27.11.2010

Verkehrsbericht 2009

Von: Ulf Dietze
Verkehrsunfälle in Hamburg 2009
Hauptunfallursachen Hamburg 2009 in Prozent

Auswertung

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern ging im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 % zurück. Gleichzeitig stieg der Anteil des Fahrrads am Verkehr. Dies Ergebnis deckt sich mit ähnlichen Erfahrungen aus anderen Städten: Eine größere Präsenz des Radverkehrs scheint zu einer höheren allgemeinen Aufmerksamkeit für dies Verkehrsmittel zu führen.

In den Medien werden Radfahrer gerne als leichtsinnig und an Unfällen quasi »selber Schuld« dargestellt. Sind Radfahrer eher Opfer oder Verursacher von Verkehrsunfällen?

Hamburg erfasste für 2009:

  • 3208 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung (darin sind auch Radfahrer/Radfahrer- und Radfahrer/Fußgänger-Unfälle enthalten)
  • 1288 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung, bei denen Radfahrer die wesentliche Ursache setzten (40,14 %)

Um festzustellen, ob »der Radfahrer" nun der Böse ist, müssen wir betrachten, was Personen ab 18 Jahren tun, da Autofahrer unter 18 Jahren auch praktisch nicht vorkommen und wir eine ähnliche Personengruppe vergleichen wollen.

Auf Nachfrage des ADFC teilte die Polizei folgende Zahlen mit:

An den 3208 Radfahrerunfällen waren 2658 Radfahrer im Alter ab 18 Jahren beteiligt. Sie wurden in 885 Fällen (27,6 %) als Hauptverursacher aufgeführt. Mit anderen Worten: In rund 72 % der Unfälle mit erwachsenen Radfahrern, war nicht der Radfahrer Verursacher des Unfalls sondern ein Fußgänger oder Autofahrer.

In rund 72 % der Unfälle mit Fahrradbeteiligung setzt nicht der Radfahrer die Hauptunfallursache sondern ein Autofahrer oder Fußgänger.

Es gibt bei diesen Berechnungen kleine Unschärfen, da die Daten nicht differenzierter erfasst werden. So lässt sich auch keine Aussage zu der Frage treffen, wie die anteilige Verteilung des Hauptverursachers bei Unfällen Auto/Fahrrad für Personen ab 18 Jahren ist.

Insgesamt gab es in 2009 in Hamburg 61343 Unfälle auf Bundes- und Stadtstraßen – Autobahnen also ausgenommen. Radfahrer waren an etwa 5,2 % der Unfälle beteiligt. Ihr Anteil am Straßenverkehr beträgt derzeit etwa 13 %.

Der Verkehrsbericht fasst die Unfallursachen zusammen:

»Sofern Kfz-Führer als Hauptverursacher für Radfahrerunfälle festgestellt wurden, beziehen sich die Ursachen wesentlich auf folgende Verkehrssituationen

- Fehler beim Abbiegen
- Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr, z. B. aus einer Grundstückseinfahrt
- Fehler im ruhenden Verkehr

Sofern Radfahrer die Hauptursache für Radfahrerunfälle gesetzt haben, sind folgende Ursachen schwerpunktmäßig festgestellt worden

- Falsche Straßenbenutzung, z. B. regelwidrige Benutzung des Gehwegs oder des in Fahrtrichtung linken Radweges
- Missachtung des Rotlichts an Ampeln
- Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr
- Vorfahrt- bzw. Vorrangverletzung
- Fehlverhalten gegenüber Fußgängern

Zusammenfassend kann zu Radfahrerunfällen festgestellt werden

- Kreuzende Verkehrsabläufe (ausgewiesen durch die Ursachen "Abbiegen", "Vorfahrt/Vorrang", "Einfahren in den fließenden Verkehr" und "Rotlichtmissachtung") bergen für Radfahrer ein höheres Risiko.
- Die Benutzung falscher Straßenteile durch Radfahrer erhöht das Gefahrenpotenzial kreuzender Verkehre. Viele Kraftfahrer ziehen nicht in Betracht, dass Radfahrer insbesondere Radwege häufig verbotswidrig in die falsche Richtung benutzen.«
(Verkehrsbericht 2009, S. 38)