05.04.2019

Legendäre Fahrräder: Dursley-Pedersen

Von: Dirk Lau
Abbildung Dursley-Pedersen Illustration: Michael Prahl

Die Laufräder des sogenannten Peder­senrads sehen ja irgendwie noch unver­dächtig aus. Aber der Rahmen! Wie ein wild zusammengeschweißtes Puzzle aus Stahl-Dreiecken. Und dann noch der komische Sattel, der seitlich schwingt …

Ausgedacht hat sich dieses Kunstwerk der 1855 geborene Däne Mikael Pedersen. Der begeisterte Rad­fahrer, der durch die Vermarktung der Butterzentrifuge reich geworden war, vermisste bei kon­ventionellen Fahrrädern den Sitzkomfort. Um ihn zu verbessern, erfand er 1893 eben jenen geflochtenen, elas­ti­schen Sattel, der wie eine Hängematte gespannt und aufgehängt wurde. Die Abspannung zum hinteren Ausfallende erfolgte mit langen Speichen (heute mittels eines Drahtseils). Um die­sen Sattel herum baute Pedersen eine kunstvolle Rahmenkonstruktion nur aus Dreiecken. Bei einem minimalen Gewicht von etwa 5,1 Kilogramm erreichte er so eine extrem hohe Stabilität. Da die Räder von 1900 bis 1920 in Pe­der­sens damaligem Wohnort Dursley (England) hergestellt wurden, heißen sie auch Dursley-Pedersen. Bis zum Tod des Erfinders – er starb 1929 verarmt in Dänemark – entstanden etwa 8000 Räder.

Pedersens Konstruktion geriet in Ver­ges­sen­heit, aber seit Anfang der 1980er-Jahre werden seine Räder wieder nach­gebaut – in der Regel individuell nach Kundenwunsch. So gibt es viele verschiedene Größen, vom kleinen Kinder-Pedersen mit 20-Zoll-Reifen bis hin zur Übergröße – und sogar Pedersen-Tandems oder -Tridems.

Erschienen in RadCity 02/2019