04.12.2010

Spikes

Von: Malte Wiedenmann

Prinzipiell kann zwischen zwei Typen unterschieden werden: Die einen haben die Spikes nur an den Rändern der Lauffläche. 100 bis 120 Spikes haben nur bei geringerem Reifendruck Kontakt zur Fahrbahnoberfläche, bei 3,5 bis 4 bar fährt sich der Reifen fast wie ein normaler grobstolliger Reifen. Die winterspezifischen Qualitäten kommen erst bei geringerem Luftdruck zum Tragen: bei etwa 2,5 bar können sich die Nägelchen in die festgefahrene Schneedecke oder ins blanke Eis krallen. Diese Reifen sind eine gute Wahl für diejenigen Radler, die nicht die Möglichkeit haben, mehrere Fahrräder im Winter zu nutzen.

Wer sich den Luxus mehrerer Laufradsätze oder sogar mehrerer Fahrräder leisten kann, kann auf Reifen zurückgreifen, deren ganze Lauffläche mit 240 bis 369 Spikes bestückt ist. Mit derartigen Reifen ist selbst bei extremer Glätte nahezu rutschfreies Anfahren und Abbremsen möglich, selbst geneigte Kurvenfahrten wie im Sommer sind für routinierte Fahrer ohne Angstschweiß machbar.

Wenn Rahmen und Radschutz dem erhöhten Platzbedarf für gröbere Stollen, Spikes und etwas Schnee und Matsch gewachsen sind, können die Reifen unter Beachtung der Laufrichtung montiert werden. Um die Verletzungsgefahr zu verringern sind dabei Arbeitshandschuhe empfehlenswert. Das Einfahren sollte auf trockenen Straßen erfolgen, Reifenhersteller empfehlen etwa 50 km bis die Spikes guten Halt entwickeln.

Spike-Reifen sind mit 40 bis 90 Euro pro Reifen nicht gerade preiswert, besonders wenn man die begrenzte Lebensdauer in Betracht zieht: Während ein guter Alltagsreifen mindestens 5000 bis 10.000 km hält, kann ein Spike-Reifen seine besonderen Eigenschaften durch fortschreitenden Verlust der Metallstifte (in Abhängigkeit der Fahrtstrecke auf schnee- und eisfreiem Untergrund) schon nach 2000 km verlieren.
Trotzdem bieten Spikes die Chance, auch im Winter unabhängig und zügig zum Ziel zu kommen. Und ein Sturz kann deutlich teurer und unangenehmer werden ...

Malte Wiedenmann in RadCity 6/2010

»ssssrrrrrrrrrrrrrrr......« – Spikes machen komische Geräusche und kosten etwas Geld.
Trotzdem haben sie unter Ganzjahres-RadlerInnen viele Fans.

Es ist Herbst, Ende Oktober: der erste Bodenfrost wird in extremen Lagen gemeldet, in den Randlagen Hamburgs zeigen sich zaghaft erste Schneeflöckchen. Die Winterkleidung wird aus dem Schrank geholt, sommerliches rückt in die zweite Reihe. Beim Anziehen der Handschuhe werden Erinnerungen an den Winter 2009/2010 wach. Radfahren war anstrengend bis unmöglich, an den Stellen, an denen tatsächlich geräumt wurde, bildete sich eine festgetretene oder festgefahrene Schneedecke. Auf den Fahrbahnen entstand eine Eisschicht. Im normalen Hamburger Winter sind Radfahrer mit ebenso normaler Bereifung gut gerüstet, bei etwas Schnee sind grobstollige Profile von Vorteil. Wenn es richtig glatt wird, kommen Spike-Reifen ins Spiel. Spikes fürs Fahrrad? Gibt's das wirklich? Ist das erlaubt?

Seit etlichen Jahren bieten mehrere Hersteller Spike-Bereifung für Fahrräder an. Im Gegensatz zu Kraftfahrzeugen dürfen Fahrräder mit kleinen, martialisch wirkenden Metallnoppen besetzte Reifen haben, da keine Gefahr einer Fahrbahnbeschädigung besteht.