05.06.2020

Fahrrad Leasing

Von: Leo Strohm

Ein Win-Win-Geschäft für alle

Am Anfang war der Frust. Ulrich Prediger arbeitete bei einer Medi­zintechnikfirma im Raum Freiburg. Seinen Dienstwagen nutzte er kaum, da er lieber mit dem Rad zur Arbeit fuhr (und bis heute fährt). Ein Dienstfahrrad wollte sein Arbeitgeber ihm aber nicht ge­neh­migen. Damit gab sich Prediger nicht zufrieden. Aus dem Frust wuchs eine V­ision: das Dienstfahrrad als gleichwertige Alter­native zum Dienst­wagen in Deutschland zu etablieren. Und einen Namen dafür hatte er auch: das Jobrad.

Mit hartnäckiger Arbeit und zahl­rei­chen Verbündeten wie dem Fahrradclub erreichte Prediger, dass Diensträder und Dienst­wagen seit 2012 steuerlich gleich be­handelt werden. Schlagartig sind Lea­sing-Fahrräder für viele Unternehmen auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht interessant geworden.

Seitdem boomt der Markt für Leasing-Fahrräder. Marktführer ist immer noch Ulrich Predigers Firma »JobRad«, aber inzwischen gibt es überall in Deutschland zahlreiche vergleichbare Dienstleister. Wer im Netz nach den Begriffen »Fahrrad Leasing Hamburg« sucht, wird auf jeden Fall bei einem Anbieter in seiner oder ihrer Nähe landen.

Verkehrssituation an einer mit Autos befahrenen Straße, in beide Verkehrsrichtung je eine Radfahrerin Pressedienst Fahrrad, p-d-f.de
Der Weg zur Arbeit mit einem geleasten Fahrrad - eine tolle Alternative zum Dienstwagen

Private Nutzung von Diensträdern

Interessant ist das Leasing-Prinzip vor allem für Unternehmen. Sie können ihren Mitarbeiter*innen so Fahrräder über­lassen, die sie auch privat nutzen dürfen. Manche Arbeitgeber übernehmen die vollen Leasingkosten, manchmal bezahlen auch die Mitarbeiter*innen die Monats­raten vom Bruttolohn. Dann müssen 0,25 Prozent des Brutto-Listenpreises des Rades als geldwerter Vorteil monatlich versteuert werden.

Für wen könnte sich Fahrrad-Leasing lohnen?

Konkrete Rechenmodelle lassen sich auf den Webseiten aller Anbieter mit Hilfe von »Jobrad-Rechnern« durch­spielen. Die Faustregel lautet aber: je höher der persönliche Steuersatz, desto höher die Ersparnis beim Leasing im Vergleich zum Kauf. Jetzt braucht es nur noch aufge­schlossene Arbeitgeber*innen.

»So einfach ist das nicht«, erfuhr Jörg Maltzan, als er sich mit der Idee, ein Jobrad anzuschaffen, an seinen Arbeit­geber, den Axel-Springer-Verlag, wandte. Nicht etwa, weil seine Auto Bild-Chefetage diese schöne Idee nicht unterstützen wollte. Ganz im Gegenteil. Aber der Einstieg in das komplexe Thema fiel etwas holprig aus. Restwerte, steuer­liche Aspekte, Anträge und bürokratische Hürden mussten über­wunden werden. Ein bisschen fühlte es sich an, als hätte der Interessent in Relation zum eigentlichen Angebot unver­hältnismäßig viel Aufwand zu stemmen. Auch der Begriff »Jobrad« hinterließ bei Jörg Maltzan ein paar Fra­ge­zeichen. Vermitteln die »histo­rischen« Begriffe »Dienst- und Fir­menwagen« im Vergleich nicht eine viel höhere Wertigkeit? Dennoch berichtet Jörg Maltzan am Ende unseres Gesprächs mit spürbarer Zufrie­denheit, dass der betriebsinterne Aus­tausch schnell Früchte trug. Unterm Strich wird auch er einen – dann sicherlich erfolg­reichen – zwei­ten Anlauf nehmen und bald auf seinem Muskelkraft ge­triebenen Auto-Bild-Dienst­fahrzeug zu bewundern sein.

Katrin Stromann ist bei einem großen Hamburger Traditions­unternehmen an­gestellt. Für ihren Weg zum Arbeitsplatz und zurück in den Feierabend legt die bekennende Schön­wetterradlerin täglich etwa 16 Kilometer zurück. Als ihr Arbeitgeber 2019 mit viel Engagement für ein Fahrrad-Leasing-Angebot warb, war die Wilhelmsburgerin schnell von der Idee überzeugt. Mit dem dazu­gehörigen »Job­rad-Rechner« waren nicht nur alle Fragen zur Finanzierung sehr einfach zu beantworten, darüber hi­naus glänzte das Angebot mit einem nie­drigschwelligen Zugang. Freundlich, aufge­schlossen und hilfreich zeigte sich nach dem adminis­trativen Teil dieser Erfolgs­geschichte auch das »Fahrrad- und E-Bikecenter Hamburg«, so­wohl im di­rek­ten Beratungskontakt als auch in der gesamten Abwicklung. Katrin Stromanns zufriedenes Fazit lautete am Ende: »ein­fache Kiste«.

Leso Strohm in RadCity 3/2020

Radfahrerin mit ihrem Fahrrad Privat
Franziska freut sich über unkomplizierte Steuervorteile und einen motivierenden Arbeitsweg.

Motivierter

Franziska Laboch arbeitet in einem mittelständischen Betrieb in Sche­nefeld und ist dort unter anderem für Personalfragen zuständig. Im letzten Jahr wurde vonseiten der Belegschaft der Wunsch nach Dienst­fahrrädern laut. Die Geschäftsleitung hat die Idee aufgegriffen und seit Januar 2020 in die Tat umgesetzt. Sieben der mehr als hundert Mit­arbei­ter*innen fahren seitdem mit einem Jobrad zur Arbeit. Die Umsetzung für das Unternehmen war unkompliziert, und auch für die einzelnen Mitar­beiter*innen war die Bestellung ihres Wunschrades problemlos zu bewäl­tigen. Lieferung und Betreuung der Fahrräder haben mehrere Händler vor Ort übernommen. Und das Fazit: »Alle sieben sind durch das Fahrrad noch motivierter als zuvor und kommen viel lieber zur Arbeit.«

Radfahrer neben seinem Fahrrad Privat
Michael genießt mit seinem Swapfiets-Rad eine Art Mobilitätsgarantie.

Sehr zufrieden

Michael Kellenbenz hat als Betreiber der »FahrradGarderobe« (fahrrad­garderobe.de) beruflich viel mit Fahrrädern zu tun, ist aber weder Technik-Freak noch begeisterter Schrauber. »Ein Fahrrad muss robust, einfach und zuverlässig sein. Für mich ist das ein Gebrauchsgegenstand, wie ein Wecker.« Daher hat er sich ein Swapfiets-Rad gemietet – ein anderes Geschäftsmodell als der Mietkauf per Leasing. Die Hollandräder mit den charakteristischen blauen Vorderreifen sind schon in 30 deutschen Städten unterwegs, Tendenz steigend. Für Michael liegen die Vorteile auf der Hand: garantierte Reparatur oder Ersatz innerhalb von 24 Stunden, umfassende Versicherung und zwei Schlösser inbegriffen, ein Laden in seiner Nähe als Servicestelle – alles für € 19,50 im Monat. Und wer das Fahrrad beruflich nutzt, kann die Kosten von der Steuer absetzen. »Ich hab das gesehen und mich sofort entschieden. Und bis jetzt bin ich sehr zufrieden.«