18.02.2016

Appell des 13-jährigen Schülers Joël

Von: Joël

an alle »Verkehrsplaner und Entscheider« Hamburgs

»Radfahren in Hamburg: Es muss sich etwas ändern!«

»Macht Schluss mit der Bevorzugung des Autoverkehrs«, fordert Joël.

Ich bin Schüler, 13 Jahre alt und vor 10 Tagen hat es nun auch mich erwischt – der klassische Fahrradunfall, der rein statistisch wohl jedem Hamburger Fahrradfahrer mal ins Haus steht: Auto biegt ab (Tankstellenauffahrt), übersieht mich trotz Beleuchtung und Warnweste auf dem kombinierten Rad- und Gehweg. Ich stürze und breche mir beide Arme. Ich hatte großes Glück und wurde nicht auch noch überrollt – ansonsten könnte ich hier und heute nicht mehr schreiben.

Ich wurde operiert, war ein paar Tage im Krankenhaus und gehe jetzt schon wieder zur Schule, habe aber noch Schmerzen in den Armen – und Wut im Bauch. Und ich nutze diese Wut und Schmerzen, um euch dringend zu bitten: Macht Schluss mit der Bevorzugung des motorisierten Verkehrs!

Ich wünsche mir Tempo 30 innerhalb geschlossener Ortschaften. Es verhindert Unfälle – und wenn sie doch passieren, sind sie weniger schwer. Es mindert den lebensfeindlichen Gestank und den quälenden Verkehrslärm […]. Baut vernünftige Radwege! Sie müssen breit genug sein (es gibt heute einfach mehr Radverkehr als früher – und es soll doch noch mehr werden, oder?) und so verlaufen, dass alle Verkehrsteilnehmer von Fußgänger über Radfahrer bis Autofahrer sich gut gegenseitig wahrnehmen können. […]

Ich bin nicht gegen Autos, Lastwagen und Motorräder. Autofahren kann bei manchen Entfernungen oder manchem Wetter sinnvoll und praktisch sein – auch wenn eine Fahrt mit dem Fahrrad (oder mit Bus und Bahn) meistens ebenso schnell und immer gesünder ist (von meiner Unfallfahrt mal abgesehen). Niemandem soll verboten werden, mit dem Auto zu fahren - manche Menschen sind aufgrund von Behinderungen darauf angewiesen. Aber warum müsst ihr den motorisierten Verkehr auch noch fördern? Warum sind in euren Planungen Fußgänger und Radfahrer so häufig Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse? Seht ihr nicht, wie falsch und wie ungerecht das ist?

Viele Grüße: Euer Joël Hahn

in RadCity 1/2016