09.02.2019

Legendäre Fahrräder VII: J-Rad

Von: Dirk Lau

Sesselrad mit Trethebelantrieb

Illustration: J-Rad Illustration: Michael Prahl

Es gilt als eines der ersten Liegeräder in der Geschichte des Fahrrads: Das nach ihm benannte »J-Rad« des österreichischen Ingenieurs und Aerodynamikers Paul Jaray, 1889 in Wien als Kind eines jüdischen, aus Ungarn stammenden Kaufmanns geboren, entstand 1920 und wurde ein Jahr später von ihm in der Schweiz zum Patent angemeldet. Jarays Rad besaß statt Pedalen Trethebel, die über Drahtseile das Hinterrad antrieben. Durch die Positionierung der Füße auf Rasten, die in unterschiedlichen Höhen an den Trethebeln angebracht waren, konnte die Hebelwirkung beeinflusst werden. An Vorder- und Hinterrad war zum Verzögern je eine Felgenbremse angebracht. Durch die relativ kleinen Räder und die tiefe Sitzposition ergab sich ein günstiger Schwerpunkt, woher auch die Bezeichnung »Sesselrad« rührte. Die flache Sitzposition sorgte ebenfalls für einen gegenüber dem normalen Niederrad geringeren Luftwiderstand. Gebaut wurde das J-Rad ab 1921 bei den Hesperus-Werken in Stuttgart, doch schon 1923 kam es wieder zur Einstellung der Fertigung wegen Materialfehler – und nach Unfällen mit tödlichem Ausgang. Paul Jaray, der später als Ingenieur in der Flugzeugtechnik arbeitete, starb 1974 in St. Gallen.

Dirk Lau in RadCity 1/2018