29.08.2011

Verkehrsbericht 2010

Von: Ulf Dietze

Mit dem Verkehrsbericht 2010 legt die Polizei Hamburg die Unfallstatistik für das vergangene Jahr vor. Wir nennen einige der Zahlen und versuchen eine Auswertung.

Die nackten Zahlen

In 2010 wurden in Hamburg 64.375 Verkehrsunfälle registriert (Vorjahr 63.563).

  • 11,2 % waren Unfälle mit Personenschaden, 88,8 % waren Sachschadensunfälle.
  • Bei 26 % der Verkehrsunfälle begeht der Verursacher Fahrerflucht. Davon werden jedoch 43,9 % der Fälle aufgeklärt, bei Unfällen mit Personenschaden werden 53 % der Unfallfluchten aufgeklärt.
  • Bei Verkehrsunfällen verunglückten 9.220 Personen (im Vorjahr 10.074)
  • Bei Verkehrsunfällen wurden 22 Menschen getötet (im Vorjahr 33).

Ursachen bei allen Unfällen

Die Hauptursachen bezogen auf alle Unfälle sind

  • 25,2 % Fehler beim Einfahren, Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren
  • 16,4 % ungenügender Sicherheitsabstand
  • 17,5 % Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit bzw. nicht der Verkehrssituation angepasste Geschwindigkeit
  • 8,9 % Fehler im Zusammenhang mit Vorfahrt (ohne Rotlichtverstöße)

Radfahrunfälle

»Gegenüber dem Vorjahr sind die Radfahrerunfälle deutlich um 17,2 % zurückgegangen. Dies ist insofern bemerkenswert, weil in Hamburg das Radverkehrsaufkommen seit Jahren stetig zunimmt.
Die für Radfahrer ungünstige Witterung in den Anfangsmonaten des vergangenen Jahres trug erheblich zur Reduzierung der Unfälle bei. Im Vergleich beider Jahre verlief das zweite Halbjahr weitgehend ähnlich, jedoch auch auf niedrigerem Niveau.« (Verkehrsbericht S. 35)

Unfallverursacher bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung

Wir hatten uns bereits den Verkehrsunfallbericht 2009 genauer daraufhin angesehen, wer eigentlich die Unfälle verursacht. Auch für 2010 bedürfen die Zahlen einer differenzierteren Durchsicht.

Die Hauptaussage des Verkehrsberichts 2010 für Radfahrunfälle lautet:
»Bezogen auf alle 2657 Radfahrerunfälle ist festzustellen:

  • in 39,0 % aller Fälle waren Radfahrer die Hauptverursacher (Vorjahr 40,1 %)
  • in 54, 7 % aller Fälle waren Kfz-Führer die Hauptverursacher (Vorjahr 54,0 %)« (S. 37)

Die genauere Analyse verändert das Bild nochmal:
Von den 64.375 Unfällen fanden 2291 auf Bundesautobahnen auf Hamburger Gebiet statt. Hier können Radfahrer nicht als Verursacher auftreten, wir rechnen diese Unfälle daher heraus. An den verbleibenden 62.084 Unfällen waren Radfahrende in 2.657 Fällen (4,3 %) beteiligt. Übrigens bei einem Radverkehrsanteil von ca. 12 %.

Das heißt, dass an 95,7 % aller Unfälle gar kein Radfahrer beteiligt war.

Betrachtet man nur die Unfälle mit Radfahrerbeteiligung und darin nur die, bei denen Radfahrer über 18 Jahre (ab diesem Alter ist bekanntlich erst der selbstständige Autoführerschein-Besitz möglich), so ergibt sich: Von 2427 dieser Unfälle wurden 825 von Radfahrenden verursacht, das sind 34 %.

Mit anderen Worten: Bei Unfällen erwachsener Radfahrer ist bei mindestens 66 % der Radfahrer eher Opfer als »Täter«.

Der Anteil der Radfahrer als Hauptunfallverursacher dürfte sogar noch geringer sein, denn die 134 Radfahrer, die »ohne Altersangabe« als Verursacher in der Statistik stehen, haben wir hier als mindestens 18-jährig angenommen. Wenn sie in Wahrheit jünger waren, verschiebt sich das Bild weiter zu Gunsten der Radfahrer.

Außerdem ist der Statistik nicht zu entnehmen, ob der Unfall ausschließlich Radfahrer betraf – logisch, dass dann auch ein Radfahrer die Ursache gesetzt hat. Auch ist nicht erkennbar, ob ein Unfall ausschließlich zwischen Radfahrer und Fußgänger stattfand – logisch, dass dann kein Autofahrer  Hauptverursacher gewesen sein kann. Will man also konkret Auto- und Radfahrer ab 18 Jahren danach vergleichen, wer von ihnen jeweils Hauptunfallverursacher ist, so führt der Verkehrsbericht nicht zu einem gesicherten Ergebnis.

Genauere Zahlen nicht erhältlich

Ende 2010 fragten wir deshalb bei der Polizei an, ob es möglich wäre, exakt die Zahl der Unfälle zu nennen, an denen genau ein Radfahrer und ein Autofahrer beteiligt waren. Das zu ermitteln ist aber im »Auswertesystem für Verkehrsunfälle nicht möglich«, antwortete die Verkehrsdirektion am 18.11.2010