29.08.2012

Verkehrsbericht 2011

Von: Ulf Dietze

Humorvolle Öffentlichkeitsarbeit rund um die Ursache »zu hohe Geschwindigkeit« macht nederlandveilig mit ihren Filmen zur Fahrgeschwindigkeit in Ortschaften.

Mit dem Verkehrsbericht 2011 legt die Polizei Hamburg die Unfallstatistik für das vergangene Jahr vor. Eine Auswertung.

In 2011 wurden in Hamburg 66.118 Verkehrsunfälle registriert (Vorjahr 64.375).

  • 11,7 % waren Unfälle mit Personenschaden, 88,3 % waren Sachschadensunfälle.
  • Bei Verkehrsunfällen verunglückten 9.821 Personen (im Vorjahr 9.220).
  • Bei Verkehrsunfällen wurden 34 Menschen getötet (im Vorjahr 22).
  • Unfallflucht geschah in 26,7 % (+6,9 %) der Fälle. Die Aufklärungsquote dabei beträgt jedoch 42,9 %; bei Unfällen mit Personenschaden sogar 55,5 %.

 Die Hauptursachen bezogen auf alle Unfälle

  •  26,1 % Fehler beim Einfahren, Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren
  •  13,8 % Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit bzw. nicht der Verkehrssituation angepasste Geschwindigkeit
  •  16,2 % ungenügender Sicherheitsabstand
  •  10,4 % Vorfahrt/Vorrang rechts vor links/VZ-Regelung/Vorfahrt des durchgehenden Verkehrs auf der BAB 
  •  8,7 % Straßenbenutzung falsche Fahrbahn/Straßenteile/Rechtsfahrgebot
  •  7,3 % Falsches Verhalten gegenüber Fußgängern
  •  6,6 % Falsches Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn
  •  4,4 % Nichtbeachten der Verkehrsregelung durch Lichtzeichen
  •  3,4 % Alkoholeinfluss

Die Ursachen überhöhte Geschwindigkeit und ungenügender Sicherheitsabstand stehen in enger Beziehung zueinander. Gemeinsam ergibt sich eine Dominanz dieser Unfallursache sowohl in Bezug auf alle Unfälle als auch auf solche mit Personenschaden.

Die Hauptunfallursachen verändern sich in ihren Anteilen über die Jahre kaum.

Radfahrunfälle

»Gegenüber dem Vorjahr sind die Radfahrerunfälle um 16 % angestiegen«. Allerdings waren sie von 2009 auf 2010 auch um 17 % gesunken.

Unfallverursacher bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung

Wie jedes Jahr sehen wir uns diese Zahlen der offiziellen Statistik genauer an:

»Bezogen auf alle 3.083 Radfahrerunfälle ist festzustellen:

  • in 40.9 % aller Fälle waren Radfahrer die Hauptverursacher - (Vorjahr 39,0 %)
  • in 53,6 % aller Fälle waren Kfz-Führer die Hauptverursacher (Vorjahr 54,7 %).« (S. 37)

Das ließe sich auch so darstellen:

Von den 66.118 Unfällen fanden 2624 auf Bundesautobahnen auf Hamburger Gebiet statt. Hier können Radfahrer nicht als Verursacher auftreten, wir rechnen diese Unfälle daher heraus. An den verbleibenden 63.494 Unfällen waren Radfahrende in 3.083 Fällen (4,9 %) beteiligt. Und das bei einem Radverkehrsanteil von ca. 12 %. Man kann also zusammenfassen:

An 95,1 % aller Unfälle war gar kein Radfahrer beteiligt.

Betrachtet man nur die Unfälle mit Radfahrerbeteiligung und darin nur die, bei denen Radfahrer über 18 Jahre (ab diesem Alter ist ja auch erst der Autoführerschein-Besitz möglich), so ergibt sich: Von 2816 dieser Unfälle wurden 1016 von Radfahrenden verursacht, das sind 36 %.

Der Anteil der Radfahrer als Hauptunfallverursacher dürfte sogar noch geringer sein, denn die 164 Radfahrer, die »ohne Altersangabe« als Verursacher in der Statistik stehen, haben wir hier als mindestens 18-jährig angenommen. Wenn sie in Wahrheit jünger waren, verschiebt sich das Bild weiter zu Gunsten der Radfahrer (im »besten« Fall wären dann nur 30 % der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung von Radfahrern verursacht worden).

Außerdem ist der Statistik nicht zu entnehmen, ob der Unfall ausschließlich Radfahrer betraf – logisch, dass dann auch ein Radfahrer die Ursache gesetzt hat. Auch ist nicht erkennbar, ob ein Unfall ausschließlich zwischen Radfahrer und Fußgänger stattfand – logisch, dass dann kein Autofahrer  Hauptverursacher gewesen sein kann. Will man also konkret Auto- und Radfahrer ab 18 Jahren danach vergleichen, wer von ihnen jeweils Hauptunfallverursacher ist, so führt der Verkehrsbericht nicht zu einem gesicherten Ergebnis. Folgende Aussage lässt sich aber sicher treffen:

Bei Unfällen erwachsener Radfahrer ist bei mehr als 64 % der Radfahrer eher Opfer als »Täter«.

Ende 2010 fragten wir deshalb bei der Polizei an, ob es möglich wäre, exakt die Zahl der Unfälle zu nennen, an denen genau ein Radfahrer und ein Autofahrer beteiligt waren. Das zu ermitteln ist aber im »Auswertesystem für Verkehrsunfälle nicht möglich«, antwortete die Verkehrsdirektion am 18.11.2010

Hauptunfallursachen bezogen auf Unfälle mir Radfahrerbeteiligung

Betrachtet man die knapp 5 % aller Unfälle, bei denen mindestens ein Radfahrer beteiligt war, so ergeben sich als die jeweils drei wichtigsten Hauptursachen:

- bei den vom Autofahrer verursachen Unfällen:

  • Fehler beim Abbiegen (34 % aller vom Kfz-Führer verursachter Unfälle mit Radfahrerbeteiligung)
  • Vorfahrt- und Vorrangmissachtung (21 %)
  • Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr (16 %)

- bei den vom Radfahrer verursachten Unfällen:

  • Sonstige Fehler der Fahrzeugführer (40 % – trotz rund 20 verschiedener erfasster Hauptunfallursachen fallen 40 % in diese »Reste«-Kategorie, die den Fehler nicht näher definiert)
  • Straßenbenutzung (das kann die Fahrbahn sein, wo dies nicht erlaubt ist, das kann die Benutzung des Gehwegs sein, die eines linken Radwegs usw. - die Kategorie ist sehr ungenau) (18 %)
  • Rotlichtmissachtung (9,4 %)