Legendäre Fahrräder V: Simplex-Philips

Von: Dirk Lau
Illustration: Michael Prahl

Elektromobilität steht derzeit hoch im Kurs und wird als Hoffnungsträger modernen Massentransports gewinnträchtig gehandelt. Politik und Autolobby setzen – wenig innovativ – vor allem auf vierrädrige Fahrzeuge. Dabei ist die Idee des Fahrrads fast so alt wie die, es mit einem Hilfsantrieb auszustatten. Das motorunterstützte Fahrrad entspringt dem menschlichen Bedürfnis, sich immer mehr mit immer weniger Anstrengung fortzubewegen.

Wie ging‘s los? Es war wohl der amerikanische Erfinder Sylvester H. Roper, dem es Ende der 1860er-Jahre als Erstem gelang, ein Fahrrad mit einer Dampfmaschine auszurüsten. Etwa zur selben Zeit tuckerte Pierre Michaux, der als Erfinder des Pedal­antriebs beim Fahrrad gilt, dampfgetrieben durch Frankreich. Seine Fabrik produzierte ab 1869 Fahrräder mit Hilfsmotor. Michaux setzte dabei auf spiritusbetriebene Dampfmaschinen. Ab 1881 fuhr das E-Tricycle von Gustave Trouvé durch Paris. Trouvés Elektrokonzept wurde schnell kopiert, denn Elektroantriebe waren Verbrennungsmotoren leistungsmäßig deutlich überlegen. Als ers­tes, echtes Elektrofahrrad gilt das 1895 von Ogden Bolton in den USA patentierte Fahrzeug. Bolton setzte auf einen Rad-
nabenmotor – ähnlich wie viele E-Bikes heute. Die Idee, Fahrräder mit einem Elektromotor zu kombinieren, lag um 1900 regelrecht in der Luft.

Wie ging‘s weiter? Welches Rad als ers­tes Serien-E-Bike der Welt gilt, ist unsicher. Manche Quellen geben an, dies sei ein E-Tandem der französischen Firma Clerc & Pingault (1900). Tatsächlich fertigte die britische Firma Humber dieses Gefährt von 1897 bis 1904 in Serie. 1932 entschied sich auch der niederländische Elektrokonzern Philips, ein Fahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb zu bauen. Philipps kooperierte dazu mit Simplex, einem der größten niederländischen Fahrradfabrikanten. Die Ko-Produktion wies bereits alle Module von heutigen E-Bikes auf.

Beim Philips-Simplex von 1932 hing die 12-V-Batterie so tief wie möglich, um die Fahrstabilität und Straßenlage zu verbessern. Der Motor unter dem Sattel trieb per links geführter Kette das Hinterrad an. Rechts geführt gab es auch noch einen Pedalantrieb, sodass sich mitstrampeln oder weiterfahren ließ, wenn die Batterie leer war. Letztlich blieb es aber bei einer kleinen Produktion im eigenen Hause. 1937 unternahm Philips einen neuen Anlauf zusammen mit der Firma Gazelle, aber auch dieses E-Bike-Modell floppte mit nur 117 verkauften Stück. Es war die »Ölkrise« ab dem Jahr 1973, die Elektrofahrräder wieder als Massenverkehrsmittel zurück ins Spiel brachte.

aus RadCity 6/2019