13.10.2018

Legendäre Fahrräder X: Velo Torpille

Von: Dirk Lau
Abbildung Velo Torpille Illustration: Michael Prahl

Jede/r Radfahrer*in kennt ihn, viele hassen ihn, einige verachten ihn: den Widerstand der Luft. Er macht – zumal unterstützt vom Gegenwind – das Radfahren schwer! Um vorwärts zu kommen, muss Mensch sich durch die Luftmasse vor ihm schieben. Das kostet Energie. Um den Luftwiderstand zu überlisten, werden moderne Fahrräder mit immer besseren aerodynamischen Konzepten entworfen. Verbleibender Störfaktor: Der menschliche Körper, der einfach nicht dafür geschaffen zu sein scheint, um durch die Luft zu gleiten. Radfahrer*innen verfeinern daher im Laufe der Zeit die Techniken, um den Luftwiderstand zu reduzieren.

Der im Jahr 1888 geborene Rennradsportler Marcel Berthet, der 1907 französischer Meister über 50 Kilometer auf der Bahn wurde, war einer der Pioniere auf der Suche nach dem geringsten Luftwiderstand mit dem Rad. Drei mal stellte er Stundenweltrekorde auf, zuletzt am 20. November 1913 über 43,775 Kilometer. Im selben Jahr erzielte er zudem mit dem Stromlinienfahrrad »Velo Torpille« des Erfinders Etienne Bunau-Varilla auch einen Geschwindigkeitsweltrekord von 57,3 km/h über 1000 Meter.

Berthets »Fahrrad-Torpedo« von 1913 ähnelte einem Zeppelin, den zigarrenförmigen Luftschiffen der damaligen Zeit, auf zwei Rädern. Durch eine seitliche Klappe stieg Berthet aufs Bahnrad, auf dem ihn ein fachwerkartiges, mit Tuch bespanntes Metallgerüst vor dem Widerstand der Luft schützte und ein kleines Cockpitfenster die Sicht nach vorne ermöglichte.