermeiden. Hierzu gehört, im Verkehr nicht nur die vorgeschriebene Rücksicht zu nehmen, sondern auch mal freundlich nicht auf seinem Recht zu beharren.

Nicht urteilen

Urteilen Sie nicht über den »Verkehrssünder«, üben Sie Nachsicht. Jeder Verkehrsteilnehmer gerät einmal in die Situation, dankbar hierfür zu sein.

Nicht aufheizen

Ist die aggressive Situation nicht mehr zu verhindern, ist es wichtig, die emotional angespannte Situation nicht weiter aufzuheizen.

Beweismittel sichern

Ist eine solche Situation bereits über einen hereingebrochen, heißt es sofort Beweismittel sichern.

Täterbeschreibung

Hierzu gehört die Täterbeschreibung. Merken Sie sich besondere Merkmale und Gesichtszüge, an denen der Täter/die Täterin zweifelsfrei erkennbar ist und zwar auch nach längerer Zeit und z.B. nach einem Friseurbesuch, einer Rasur und anderer Kleidung.

Zeugen

Sprechen Sie Zeugen aktiv an und bitten Sie um Beobachtung. Notieren Sie sich auch die Namen und Adressen und bitten Sie später gern um eine schriftliche Beschreibung der Situation und des Täters/der Täterin. Der Fragebogen der Polizei kommt auch schon mal erst nach 4 Wochen, und die Erinnerung schwindet leider mit jedem Tag.

Polizei

Rufen Sie gleich die Polizei an und beschreiben Sie den Vorfall und vor allem das Fahrzeug mit Kennzeichen, Farbe, Marke und den Täter/die Täterin detailliert und schildern Sie die Fluchtrichtung. Je eher die Polizei die zusammenpassenden Faktoren findet, desto sicherer wird eine Ahndung möglich sein.

Rechtsanwalt

Haben Sie einen Rechtsanwalt eingeschaltet, schildern Sie den Vorgang ausführlich. Fällt Ihnen später noch etwas ein, teilen Sie dies mit.

Wichtig oder nicht

Ob etwas wichtig ist oder nicht, kann Ihr Anwalt einschätzen. Für das Verfahren ist nichts schlimmer als eine wesentliche Information nicht zu haben. Ihr Anwalt wird für alle Details dankbar sein.

Nachfragen

Hören Sie von der Angelegenheit nichts und wissen Sie nicht warum, scheuen Sie sich nicht, Ihren Anwalt zu fragen. Haben Sie keine Angst, Sie nerven ihn nicht.

Er wird Ihnen gern erklären, ob das Verfahren derzeit bei den Ermittlungsbehörden »hängt« - was leider häufig der Fall ist - oder er noch Informationen benötigt. Ihr Anwalt sollte solche Anrufe auch zum Anlass nehmen, sich zu fragen, wo er noch nachhaken kann. Eine Rückmeldung dürfen Sie dann auf jeden Fall erwarten.

Gerichtsverfahren

Sollte das Verfahren länger dauern, kann zusammen mit dem Anwalt überlegt werden, die Ermittlungsbehörde um eine Gegenüberstellung zu bitten, dies erfolgt heute über eine Lichtbildvorlage. Dies zum zeitnahen Zeitpunkt ist eine gute Lösung, um späteren Erinnerungsdefiziten zu begegnen, da das Erkennen protokolliert ist und vom Gericht aufgenommen werden kann. Liegen diese Defizite bereits zu Beginn vor oder konnte der Täter nicht richtig gesehen werden, hilft die Lichtbildvorlage selbstverständlich nicht weiter.

Das Gespräch führte Michael Prahl für die RadCity 6/2011