08.12.2018

Legendäre Fahrräder XI: Flying Pigeon

Von: Dirk Lau
Illustration Fahrrad: Flying Pigeon Illustration: Michael Prahl

"Früher bedeckten Radfahrer die Straßen wie Ameisen. Jetzt fahren überall Autos." So schildern Chinesen die Ver­kehrs­ver­hältnisse in ihrem Land, das schon Rad­fahrernation war, als noch niemand über Dänemark oder die Niederlande sprach. In den 1980er-Jahren fuhren 60 Prozent der Chinesen Rad, aktuell sind es nur noch 10 Prozent. Als auch im Reich der Mitte der Kapitalismus siegte, stieg ins Auto um, wer es sich leisten konnte. Doch heute erlebt auch das bevölkerungsreichste Land der Erde eine kleine Renaissance des Rads.

"Flying Pigeon" (Fliegende Taube) gilt als die chinesische Fahrradmarke schlechthin. Seit Produktionsbeginn im Jahr 1950, kurz nach der Gründung der Volksrepublik China durch Mao Tse-tung, wurden rund 75 Millionen Stück verkauft. Auf Befehl der kommunistischen Regierung sollte die Fliegende Taube das erste Fahrradwerk des »neuen Chinas« werden, seine Räder sollten widerstandsfähig, langlebig und leicht sein – ein Ziel, das die aus Stahl gefertigten Tauben mit rund 20 Kilogramm nicht wirklich erreichten.

Die Top-Modelle von Flying Pigeon heißen PA-02, PA-06 und PB-13. Letzteres ist eine Version als Damenrad, ähnlich niederländischer Omafietse. Das meist­verkaufte PA-02 ist üblicherweise schwarz lackiert, ohne Gangschaltung, dafür mit Rücktrittbremse ausgestattet. Das Singlespeed hat 28-Zoll-Räder, eine Rah­menhöhe von 56 cm, geschlossenen Ket­tenkasten, verchromtem Gepäckträger, Zweibeinständer und gefederten Sattel. Das PA-06 (61 cm) ist der größere Bruder, erkennbar am doppelten Oberrohr.